Bewerberwelle

Mehr Berliner sollen Platz an Unis erhalten

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will Berliner Abiturienten mehr Chancen im Konkurrenzkampf um einen Studienplatz in ihrer eigenen Stadt einräumen. Welche Maßnahmen er plant.

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Berliner Abiturienten sollen künftig größere Chancen auf einen Studienplatz in Berlin erhalten. Bildungssenator Jürgen Zöllner präsentierte am Dienstag Maßnahmen, die angesichts des doppelten Abiturjahrgangs und der Aussetzung der Wehrpflicht, die Berliner Bewerber an den hiesigen Universitäten stärken sollen. Durch die Verkürzung der Schulzeit zum Abitur von 13 auf 12 Jahren verlassen allein in der Hauptstadt im Sommer 2012 etwa 6000 zusätzliche Abiturienten die Schulen. Durch die Aussetzung der Wehrpflicht rechnen die Berliner Universitäten noch einmal mit 1500 zusätzlichen Bewerbern. Auch aus anderen Bundesländern drängen mehr Bewerber an die Berliner Universitäten und Fachhochschulen. Für die Berliner Abiturienten wird es deshalb immer schwerer, in ihrer Stadt, einen Studienplatz zu bekommen. Zöllner will deshalb den Berliner Schulabgängern über die Hintertür einen Vorsprung verschaffen. So soll in der Oberstufe der Gymnasien und Sekundarschulen das neue Wahlfach „Studium und Beruf“ eingeführt werden. Mit den Universitäten wurde vereinbart, dass die Teilnahme an diesem Fach dann von den Hochschulen bei den Aufnahmeverfahren als Vorleistung anerkannt wird. Das Fach, soll allerdings erst ab dem Schuljahr 2011/2012 angeboten werden. Lehrer sollen dafür einen kompakten Weiterbildungskurs erhalten.

Zudem soll es ab 2012 eine Quote für minderjährige Studienplatzbewerber geben, denn dann werden die ersten Schnellläuferklassen fertig. „Wir wollen, dass alle Schnellläufer in Berlin einen Studienplatz bekommen können, denn für die Minderjährigen ist es schwer, in einer anderen Stadt zu wohnen“, sagt Christian Walther, Sprecher der Bildungsverwaltung.

Auch über eine Härtefallregelung soll es Berliner Abiturienten möglich sein, bevorzugt in ihrer Stadt einen Studienplatz zu erhalten. Ein Härtefall kann geltend gemacht werden, wenn beispielsweise ein Angehöriger zu pflegen ist oder der Umzug wegen Krankheit nicht zumutbar ist.

Schnell für Umsetzung sorgen

Die Universitäten begrüßten Zöllners Pläne. „Wir müssen uns jetzt so schnell wie möglich an die Umsetzung machen“, sagte Jens-Uwe-Nagel, Vizepräsident der Humboldt-Universität. Der Kurs „Studium und Beruf“ müsse vor allem dazu beitragen, dass die Schüler herausfinden, welches Studium für sie geeignet ist und was sie jeweils erwartet. „Viel zu viele brechen nach dem ersten Studienjahr ab, weil sie das falsche Fach gewählt haben“, sagte Nagel. Eine bessere Vorbereitung der Schüler könne das verhindern. Vertreter der Universitäten würden deshalb gern an der Ausgestaltung des neuen Kurses mitarbeiten. Auch Lerntechniken könnten Gegenstand dieses Kurses sein.

Laut Vizepräsident Nagel vergibt die Humboldt-Universität fünf Prozent ihrer Studienplätze an Härtefälle. „Unter Berücksichtigung der von Senator Zöllner geplanten Vorabquoten für Berliner Bewerber müsste die Härtefallreglung erweitert werden“, sagte Nagel.

Derzeit sieht die Zulassungsverordnung vor, dass mindestens zwei Prozent der Studienplätze Härtefällen vorbehalten sind. Nach Angaben der Bildungsverwaltung soll der Umfang nicht verändert werden, vielmehr sollen die Tatbestände für einen Härtefall überarbeitet werden.

Während Zöllner offenbar mit den Universitäten über seine Pläne gesprochen hat, Berliner Abiturienten mehr Chancen auf einen Studienplatz in Berlin einzuräumen, äußerten Vertreter von Schulleiterverbänden ihr Erstauen über das Vorhaben des Senators. Paul Schuknecht von der Vereinigung der Berliner Schulleiter sagte, „mit uns ist bisher darüber nicht gesprochen worden.“ Auch Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, hatte noch nichts von Zöllners Plänen gehört. Die Vereinigung weise bereits seit 2008 darauf hin, dass der bevorstehende Studentenansturm entsprechende Maßnahmen erfordere, sagte Treptow.

Der wissenschaftspolitische Sprecher der CDU, Nicolas Zimmer, bezeichnete Zöllners Pläne als nicht ausreichend: „Wir fordern, die Zulassungsvoraussetzungen zu ändern. Die Hochschulen müssen stärker nach ihren Profilen und den regionalen Interessen auswählen können“.