Nahverkehr

Berlins Regierung will eine Frau als BVG-Chefin

In der Berliner Politik beginnt das Gerangel um die Nachfolge von BVG-Vorstandschef Andreas Sturmowski. Ein Jahr ist er noch im Amt, doch schon beginnen die Parteien ihre Forderungen an einen Bewerber zu formulieren. Eine Frau wird bevorzugt, doch die Suche könnte schwierig werden - und weitere Köpfe kosten.

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Kein neuer Vertrag für Sturmowski

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Eigentlich hat der Vorstandschef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Andreas Sturmowski, noch ein Jahr Arbeit vor sich. Doch bereits einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass der Aufsichtsrat seinen bis Oktober 2010 laufenden Vertrag nicht verlängert wird, begann das Gerangel um seine Nachfolge.

So wurden bei den Regierungsparteien SPD und Linke, aber auch bei den Grünen Stimmen laut, wonach das größte und zugleich schwierigste landeseigene Unternehmen künftig von einer Frau gelenkt werden soll. „Im Vordergrund steht natürlich die Qualifikation. Aber es wäre sehr schön, wenn es eine Frau wird“, gibt Jutta Matuschek, Vizefraktionsvorsitzende der Linken die Richtung vor.

Analog dazu fordert die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ulrike Neumann, den BVG-Chefposten mit einer Frau zu besetzen. Und die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger warnt Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) davor, dass die Personalentscheidung wieder eine „Männerklüngel-Posse“ wird.

Kofbinger erinnert daran, dass der Posten des BVG-Finanzvorstands erst vor einem Jahr ohne Ausschreibung, aber mit dem Wohlwollen des damaligen Finanzsenators Sarrazin „an einen jungen Protegé des Vorstandsvorsitzenden Sturmowski vergeben wurde“. Ihre Forderung: „Herr Nußbaum, jetzt ist eine Frau am Zug!“

Der Senat wies den Vorwurf der Rechtswidrigkeit der Stellenvergabe an Henrik Falk – zuvor BVG-Justitiar – zurück, versprach aber, nicht zuletzt wegen des massiven Drucks aus den eigenen Reihen, zugleich, auch Vorstandsposten in Landesunternehmen erst nach einer Stellenausschreibung zu besetzen.

Allerdings dürfte ausgerechnet BVG-Chef Sturmowski mit seiner Personalentscheidung vor einem Jahr dafür sorgen, dass die Suche nach einem Nachfolger, oder besser einer Nachfolgerin trotz eines Jahresgehalts von rund 400.000 Euro nicht leicht wird. Denn am 1. November 2008 übernahm er auch den Vorstand Betrieb, der für den gesamten Fahrbetrieb bei Bus, Tram und U-Bahn zuständig ist. Den vorherigen Betriebsvorstand Thomas Necker hatte Sturmowski vorzeitig vor die Tür gesetzt, weil zwischen ihnen „die Chemie nicht stimmte“.

„Für die Kombination Vorstandsvorsitz/Betriebsvorstand eine geeignete Bewerberin zu finden, dürfte sehr schwierig werden“, fürchtet ein BVG-Aufsichtsrat. Eine Spitzenmanagerin würde eher aus dem kaufmännischen Bereich, denn aus dem Bahnbetrieb kommen. Auch deshalb wird in der SPD bereits über eine „große Lösung“ nachgedacht. Was bedeutet, dass auch Finanzvorstand Falk gehen und zusätzlich ein Betriebsvorstand gesucht werden müsste.

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