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Energie-Uni in Schöneberg liegt auf Eis

Vier eintägige Veranstaltungen pro Jahr und eine Sommeruni – mehr ist derzeit von der Idee einer Energie-Universität auf dem Gasometergelände in Berlin-Schöneberg nicht übrig. Die Initiatoren sprechen von einer fünfjährigen Aufbauphase. Erst dann soll die Energie-Hochschule stehen. Immerhin macht Joschka Fischer nun den Anfang.

Die Initiatoren einer privaten Energie-Universität in Berlin haben ein neues prominentes Zugpferd, müssen das Tempo aber drosseln. Der frühere Außenminister Joschka Fischer will vom nächsten Jahr an vier Mal jährlich Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu Tagungen nach Schöneberg holen, wie er am Donnerstag im stillgelegten Gasometer ankündigte. Dort ist Deutschlands erste Energie-Uni geplant, doch die liegt wegen der Finanzkrise auf Eis: Die Idee werde erst nach einer fünfjährigen Aufbauphase wieder aufgegriffen, hieß es nun.

Bis dahin planen die Initiatoren Diskussionen, Tagungen und Kurse auf dem Gasometer-Komplex. „Das ist kein Notnagel“, hob Andreas Knie hervor, der das Europäische Energieinstitut (EUREF) berät. „Wir werden eine große Einrichtung erst am Schluss des Tages schaffen, nicht am Anfang.“ Grund für die neue Politik der kleinen Schritte ist, dass die Millionen für eine Uni-Stiftung nicht zusammenkommen.

Fischer aber immerhin entwarf eine Vision für das EUREF-Tagungsprogramm in Schöneberg. „Die Idee war, analog zur Münchener Sicherheitskonferenz, ein Dialogforum für strategische Fragen der gemeinsamen Energieversorgung zu schaffen.“ Er sprach von Fortschritten und Rückschlägen. Zunächst will er vier eintägige Veranstaltungen im Jahr auf die Beine stellen. „Dann können wir überlegen, ob wir zusätzlich zwei Mal im Jahr zu einer zweieinhalbtägigen Europäischen Energiekonferenz laden.“ Fest geplant ist auf dem Gelände ein zehntägiger Sommerkurs für Studenten, den die Gasag finanziert.

Im November beginnen die ersten sichtbaren Bauarbeiten, wie EUREF- Vorstand Reinhard Müller ankündigte. Ein historischer Backsteinbau des Pergamon-Museum-Architekten Alfred Messel wird zum Bürogebäude. Im Mai soll als erster Mieter Andreas Knie mit seiner InnoZ GmbH einziehen, einem Unternehmen von Bahn, Telekom, Wissenschaftszentrum Berlin und Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Müller, selbst Architekt, sprach von 500 bis 600 Millionen Euro, die insgesamt auf dem Gelände in 18 Projekte verbaut werden sollen - „aber erst, wenn wir Nutzer, Mieter, Pächter haben“. Dagegen wirken die Anfänge bescheiden: Der Umbau des Messelbaus und einer Schmiede schlagen insgesamt mit 10 Millionen Euro zu Buche. Müllers Konzeptlus AG finanziert das EUREF-Institut bis 2011 mit 1,5 Millionen Euro.

Der Bezirk hatte am 15. Juli den Bebauungsplan für das mehr als 23 Fußballfelder große Areal um den 78 Meter hohen Stahlbau beschlossen. Dass die Stiftungsfinanzierung platzt, war nach Knies Angaben „im Spätsommer“ klar. Bezirksbürgermeiter Ekkehard Band (SPD) sagte, von Täuschung des Bezirks könne keine Rede sein. „Mir war völlig klar, dass das hier nicht fertig vom Himmel fällt“, sagte er. „Ich glaube an die Vision.“