Liebig 14

Keine Ende der Gewalt in Friedrichshain

Wieder haben Linksextreme nach der Hausräumung der Liebigstraße 14 ihrem Frust durch Zerstörungen Luft gemacht. Solidarität bekommen sie aus Hamburg und Kopenhagen, wo es auch zu Straßenschlachten kam.

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Im Berliner Bezirk Friedrichshain warfen Randalierer am Abend Fensterscheiben ein, nachdem das linke Hausprojekt "Liebigstraße 14" geräumt werden musste. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

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Auch drei Tage nach der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 in Friedrichshain kehrt keine Ruhe ein. Laut einem Polizeisprecher habe sich die Lage nach den jüngsten Ausschreitungen am Freitagabend nur ein wenig beruhigt, man rechne mit weiteren Straftaten linksextremer Täter. Die Proteste haben sich inzwischen sogar über die Grenzen Berlins ausgeweitet. Auch in Hamburg und Kopenhagen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Franz Schulz (Grüne), Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, warnt unterdessen vor neuen Konflikten, weil weitere Räumungen in dem Bezirk bevorstehen könnten.

Eine Prognose für die kommende Nacht mochte der Polizeisprecher in Berlin nicht abgeben. Man sei aber in jedem Fall darauf vorbereitet, dass beispielsweise Autonome versuchen würden, in kleineren Gruppen weitere Zerstörungen anzurichten. Deshalb würden die Beamten weiter verstärkt Streife fahren, sagte er Morgenpost Online.

In Berlin hatten sich am Freitagabend rund 200 Anhänger der Hausbetzerszene in der Revaler Straße in Friedrichshain zu einer friedlichen Kundgebung versammelt. Kurz darauf zogen jedoch rund 50 teils vermummte Randalierer in Mitte durch die Alte Schönhauser Straße über die Weinmeisterstraße bis zur Rochstraße und schlugen dabei wahllos mit Steinen und anderen Gegenständen die Scheiben von 30 Geschäften und sechs am Straßenrand geparkten Autos ein. Die Täter konnten fliehen, bevor die Polizei eintraf.

Auch in Hamburg lieferten sich in der gleichen Nacht Randalierer Straßenschlachten mit der Polizei. Rund 250 Sympathisanten der Hausbesetzerszene zogen durch St. Pauli und Altona, errichteten Barrikaden und versuchten, gegen eine Polizeikette anzurennen. Die Beamten wehrten sich mit Pfefferspray und Schlagstöcken. Außerdem wurden zahlreiche Schaufensterscheiben eingeworfen. Ein Mann warf einen Böller gegen das Rathaus und wurde daraufhin von der Polizei festgenommen.

In Kopenhagen kam es ebenfalls zu Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und den Ordnungskräften. Nach Angaben der dänischen Polizei vom Sonnabend wurden Beamte mit Flaschen und Brandsätzen vor dem Kopenhagener Autonomen-Zentrum „Ungdomshus“ beworfen. Einsatzkräfte drangen in das Haus ein, nahmen Personalien auf und räumten das Jugendzentrum vorübergehend.

Bei der Zeitung „Neue Westfälische“ ging ein Bekennerschreiben ein, in dem die Autoren die Verantwortung für einen Anschlag auf eine Polizeiwache in Bielefeld übernahmen und diesen ebenfalls mit der Zwangsräumung des Hauses Liebigstraße 14 begründeten.

Auch der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), glaubt nach der Räumung des Hauses in Friedrichshain nicht an ein Ende des Konflikts. Die Hausprojekt-Szene in seinem Bezirk sei beunruhigt, weil der Eigentümer des nun geräumten Hauses auch bei seinen anderen Objekten in der Rigaer Straße 94, 95 und 96 Druck auf die Bewohner ausübe, sagte Schulz zu Morgenpost Online. „Ich befürchte, dass sich das Szenario wiederholen wird.“