Erstsemester

Berlins Hochschulen fürchten sich vor Ansturm

Doppelte Abiturgänge, Ende der Wehrpflicht, dazu noch keine Studiengebühren in der Hauptstadt: Berlin bereitet auf einen Ansturm auf die Hochschulen vor. Der Senat will davor Millionen bereitstellen. Die Unis sind dennoch skeptisch.

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Die Technische Universität Berlin (TU) sieht den drohenden Ansturm auf Berlins Hochschulen weniger gelassen als Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). „Wir können definitiv keine zusätzlichen Hochschullehrer einstellen“, sagte TU-Vizepräsident Wolfgang Huhnt. Für Übungen und Praktika fehle es nicht nur an Betreuern, sondern auch an Laboren, zum Beispiel in der Chemie. Zöllner gibt sich dagegen optimistisch, dass die Hochschulen den Ansturm meistern.

Wegen der doppelten Abiturjahrgänge und dem Ende der Wehrpflicht drängen in den kommenden beiden Jahren deutlich mehr Studenten als früher an Berlins Hochschulen. Anders als in anderen Bundesländern gibt es in der Hauptstadt keine Studiengebühren. Das macht Berlin neben seiner großen Beliebtheit als Stadt noch besonders attraktiv. Im Jahr 2006 begannen rund 20 000 Studienanfänger in Berlin. Im Jahr 2012 rechnet die Bildungsverwaltung mit 31 500.

Mit Hochschulpakt und Hochschulverträgen hat Berlin bereits Vorsorge getroffen. Senator Zöllner will darüber hinaus 35 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt bereits in diesem Jahr verteilen. Normalerweise würde das Geld erst 2012 an die Hochschulen fließen. Die TU bleibt dennoch skeptisch. „Es ist immer die Frage, welche Summe bei der einzelnen Hochschule ankommt“, sagte Vize Huhnt.

Die Freie Universität (FU) hat sich auf weiterhin steigende Bewerberzahlen vorbereitet. Die Abläufe im Bereich Bewerbung und Zulassung seien bereits einer Revision unterzogen worden, teilte Präsidenten-Sprecher Goran Krstin mit. Damit die Universitäten handlungsfähig blieben, werde es dringend nötig sein, dass die Politik zusätzliche Mittel zur Erhöhung der Kapazitäten bereitstelle.

Ob die 35 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt ausreichen, sei noch abzuwarten, sagte Krstin. „Wie genau das Geld auf die Berliner Hochschulen verteilt werden soll und vor allem, ob allein dieser Betrag ausreichen wird, um den zu erwartenden zusätzlichen Andrang zu finanzieren, das werden wir erst wissen, wenn die Abitur-Doppeljahrgänge und die Aussetzung der Wehrpflicht Realität geworden sind.“ Sinnvoll sei in dieser schwierigen Situation für Berliner Studienanfänger auf alle Fälle ein zusätzliches schulisches Kursangebot zur Studienvorbereitung. So könnten Fehlentscheidungen und unnötige Fachwechsel vermieden werden.