Entschuldigungspaket

Wieder Freifahrt-Monate für S-Bahn-Kunden

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Thomas Fülling

Foto: dpa / dpa/DPA

Angesichts der andauernden Pannen wird es wohl für die geplagten Fahrgäste des Berliner Nahverkehrsunternehmens - ähnlich wie im letzten Jahr - Entschädigungen geben. Die Unternehmenskrise beschäftigt nun auch den Bundestag.

Die leidgeplagten Nutzer der Berliner S-Bahn können wenigstens auf ein Trostpflaster hoffen. Nach Informationen von Morgenpost Online will der Bahn-Konzern ein „Entschuldigungspaket“ im finanziellen Umfang des Vorjahresangebots schnüren. Dies hat nach Aussagen von Teilnehmern S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch im nicht öffentlich tagenden Verkehrsausschuss des Bundestags angekündigt.

2010 hatte die S-Bahn etwa allen Zeitkarten-Inhabern zwei Freifahrt-Monate gewährt, Gelegenheitsfahrer konnten verbilligte Monatskarten kaufen oder an Wochenenden mit einem Einzelfahrschein den ganzen Tag über fahren. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte jüngst zwar erneute Entschuldigungsleistungen angekündigt, Einzelheiten sollen aber erst am Monatsende bekannt gegeben werden.

Der Berliner Bundestagsabgeordneten Lisa Paus (Grüne) geht dieses Angebot jedoch nicht weit genug. „Wir fordern zusätzlich für jeden Stammkunden einen 50-Euro-Scheck, damit dieser beim Zugausfall auch mal ein Taxi nehmen kann“, sagte sie. Die Verkehrspolitikerin zeigte sich enttäuscht von den Ausführungen von S-Bahn-Chef Buchner vor dem Parlamentsausschuss. „Es ist erschreckend, dass selbst einfache Dinge nicht funktionieren“, sagte sie nach der gut einstündigen Anhörung. Dazu gehöre etwa die Kundeninformation, dass die S-Bahn nach eigener Aussage noch zwei Jahre benötige, um ein modernes System aufzubauen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner forderte den Berliner Senat auf, endlich das Gesprächsangebot der Bundesregierung anzunehmen. Es müsse Schluss sein mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen. „Die Berlinerinnen und Berliner haben einen Anspruch darauf zu erfahren, wie lange sie noch mit einer eingeschränkten S-Bahn rechnen müssen“, sagte er. Es werde immer deutlicher, dass das Problem nur durch zusätzliche Investitionen in Technik in den Griff zu bekommen sei. Daher müsse auch zeitnah darüber gesprochen werden, wie es nach dem Auslaufen des S-Bahn-Vertrages Ende 2017 weitergeht. Darüber wollte der Senat bereits Ende 2010 entscheiden.

Angesichts der Dauerkrise fordern Politiker und Betriebsrat ein Extra-Kontrollgremium, das die Sanierung des pannengeplagten Tochterunternehmens der Deutschen Bahn begleitet. Ihm könnten Parlamentarier aus dem Bundestag und dem Berliner Abgeordnetenhaus sowie Vertreter von Bundesregierung, Senat, Bahn, Arbeitnehmern und Fahrgastverbänden angehören. Entsprechende Forderungen erhoben SPD und der S-Bahn-Betriebsrat.