Schweinegrippe

1000 Berliner erkrankt - Stadt sucht Impf-Ärzte

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Tanja Kotlorz
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Schweinegrippe-Erkrankungen steigen

In Deutschland steigt die Zahl der H1N1-Infektionen rapide an, Ende Oktober wurden 3000 Fälle pro Woche registriert. In Berlin sind offiziell bereits 1000 Menschen erkrankt. Um die Grippewelle einzudämmen, sollten sich viele Menschen impfen lassen.

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In Deutschland steigt die Zahl der H1N1-Infektionen rapide an, Ende Oktober wurden 3000 Fälle pro Woche registriert. In Berlin sind offiziell bereits 1000 Menschen erkrankt - die Dunkelziffer liegt jedoch höher. Um die Grippewelle einzudämmen, sollten sich viele Menschen impfen lassen. Erst ab kommender Woche können dies Normalbürger in Berlin tun. Doch es fehlen noch Hunderte Ärzte.

Ab kommender Woche beginnen die Impfungen gegen Schweinegrippe in den Berliner Arztpraxen. Allerdings hat die Senatsverwaltung erst mit 100 Ärzten Impfverträge abschließen können, wie die Sprecherin von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), Regina Kneiding, am Montag bestätigte. Das sind gerade einmal fünf Prozent der benötigten Praxen. Um die Versorgung der Bevölkerung abdecken zu können, müssten 2000 Ärzte dabei sein.

Am Dienstag sollen die Verträge an die niedergelassenen Ärzte rausgeschickt werden. Erst danach dürfen sie den Impfstoff Pandemrix bei der zentralen Sankt-Hubertus-Apotheke bestellen. Bis dürften sich die Berliner nur bei diesen 100 Praxisärzten gegen die neue Influenza impfen lassen. Ihre Namen sollen baldmöglichst auf der Homepage www.berlin.de/impfen veröffentlicht werden. Die Gesundheitsverwaltung geht aber davon aus, dass bis zum Montag deutlich als 100 Adressen aufgelistet sein werden.

Ursprünglich wollte die Senatsverwaltung Einheitsverträge mit etwa 2000 Berliner Kassenärzten abschließen. Doch die Honorarverhandlungen des Senats mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) scheiterten. Die Ärzte forderten 7,10 Euro pro Impfung. Der Senat will aber nur 5,50 zahlen. Nun muss die Gesundheitsverwaltung mit den Ärzten Einzelverträge abschließen.

Vorrang bei der Immunisierung gegen das H1N1-Virus durch die Kassenärzte haben zunächst chronisch Kranke, die etwa an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, an Leber- und Nierenleiden oder an Erkrankungen der Atmungsorgane leiden, sowie Diabetiker und Menschen, die an anderen Stoffwechselerkrankungen leiden, HIV-Kranke und Personen mit neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen. In Berlin sind bislang knapp 1000 Menschen an der neuen Grippe erkrankt.

Robert-Koch-Institut warnt vor weiteren Todesfällen

Derweil hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, davor gewarnt, dass in Deutschland die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen pro Woche zunehmen werde und es auch zu weiteren Todesfällen kommen werde. „Die Welle, die wir für den Herbst erwartet haben, hat begonnen“, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker. Weitere Todesfälle und schwerere Krankheitsverläufe seien für die Zukunft nicht auszuschließen. Hacker wertete es als „Warnsignal“, das es bei einer der sechs gestorbenen Schweinegrippe-Patienten in Deutschland keine Vorerkrankungen gab.

Nach RKI-Angaben wurden bislang in Deutschland keine mutierten Schweinegrippe-Viren entdeckt. Es sei auch noch kein Fall von Resistenz gegen das Grippemittel Tamiflu bekannt geworden. Ende Oktober registrierte das RKI 3075 Fälle der neuen Grippe pro Woche. In Berlin sind bislang fast 1000 Menschen an dem neuen Virus erkrankt. In der Realität dürften es weitaus mehr sein, da nicht jeder Kranke zum Arzt geht. Hacker spricht von einer „partiellen Untererfassung“.

Geringe Impfbereitschaft beim Fachpersonal

Die Impfbereitschaft scheint jedoch nicht sehr hoch zu sein. In der ersten Woche nach dem Start der Impfkampagne für das Fachpersonal haben sich an der Charité von den rund 14.500 Angestellten nur 568 Beschäftigte gegen die neue Grippe schützen zu lassen. Das teilte das Uni-Klinikum vergangenen Freitag mit. Aktuellere Zahlen hatte die Charité nicht.

RKI-Chef Hacker hält die Diskussion um die Schweinegrippe allerdings nicht für Panikmache. „Man muss die Todesfälle sehen“, betonte er. Die enge Verbindung zwischen Pharmaindustrie und Impfkommission sieht er auch nicht per se als kritikwürdig an. „Impfstoffe müssen produziert werden“, sagte er. Ohne eine „Interaktion“ mit Wissenschaftlern, die das Virus bewerten, sei das nicht möglich. „Die Verbindungen zu Unternehmen werden transparent gemacht“, betonte der RKI-Präsident. Beim Anschein von Befangenheit verließen Mitglieder der Kommission bei Besprechungen den Raum. Hacker betonte aber auch, dass die Impfkommission unabhängig vom RKI arbeite.