Gesundheitsamt

Charité-Küche nach Hygienecheck geschlossen

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Ina Brzoska

Foto: picture-alliance/ ZB

Eine unangekündigte Kontrolle des Gesundheitsamtes deckte in der Charité-Küche in Berlin-Mitte große Hygiene-Mängel auf. Die Einrichtung, die Patienten mit Essen versorgt, wurde umgehend geschlossen.

Nach einer Hygienekontrolle hat das Gesundheitsamt das Versorgungszentrum der Charité in Mitte teilweise sperren lassen – davon betroffen ist auch die Küche des Bettenhauses. Seit Montag dürfen an der Luisenstraße keine warmen Gerichte mehr zubereitet werden. Köche des Charité-Standorts Benjamin Franklin in Steglitz müssen nun die Patienten in Mitte mitversorgen. Grund für die Anordnung der Behörde sind bauliche Mängel, die zu hygienischen Problemen führen könnten. Am Standort Mitte werden normalerweise täglich 1400 Frühstücke, Mittag- und Abendessen zubereitet.

Bei einer unangekündigten Kontrolle am vergangenen Freitag zeigten sich Mitarbeiter des Gesundheitsamts offenbar so schockiert, dass sie umgehend die Teilschließung jenes Versorgungszentrums anordneten. Zwar wurden in erster Linie bauliche Mängel beanstandet, diese könnten aber laut Gesundheitsamt schnell zu hygienischen Problemen führen. Die Mitarbeiter des Veterinäramts entdeckten Risse in Decken und Wänden – Ritzen, aus denen der Dreck ins Essen rieseln könnte. Angesichts der Versorgung von teilweise schwer kranken Menschen die auf der Intensiv- oder Schlaganfallstationen liegen, wurde den Kontrolleuren die Situation zu heikel. Hinzu kam, dass Verantwortliche dieses Bereichs am Freitag im Urlaub weilten.

Der Behörde waren die baulichen Mängel der Küchen offenbar schon länger bekannt. Bereits vor einem Jahr soll es Probleme mit der Hygiene gegeben haben, was das Gesundheitsamt bestätigte. „Die Mängel, die es da gibt, haben wir schon vor Wochen und teilweise mehrfach kritisiert“, sagte Christian Hanke (SPD). Der Bürgermeister von Mitte ärgert sich, dass die Uniklinik immer noch nichts getan hat, um den maroden Zustand zu beheben. „Ich erwarte, dass schnellstens die notwendigen Maßnahmen getroffen werden“, sagte er. „Wir sahen keine andere Möglichkeit, als die Notbremse zu ziehen.“ Nach einer weiteren Begehung des Gesundheitsamts wurde mit der Charité vereinbart, dass nicht nur die Zubereitung der warmen Gerichte für die Patienten, sondern auch die Reinigung des Geschirrs von Steglitz übernommen werden muss. Erst wenn die baulichen Mängel behoben sind, kann der Betrieb in Mitte wie gewohnt weiterlaufen.

Die Uniklinik, die das Versorgungszentrum in zwei Jahren abreißen lassen will, versuchte am Montag zu beschwichtigen. „Die Schließung der Küche ist eine rein prophylaktische Maßnahme“, sagte Charité-Sprecherin Stefanie Winde Morgenpost Online. Sie habe sich über den Zustand ausführlich informiert, sich Fotos zeigen lassen. „Es ist nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört“, sagte sie. Dennoch: Die aktuelle Lösung werde wohl eher eine dauerhafte sein. Ein Charité-Mitarbeiter berichtete Morgenpost Online, dass zwei Dutzend Mitarbeiter am Wochenende die Küche reinigen mussten. Doch trotz der Schrubbaktion konnte das Gesundheitsamt, das am Montag ein weiteres Mal die Küchen besichtigte, kein grünes Licht geben.

Inzwischen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet – die Charité muss mit einer Geldbuße rechnen.

Am Montag wurden die Patienten-Menüs erstmals in großen Lastwagen aus Steglitz angeliefert. In Mitte wurde nur noch portioniert und auf die einzelnen Stockwerke verteilt – das Bettenhaus hat 21 Etagen und bei voller Auslastung Platz für 727 Patienten. Das Versorgungszentrum ist über unterirdische Gänge mit den Kliniken verbunden, über diese Wege werden nach wie vor die Mahlzeiten transportiert.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seit Jahren aber moniert er selbst den maroden Zustand der Uniklinik, die schon längst eine grundlegende Sanierung brauche. Die hoch verschuldete Charité hat es bislang nicht geschafft, das Geld dafür aufzubringen. Der Senat bewilligte jüngst 330 Millionen Euro, die ab 2013 verbaut werden sollen.

Besonders der Standort Mitte gilt als Sanierungsfall: Das Bettenhaus, ein 30 Jahre alter DDR-Bau, soll entkernt und runderneuert werden. Das Gebäude, in dem sich die gesperrten Küchen befinden, soll im Rahmen der Sanierung abgerissen werden. Dort sollen Container entstehen, in denen die Patienten, die ab 2013 aus dem Bettenhaus verlegt werden müssen, betreut werden können.