Immobilien

Wo die Berliner am liebsten wohnen

Mitte, Friedrichhain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow sind als Wohnort bei den Berlinern beliebt. Das hat zur Folge, dass dort die Immobilienpreise deutlich anziehen.

Foto: HARALD THIERLEIN

Die Berliner wohnen am liebsten in den Bezirken Mitte, Friedrichhain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow. Dort habe es im vergangenen Jahr einer Auswertung der Berliner Sparkasse und der Landesbausparkasse Berlin-Hannover zufolge die größte Nachfrage nach Wohnimmobilien gegeben, sagte eine Sprecherin der Landesbank Berlin.

Zu den beliebtesten Kiezen gehöre neben „Spandauer Vorstadt“ und Spittelmarkt die Brunnenstraße in Mitte. Die Preise zogen in beliebten Bezirken 2010 den Angaben zufolge deutlich an. In Friedrichshain, wo Wohnungen nahe der Simon-Dach-Straße oder der Sonntagstraße weiterhin stark nachgefragt würden, liege der Preis pro Quadratmeter mittlerweile im Durchschnitt bei 1900 Euro für gebrauchte Eigentumswohnungen. Im Jahr davor seien es noch 1650 Euro gewesen. Für die Randbezirke erwarteten die Banken wegen der andauernden Diskussion über die Zuverlässigkeit der Berliner S-Bahn eine „hohe Verunsicherung“ bei Immobilieninteressenten.

Zusammen mit steigenden Benzinpreisen würden dadurch vor allem Familien abgeschreckt, sich ein Eigenheim in Randlage zuzulegen. Sie suchten sich stattdessen lieber eine Wohnung mit U-Bahn-Anschluss. Die Daten wurden auf Grundlage von 2300 Kundengesprächen in den Immobiliencentern der Berliner Sparkasse und der Landesbausparkasse Berlin-Hannover erhoben.

Aufbruchstimmung im Kiez zieht an

„Ich wollte in meinem Alter einfach noch einmal etwas Neues anfangen, und ein neuer Ort gibt immer so viel Energie.“ Regina Schulte am Hülse hatte ganz individuelle Gründe für ihren Umzug von Hamburg nach Berlin-Mitte und liegt damit doch voll im Trend. Denn die 61-Jährige und ihr Mann haben vor einem halben Jahr ihr neues Domizil an der Chausseestraße bezogen. Nach der Studie der Berliner Sparkasse, die 1400 Kundengespräche und 900 Suchanfragen ausgewertet hat, zählt das Paar damit zu den Trendsettern. „Die Gegend um die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes, in der rund 4000 Arbeitsplätze entstehen, steht bei unseren Kunden derzeit ganz hoch im Kurs“, so Katja Holzer, Sprecherin der Landesbank Berlin AG. Der Standort sei insbesondere für einkommensstarke Haushalte von Interesse, die auf Nähe zum Arbeitsplatz und eine gute Infrastruktur setzen.

Die Aufbruchstimmung im Kiez hat auch die Hamburgerin angezogen: „Die Gegend hier ist gerade im Wandel und dieses Haus jetzt auch.“ Früher gehörte die renovierte Fabriketage der Firma Otis, die in den Hallen Aufzüge für Hochhäuser herstellte. Inzwischen leben dort mehr als 20 Familien, meistens in Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Musikerin lässt sich oft von ihrer neuen Umgebung inspirieren. Zurzeit arbeitet sie an einem Liederzyklus, der eine Liebeserklärung an Berlin werden soll. „In dieser Stadt prallen viele unterschiedliche Welten aufeinander. Es gibt so viel Armut und so viel Reichtum. Das finde ich spannend.“

Ein wichtiger Grund für ihren Umzug war jedoch auch der Wunsch, ihrer Tochter und dem achtjährigen Enkelkind, die ebenfalls in Berlin leben, nahe zu sein. Deshalb verkauften die Eheleute ihr Stadthaus in der Hansestadt und investierten den Erlös in die 140-Quadratmeter-Wohnung an der Chausseestraße.

