Neuer Präsident

Spitzenforscher soll Technische Uni führen

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Birgit Haas

Die Technische Universität Berlin (TU) in Charlottenburg soll bald einen neuen Präsidenten bekommen. Amtsinhaber Kurt Kutzler hört am Ende seiner zweiten Amtszeit nach insgesamt acht Jahren auf. Jetzt haben sich die Uni-Gremien für einen Nachfolge-Favoriten ausgesprochen.

Im Alter von 68 Jahren geht TU-Präsident Kurt Kutzler in den Ruhestand. Am 6. Januar wird der erweiterte Akademische Senat der Uni einen Nachfolger wählen, der am 1. April das Amt antreten soll. Die Kandidaten, die TU-Professoren Martin Grötschel und Jörg Steinbach, sind seit vergangener Woche bekannt, der Wahlkampf an der Berliner Universität hat begonnen.


Am Donnerstag hat das Kuratorium der TU, in dem auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sitzt, Martin Grötschel als Nachfolger empfohlen. Zwar ist es die Aufgabe des Kuratoriums, eine Empfehlung abzugeben und zu entscheiden, ob die Kandidaten den Aufgaben der Präsidentschaft gewachsen sind. Unüblich ist es aber, dabei einen Favoriten zu nennen.

In der Stellungnahme zu den Präsidentschaftskandidaten beschreibt das Kuratorium Martin Grötschel als geeigneter, um das Profil der Uni zu schärfen und sowohl die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit als auch die Lehre voran zu treiben. Das sei notwendig, da, wie es in der Stellungnahme heißt, "die Reputation der TU erheblich verbessert werden muss."

Exzellenzinitiative ist entscheidend

Schaut man sich Titel und Auszeichnungen des 61-jährigen Martin Grötschel an, kann man die Entscheidung des Kuratoriums verstehen. Der Mathematik-Professor ist zweifacher Doktor, trägt mehrere Ehrendoktortitel. Für seine Forschung hat er unter anderem den Leibniz-Preis bekommen. In mehreren Forschungszentren sitzt er im Vorstand, ist Vize-Präsident des Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin. Kurz: Martin Grötschel ist ein Spitzenforscher mit internationalem Renommee.

Einen solchen Ruf hätte die Hochschule am Ernst-Reuter-Platz auch gern, und Martin Grötschel will ihr dazu verhelfen. "Ich möchte die TU konsequent auf Exzellenz ausrichten." Die TU soll, so der Mathematiker, bald in allen Rankings vorne liegen und mit natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungsergebnissen weltberühmt werden. Ein hochgestecktes Ziel, denn derzeit liegt die TU im Uni-Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf Platz 27.

Aber Martin Grötschel verfügt über die notwendigen Kontakte. Und er will nicht nur die Spitzenforschung verbessern, sondern alle mitnehmen. Auch die Studierenden. Zwar sollen sie eine lebensnahe und zukunftsweisende Ausbildung erhalten. "Aber die Arbeitsbelastung muss angemessen sein."

Kurz nach Amtsantritt hat Martin Grötschel die Gelegenheit, sein Können zu beweisen. Denn dann müsste er die Bewerbung der TU zur Exzellenzinitiative 2011, eines Verbunds zur Wissenschaftsförderung, federführend gestalten.

Bei dieser Aufgabe könnte ihm sein Konkurrent Jörg Steinbach etwas voraushaben. Der ist seit 2002 Vize-Präsident der TU und hat bereits zwei Bewerbungen zur Exzellenzinitiative mitgestaltet. Ein Lokalmatador mit Erfahrung, die TU ist sein Zuhause. Dort hat er bereits Chemie studiert, promoviert und 1996 eine Professur übernommen. Nur zehn Jahre seiner beruflichen Laufbahn hat er nicht an der TU verbracht. Er weiß, was er will, nämlich: "Aus dem existierenden Potenzial der TU einen weiteren Erfolg in der Exzellenz-Initiative zu holen." Die Lehre möchte er vor allem für das erste Studienjahr verbessern, um die Abbrecherquote von derzeit rund 30 Prozent zu verringern. Außerdem sind ihm die Unterschiede in der Finanzausstattung der Forschungsbereiche ein Dorn im Auge. "Ich will keine Neidkultur zwischen den Forschern." Dass das Kuratorium eine Empfehlung für seinen Konkurrenten abgab, stört ihn nicht: "Wir konnten beide punkten."