Dreckige Küche

Charité-Chef – "Die Sache ist uns peinlich"

Beim Zustand der Krankenhausküche der Charité in Mitte musste das Gesundheitsamt befürchteten, dass von der Decke Schmutz in die Töpfe fallen könnte. Klinik-Chef Karl Max Einhäupl erklärt den Zustand mit Kommunikationsproblemen.

Foto: Christian Hahn

Nach dem Skandal um die Schließung der Charité-Küche hat sich erstmals der Chef der Berliner Uniklinik geäußert. „Wir haben einen Fehler gemacht, die ganze Sache ist uns peinlich“, sagte Karl Max Einhäupl am Mittwoch am Rande einer Diskussionsveranstaltung bei der CDU Steglitz. Als Ursache nannte er Kommunikationsprobleme im Unternehmen.

Die Auflagen, die das Gesundheitsamt erteilt hat, seien nicht bis zum Vorstand vorgedrungen. Personalwechsel bei der Charité Facility Management (CFM) hätten dazu geführt, dass das Problem „untergegangen“ sei. Zwei Mitarbeiter auf Leitungsebene hätten gewechselt, die Auflagen seien deshalb nicht erfüllt worden.

Die CFM ist eine Tochter der Charité, die neben dem Betrieb von Kantine und Cafeteria auch für Reinigung, Telefonzentrale oder Abfall zuständig ist. Das 2300-Mann-Unternehmen wurde 2006 gegründet, um Kosten zu sparen. Mehrfach war die CFM in Kritik geraten, unter anderem wegen Stundenlöhne in Höhe von 5,55 Euro für Wachschutzpersonal. Nachdem im vergangenen Jahr ein toter Mann erst nach Tagen auf einer Toilette entdeckt wurde, kritisierte der Klinikpersonalrat, dass durch die CFM nicht nur an Geld, sondern auch an Leistung gespart werde.

Bei einer Hygiene-Kontrolle war das Gesundheitsamt über den Zustand der Großküche so schockiert, dass sie diese sperren ließ. Unter anderem wurden Ritzen an Decken und Fußböden bemängelt, aus denen Schmutz in die Kochtöpfe hätte rieseln können. Bei weiterer Küchennutzung befürchteten Mitarbeiter des Gesundheitsamts, dass es zu hygienischen Probleme bei der Warmspeisenzubereitung kommen könnte. Die Mängel wurden laut Gesundheitsamt mehrfach angemahnt.

Laut Einhäupl hätte die Sanierung des Versorgungszentrums sich ohnehin nicht gelohnt, denn diese würde eine halbe Millionen Euro verschlingen, die Küchenbereiche wieder in einen solchen Zustand zu bringen, dass wieder warm gekocht werden dürfe. „Das ist Geld, das wir nicht haben“, sagte er. „Es wäre aber besser gewesen, wir hätten die Küche in Mitte selbst geschlossen.“

Das Versorgungszentrum in Mitte soll im Zuge der Sanierung des Bettenhauses abgerissen werden. An diesem Ort sollen bis 2013 Interimscontainer entstehen, in denen Patienten aus Mitte umziehen müssen, wenn das Bettenhaus entkernt und runderneuert wird.

Derweil werden laut Einhäupl Ausbesserungsarbeiten an den noch offenen Bereichen des Versorgungszentrums in Mitte vorgenommen, damit dort weiterhin gespült und Kaltspeisen zubereitet werden können.

„Die Lösung, die wir jetzt haben, ist dauerhaft“, sagte Einhäupl. Am Campus Benjamin Franklin kocht seit Montag ein zusätzliches Team, angeführt von sechs Köchen, für Mitte mit.

Die 1400 Essen, die aus Steglitz nach Mitte gebracht werden, bedeuten einen erheblichen zusätzlichen Aufwand. Mit fünf Lastwagen werden mehrmals am Tag Suppen und Mittagsmahlzeiten in großen Thermoboxen zum Bettenhaus gefahren. In Mitte werden sie portioniert und auf die Kliniken verteilt.