Trotz Versprechen

Lehrermangel auch im zweiten Halbjahr ungelöst

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Florentine Anders und Regina Köhler

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Unterrichtsausfall bleibt damit auch in der zweiten Hälfte ein zentrales Thema für die Schüler. Denn am ersten Schultag des neuen Halbjahres sind in Berlin 60 Stellen nicht besetzt. Die verzweifelte Suche nach Lehrkräften geht weiter.

Auch das zweite Halbjahr startet in vielen Schulen mit unvollständiger Besatzung. Zwar hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) Ende letzten Jahres nachgebessert und ab Februar mehr als 200 Neueinstellungen versprochen, doch nicht alle Schulen konnten geeignete Bewerber finden. Nach Auskunft der Bildungsverwaltung konnten bis jetzt 158 Lehrer eingestellt werden, 61 Verfahren sind jedoch noch nicht abgeschlossen. „Wir denken, dass alle Lehrer spätestens in drei bis vier Wochen an Bord sein werden“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin von Zöllner.

In einigen Fächern dürfte es allerdings kaum möglich sein, auch die passenden Lehrer zu finden. Besonders dramatisch ist nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW der Fachkräftemangel in Mathematik und Physik. Sowohl für Sekundarschulen als auch für Gymnasien fehlten bei den Vorstellungsrunden Bewerber.

Bei den Gymnasien meldeten sich für Mathe/Physik auf 33 Stellen nur 19 Bewerber mit Studienratslaufbahn, an den Sekundarschulen konnten von 14 Stellen mit dieser Fächerkombination nur fünf besetzt werden. Besonders schwierig sieht es auch bei den Sportlehrern aus. An Grundschulen wurden zehn Sportlehrer gesucht, doch nur fünf wurden gefunden.

An der Friedensburg-Schule in Charlottenburg fehlten auch gestern noch zwei Lehrer. Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, sagte, dass die Schule das Problem der Unterausstattung seit Schuljahresbeginn vor sich herschiebe. So gehe es vielen Schulen. Die Friedensburg-Sekundarschule habe zum Halbjahr zwar zwei Stellen bewilligt bekommen, diese aber einfach nicht besetzen können. Für Mathematik und Sonderpädagogik fehlten Lehrer. „In der zentralen Einstellungsrunde hatten wir eine Mathematiklehrerin gefunden. Die hat aber nach wenigen Tagen wieder abgesagt, weil sie eine besser bezahlte Stelle in Hamburg antreten konnte“, so Schuknecht.

An der Clay-Schule in Neukölln konnte noch immer kein Physiklehrer gefunden werden. Erst im Januar hatte sich eine Schülervertreterin mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt. Schon seit Wochen ist der Physikunterricht ausgefallen. Jetzt gibt es zumindest einen befristeten Vertretungslehrer, doch langfristig ist keine Lösung in Sicht. Schulleiter Hartwig Beier sagte, dass er bisher keinen Fachlehrer finden konnte. „Wir sind deshalb froh, dass wir die Stelle wenigstens mit einer Vertretungskraft besetzen konnten.“

Auch an den berufsbildenden Oberstufenzentren gibt es Lücken. Elf Lehrer sollten eingestellt werden, doch nur fünf Stellen konnten besetzt werden. Das Problem sind die Fachrichtungen in den auf bestimmte Berufsfelder spezialisierten Schulen. Doch selbst wenn alle 211 Stellen besetzt sind, gibt es an den Schulen bereits neue Lücken. Monatlich scheiden 70 bis 90 Lehrer durch Pensionierung aus. Hinzu kommen Schwangerschaften und dauerhafte Krankschreibungen. Die Lücken sollen die Schulen zunächst durch Vertretungslehrer mithilfe des Personalkostenbudgets stopfen. Das Problem: Immer weniger Lehrer wollen befristet in einer Schule einspringen, schließlich gibt es derzeit in allen Bundesländern gute Chancen auf eine Festanstellung. Und in den meisten anderen Bundesländern erhalten die Lehrer durch Verbeamtung zudem auch mehr Geld.

Zum kommenden Schuljahr will Bildungssenator Zöllner die Lehrereinstellungen vorziehen, um so den anderen Bundesländern zuvorzukommen. Schon im März dieses Jahres sollen die Stellen ausgeschrieben werden. Bis dahin müssen alle Schulen ihre voraussichtliche Schülerzahl für 2011/2012 gemeldet haben.

Für etwas Entlastung dürften die 589 Referendare sorgen, die von heute an den Berliner Schulen ihren Vorbereitungsdienst für das Lehramt aufnehmen. Nachdem die Zahl der Referendare in den vergangenen Jahren gekürzt wurde, hat Zöllner in diesem Jahr erstmals die Referendare um 77 aufgestockt. Wo die angehenden Lehrer zur Ausbildung eingesetzt werden, hängt von den Schulen ab. „Es gibt immer Schulen, die sich über Referendare freuen, und andere, die den Aufwand mit den jungen Kollegen ablehnen“, sagt Peter Sinram, Sprecher der GEW.

Die Eltern wollen die Unterausstattung vieler Schulen nicht länger hinnehmen und planen für Ende Februar größere Protestaktionen. „Wir fordern, dass Berlin mehr Geld für Bildung ausgibt“, sagte Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. „Die Schulen der Hauptstadt sind unterfinanziert.“