Dass das Quartier in unmittelbarer Nachbarschaft zu der BND-Zentrale und dem Firmensitz des Pharmakonzerns Bayer-Schering sich mittlerweile vom tristen Quartier im Schatten der Mauer zur nachgefragten Innenstadtadresse gewandelt hat, belegen auch die Zahlen des Hamburger Forschungsinstituts F+B. Das Institut hat bundesweit die Preisentwicklungen für Eigentumswohnungen in den vergangenen drei Jahren untersucht. Ihr Ergebnis für die Postleitzahl 10115, in der auch die Chausseestraße liegt: Von 2007 bis 2010 stiegen die Preise um 18,6 Prozent und liegen jetzt bei durchschnittlich 2410 Euro pro Quadratmeter. Wer allerdings das besondere Wohnen, etwa in einem Fabrikloft, sucht, muss noch tiefer in die Tasche greifen: Als Verkäufer in den Otis-Höfen etwa agiert die Hilpert AG. Sie gehörte zu den Ersten, die den Kiez neu entdeckten. Ihre Fabriklofts kosten mittlerweile um die 3800 Euro pro Quadratmeter.

Doch nicht nur die Chausseestraße, auch die Gegend rund um den Spittelmarkt in Mitte lockt zunehmend Kaufinteressenten – was jedoch auch daran liegt, dass es hier auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Grenze zu Kreuzberg derzeit zahlreiche Wohnungsbauprojekte gibt, von denen viele 2011 fertig werden. Die Aufwertung hat Folgen: Laut F+B Studie stiegen die Kaufpreise im Quartier in den vergangenen drei Jahren um 19,4 Prozent und liegen jetzt durchschnittlich bei 2550 Euro pro Quadratmeter.

Aber auch im Nachbarbezirk Pankow tut sich nach Auskunft von Landesbank-Sprecherin Katja Holzer einiges: „Während sich viele Familien in den vergangenen fünf Jahren aus dem Kiez um den Kollwitzplatz Richtung Friedrichshain wandten, rückt nun der Prenzlauer Berg-Nord in den Fokus.“ Nördlich der Wisbyer Straße – etwa in der Neumannstraße – entstünden Neubauten, die bei Sparkassen-Kunden sehr beliebt seien. Und auch das Zentrum von Pankow um Breite Straße und Berliner Straße sei besonders von Familien nachgefragt. Von der Nachfrage profitiere auch der westlich angrenzende Wedding. „Gefragt sind meistens drei Zimmer ab 80 Quadratmeter mit Balkon oder Garten“, so Holzer. Die Quadratmeterpreise lägen bei 2500 bis 3200 Euro pro Quadratmeter für Dachgeschosse.

Wer noch günstigen Wohnraum mit Entwicklungspotenzial sucht, den verweist die Immobilien-Finanziererin auf den Nordwesten Berlins, insbesondere auf die Ortsteile Tegel und Hakenfelde. „Von der Schließung des Flughafens Tegel werden diese Ortsteile besonders profitieren“, ist sich Holzer sicher. Die Nachfrage habe bereits spürbar angezogen. Dabei seien die Preise insbesondere in Hakenfelde noch sehr günstig: Bezugsfreie Wohnungen gäbe es bereits ab 800 Euro pro Quadratmeter.

Auch für das südliche Neukölln rechnet Katja Holzer mit immer mehr Kaufinteressenten. Die Umwandlung vom Flughafen Tempelhof in eine riesige Parkfläche habe das Quartier spürbar aufgewertet. Das zeigt auch die Postleitzahlen-Analyse von F+B: In den vergangenen drei Jahren stiegen in dem Altbauquartier um die Schillerpromenade die Kaufpreise um 10,2 Prozent auf aktuell 1090 Euro pro Quadratmeter.

Trotz der guten Nachfrage nach Wohnimmobilien gibt es nach Einschätzungen der Landesbank jedoch auch Kieze, für die die Prognose 2011 ungünstig ausfällt. Im Zuge der Diskussion über die Einflugschneisen des Flughafens BBI herrsche im Süden Berlins „hohe Verunsicherung und Lethargie in Bezug auf Kaufentscheidungen“. Aktuell seien etwa in Lichtenrade/Süd und Bohnsdorf fallende Preise zu beobachten. Auch die Diskussion über die Zuverlässigkeit der S-Bahn werde für die Randlagen Folgen haben. „Dies motiviert viele Familien, sich eine Wohnung mit U-Bahn-Anschluss zu suchen.“