Großbaustelle

Taxi-Zufahrt am Hauptbahnhof 18 Monate gesperrt

Neue Hiobs-Botschaft für Bahnreisende: Das Areal um den Berliner Hauptbahnhof wird erneut zur jahrelangen Großbaustelle mit folgenschweren Verkehrseinschränkungen. Vor allem die zu Stoßzeiten bereits schon jetzt überaus chaotische Zufahrtsituation für Taxis und Privat-Pkw wird noch katastrophaler.

Nach Informationen von Morgenpost Online wird die schmale Autovorfahrt am Europaplatz von Ende 2013 an für mindestens 18 Monate gesperrt, die Taxis werden umgeleitet. Wohin, steht aber noch nicht fest. Zudem soll bereits ab kommendem Jahr zunächst der südliche, dann der nördliche Teil des Friedrich-List-Ufers für insgesamt 32 Monate gesperrt werden.

Grund dieser drastischen Maßnahmen sind die Bauarbeiten für den etwa 230 Millionen Euro teuren Neubau der S-Bahn-Linie 21. Sie soll nach neuesten Informationen nicht 2016, sondern erst ab 2017 vom Hauptbahnhof bis zum Nordring der S-Bahn führen.

Der neue Vorsitzende der Berliner Taxi-Innung, Uwe Gawehn, zeigte sich am Dienstag überrascht von den Plänen, die Zufahrt am Europlatz zu sperren. „Wir wurden darüber nicht informiert“, sagte er spürbar verärgert. Die Verkehrssituation am Hauptbahnhof sei sowieso schon eine einzige Katastrophe, sagte Gawehn. „Weitere Einschränkungen sind einfach nicht mehr tragbar.“

Auch der Vorsitzende des Taxi-Verbandes Berlin Brandenburg, Detlev Freutel, kritisierte die neuen Planungen am Hautbahnhof-Areal als „völlig unprofessionell, ohne den Bedarf der Fahrgäste zu berücksichtigen“. Er forderte, Vertreter der Taxi-Innung und des Taxi-Verbandes schnellstens an den Verkehrsplanungen zu beteiligen. „Sonst ist dort noch mehr Chaos programmiert.“ Sein Kollege Gawehn wies zudem darauf hin, dass der Hauptbahnhof nach der Schließung des Flughafen Tegels künftig für die Taxis noch viel wichtiger werde. „Die bislang knapp 200 Aufstellplätze unter dem Viadukt reichen jetzt schon nicht“, so Gawehn. „Hier kommen noch weitere Probleme auf uns zu.“

Neben der 18-monatigen Sperrung der Taxi-Vorfahrt auf dem Europaplatz wird auch die für 32 Monate anberaumte Sperrung der Straße Friedrich-List-Ufer für massive Verkehrseinschränkungen sorgen. Die geplanten Sperrungen wurden am Montag am Rande eines Informations-Rundganges der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr bekannt.

Anlass für die Besichtigung des Hauptbahnhof-Umfelds und Teile der angrenzenden Entwicklungsgebiete war die Vorbereitung der nächsten Sitzung des Ausschusses im Abgeordnetenhaus. Dort wird es am 8. November 2010 unter anderem um die von der CDU beantragte Diskussion über das Erscheinungsbild rund um den Berliner Hauptbahnhof gehen. Auch ein Besprechungs-Antrag der Grünen bezüglich der Bauqualität und weiterer Baumaßnahmen am Hauptbahnhof steht auf der Tagesordnung.

Der Planer des größten europäischen Kreuzungsbahnhofes Meinhard von Gerkan hatte bei Morgenpost Online bereits „die primitive Architektur der Neubauten, die den Bahnhof verstellen“ kritisiert. Dass jedoch nicht nur die Architektur der bisherigen Neubauten, sondern auch die Gestaltung und die Zufahrten zu den Bahnhofsvorplätzen weiterhin für Zündstoff sorgen, wurde auch bei dem Rundgang deutlich.

Die Information über die Gestaltung des nach wie vor öden Washingtonplatzes, die kommende Woche zunächst mit der Pflasterung von Granitsteinen beginnt, erntete in der Runde der Abgeordneten und Gäste teilweise nur müdes Lächeln. Auf Initiative der CDU-Abgeordneten Stefanie Bung nahm in Vertretung von Hauptbahnhof-Architekt Meinhard von Gerkan der Planer David Schenker vom Berliner Büro Gerkan, Marg und Partner (GMP) an dem Rundgang teil. Meinhard von Gerkan ist derzeit in Taiwan. „Es ist doch Augenwischerei zu sagen, wir pflastern den Platz, und damit haben wir das Problem gelöst“, sagte GMP-Planer Schenke. Auch Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) zeigte Unverständnis ob dieser Gestaltung: „Es kann doch nicht sein, dass der Vorplatz nur eine platte Fläche ist.“ Mit ihrer Parteikollegin Claudia Hämmerling, der CDU-Abgeordneten Stefanie Bung und GMP-Planer Schenke war sie sich auch einig, dass die bisherigen Taxi-Vorfahrten eine Fehlplanung sind und dringend mehr Stellplätze für Fahrräder gebaut werden müssen. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, erneuerte am Dienstag gegenüber Morgenpost Online ihre Forderung, „dass unnötige S-Bahn-Projekt S 21 in Berlin zu stoppen und statt dessen die bereits bestehenden Tunnelröhren der Deutschen Bahn für die Verbindung vom Hauptbahnhof zum Nordring zu nutzen“. Vor dem Hintergrund, dass die bestehenden Tunnel nur zu 20 Prozent ausgelastet seien, sei die Investition von einer halben Milliarde Euro für die neue Verbindung verantwortungslos, so Hämmerling.

Dass künftige Neubauten auf dem Hauptbahnhof-Areal architektonisch anspruchsvoller als die bisherigen stark kritisierten Projekte realisiert werden, glaubt Architekt David Schenke nicht, „so lange keine qualitätssichernden Wettbewerbsverfahren durchgeführt werden“.

Star-Architekt Meinhard von Gerkan hat unterdessen vor seiner Abreise nach Taiwan gegenüber Morgenpost Online den Einsatz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit gefordert. Bislang seien die Planungen für das Hauptbahnhof-Areal auf einer niedrigen Ebene behandelt worden. „Wenn hier noch etwas zum Positiven gewendet werden kann, dann nur noch auf der politischen Ebene. Klaus Wowereit muss das Wort ergreifen“, fordert von Gerkan. Auf Nachfrage bei der Senatskanzlei hieß es jedoch nur, dass der Regierende Bürgermeister zu diesen Fragen „bedauerlicherweise nicht zur Verfügung steht“.