Info-Pavillion

Box soll über Tegel-Nachnutzung informieren

Ein Info-Pavillion soll Besucher über die Nachnutzung des 2012 schließenden Flughafens Tegel informieren. Der Berliner Senat arbeitet indes an einem Standortprofil, um Investoren zu gewinnen.

Die Info-Box am Potsdamer Platz könnte bald einen prominenten Nachfolger bekommen – den Info-Pavillon in Tegel. Star-Architekt Meinhard von Gerkan hat jetzt einen Entwurf dafür vorgelegt. So wie die rote Box über das Baugeschehen am Potsdamer Platz informierte, soll auch der rote Info-Pavillon in Tegel funktionieren. Als öffentlicher Ausstellungsraum im Zentrum des sechseckigen Terminals. Voraussetzung für den Bau der zunächst temporären Halle: die Planungen für die Nachnutzung des Terminals und die Entwicklung des gesamten Flughafenareals gehen zweieinhalb Jahre nach den ersten Diskussionen wirklich „in die Konkretisierung“, wie Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auf der 5. Standortkonferenz Tegel erneut versprach.

Noch immer kein Marketingkonzept

Die Senatorin gibt sich ambitioniert: Vom 8. bis 11. März will Berlin den Standort Tegel auf der Internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes präsentieren. Am 24. und 25. März ist Tegel ein Thema auf der „ecosummit“ in Berlin, einer Internationalen Konferenz der Green Technology. Allerdings wird auch im März noch immer kein Marketingkonzept vorliegen. Das soll nach Angaben von Wirtschaftsstaatssekretär Jan-Peter Heuer (Linke) erst dann in Auftrag gegeben werden, wenn der Senat am 8. Februar dem Standortprofil für Tegel zustimmt. Auch eine Entwicklungsträgergesellschaft ist noch lange nicht in Sicht. „Das wird in den nächsten Monaten abschließend zu entscheiden sein“, sagt Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD), die noch keine Namen nennen will. Ursprünglich wollte die Senatsverwaltung die Frage eines Entwicklungsträgers längst geklärt haben. Nach Informationen von Morgenpost Online gelten die beiden Adlershofer Manager Hardy Schmitz und Gerhard Steindorf, die bereits die Entwicklung des stillgelegten Flughafens Tempelhof managen, als Favoriten.

Grundlage des Standortprofils ist ein Gutachten, das die Senatsverwaltung für Wirtschaft von dem weltweit agierenden Beratungsunternehmen A.T. Kearney erarbeiten ließ. Dafür hat die Beratungsfirma in den vergangenen sechs Monaten 80 internationale und 180 nationale Industriestandorte unter die Lupe genommen und untersucht, was erfolgreiche Standorte ausmacht. Einige der wichtigsten Faktoren sind demnach eine Entwicklungsstrategie mit einem klaren Ziel und einem klaren Ankermieter, der andere Mieter nach sich zieht, sowie auch ein effektives Standortmarketing.

Ausgehend vom Ziel, in Tegel Technologien für die Stadt der Zukunft zu entwickeln, „haben wir gesucht, wo können wir noch eine Nische finden, und gleichzeitig versucht, darauf zu achten, dass wir regional nicht auf Wettbewerb erpicht sind, sondern eher komplementär agieren wollen“, erläutert Robert A. Ziegler von A.T. Kearney. Eine zukunftsträchtige Nische könnte nach seiner Aussage die Erfindung neuer Werkstoffe sein. Die Berater von A.T. Kearney empfehlen dem Senat vor allem, schnell Planungssicherheit zu schaffen. Diese existiert aber auch mehr als zwei Jahre nach der ersten Standortkonferenz noch nicht. So sollte der geänderte Flächennutzungsplan für das gesamte Flughafenareal ursprünglich schon Planreife haben. Im Dezember 2009 hatte Senatorin Junge-Reyer einen gültigen Flächennutzungsplan für Anfang 2011 angekündigt. Die formale zweite öffentliche Beteiligung an dem Planverfahren hat aber erst vergangene Woche mit der Auslegung der Pläne begonnen. Dabei drängt die Zeit. Mit der geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld am 3. Juni 2012 wird Tegel „auf den Tag“ geschlossen, heißt es bei der Flughafengesellschaft.

„Es muss schnell gehen“, fordert deshalb nicht nur Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan, der mit seiner Idee von der „Sustainable City TXL Plus“ bereits Impulsgeber für die erste Standortkonferenz zur Nachnutzung Tegels im Oktober 2008 war und seither unermüdlich für den Erhalt seines ersten Bauwerks kämpft.

Auch Robert A. Ziegler von A.T. Kearney in Berlin sagt: „Wir befinden uns in einem internationalen Wettbewerb, der sich beschleunigt.“ Deshalb sei es wichtig, die Planungen zügig zu konkretisieren. Zwar gibt es, wie berichtet, mit der Beuth-Hochschule zumindest für das Terminal bereits einen ernsthaft interessierten Nutzer. Gleichwohl bleibt die Frage der Finanzierung unklar. Eine Kostenschätzung hat der Senat bei der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) in Auftrag gegeben. Noch aber liegen keine Zahlen vor. Die DSK war in den 90er-Jahren im Auftrag des Senats Entwicklungsträger für das Parlaments- und Regierungsviertel.

Als idealen Werbeträger für die zügige Entwicklung des Terminals und den umgebenden Industrie- und Technologiepark betrachtet von Gerkan den Info-Pavillon. „Das ist eine Idee, die besonders dringlich ist, da zurzeit noch Millionen Menschen den Flughafen besuchen“, wirbt der Architekt für die schnelle Realisierung. Wie einer der Partner des Berliner gmp-Büros Morgenpost Online sagte, könne man den Pavillon aus vorgefertigten recycelbaren und wärmedämmenden Kunststoffplatten in ein bis zwei Monaten aufbauen. Inklusive Fertigung der Bauteile benötige man etwa ein halbes Jahr. „Der Info-Pavillon soll als Bindeglied zwischen dem Flugbetrieb und der Zukunft fungieren“ sagt gmp-Architekt Nicolas Pomränke. Angesichts des großen Passagieraufkommens sei die Wahrnehmung des Pavillons sicher groß, so Pomränke. Einen ersten Interessenten gibt es bereits. Professor Karl-Heinz Strauch, Vizepräsident der Beuth-Hochschule, hat auf der Standortkonferenz Interesse gemeldet: „Wir würden dort gern 100 Quadratmeter für ein Immatrikulationsbüro reservieren.“