Wannsee

Kind bei Sturm aus sinkendem Segelboot gerettet

Bei Sturm war das Segelboot auf dem Berliner Wannsee gekentert. An Bord: ein eingeschlossenes Kind. Zuerst gab es keine Chance, den Jungen zu retten.

Mit vereinten Kräften haben Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und die Besatzung eines Segelbootes auf dem Wannsee einen Jungen aus einer gekenterten Jolle befreit. Der Achtjährige war am Sonntagnachmittag in der Kajüte des Seglers eingeschlossen worden, nachdem dieser bei starkem Wind gekentert war. Während der dramatischen Rettungsaktion versuchten zunächst Taucher, den Jungen zu befreien. Doch sie schafften es nicht. Den Rettern gelang es dann aber doch noch, das Segelboot in eine Seitenlage zu bringen und das Kind zu retten.

Um 13.20 Uhr entdeckte die Wasserwacht der DLRG-Rettungsstation Sandwerder einen kieloben treibenden Jollenkreuzer, der mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern vom deutsch-amerikanischen Yachtklub ausgelaufen war. Die beiden Männer und ein Sechsjähriger konnten sich nach DLRG-Angaben selbst retten und erreichten schwimmend das Ufer. Zum Unglückszeitpunkt fegten kräftige Böen mit bis zu acht Windstärken über den Wannsee. „Wir trafen als erste am Unfallort ein und forderten sogleich Verstärkung an“, sagte Rettungsschwimmerin Miriam Knoll Morgenpost Online.

Während ein Retter versuchte, tauchend zu der verschlossenen Bootskabine vorzudringen, stellte die Crew des DLRG-Bootes eine Leinenverbindung her, um die 15-Meter-Jolle wieder aufrichten zu können. „Es gab zuerst keine Chance, den Jungen direkt rauszuholen“, sagte Miriam Knoll. Das Kind hatte eine Rettungsweste angelegt und konnte in einer Luftblase atmen. Eine sofortige Bergung aus dem Boot heraus wäre zu riskant gewesen. So tauchte ein Crew-Mitglied eines in der Nähe befindlichen Segelbootes unter die havarierte Jolle, brach die Kabinentür auf und blieb bei dem Achtjährigen, um den Jungen zu beruhigen, schilderte die 39-Jährige die dramatische Situation.

Mit Hilfe der Besatzungen von zwei weiteren DLRG-Booten konnte die Jolle schnell in eine seitliche Position gebracht werden. „Dadurch war eine gefahrlose Befreiung des Kindes möglich. Die gesamte Aktion hat trotz des heftigen Windes kaum zehn Minuten gedauert“, so die Rettungsschwimmerin, die seit neun Jahren ehrenamtlich in Diensten der Wasserrettung im Einsatz ist. „Es war verdammt knapp. Wir waren unheimlich froh, dem Vater und dem jüngeren Bruder die erlösende Nachricht zu überbringen“, sagte Miriam Knoll.

Der achtjährige Junge erlitt einen Schock, sein Körper war deutlich unterkühlt. Der Notarzt eines Rettungswagens der Feuerwehr versorgte den Jungen, bevor er zur Behandlung in ein Krankenhaus gefahren wurde. Nachdem das Kind in Sicherheit gebracht worden war, wurde der Havarist gesichert. Das endgültige Aufrichten des verunglückten Seglers und die anschließende Rückführung zum Liegeplatz des deutsch-amerikanischen Yachtklubs nahmen annähernd zwei Stunden in Anspruch.

Erst am Sonnabend war ein Ruderboot mit vier Insassen auf der Havel in Spandau gekentert, nachdem es mit einem anderen Schiff zusammengestoßen war. Der 53 Jahre alte Schiffsführer war laut Polizei gegen 12 Uhr mit einem Güterschiff in Richtung Freybrücke unterwegs, als es zu dem Unfall kam. Auf Höhe der dortigen Bunkerstation kam dem Motorschiff ein Vierer-Ruderboot ohne Steuermann entgegen. Aus noch ungeklärter Ursache kam es zur Kollision, wodurch das Ruderboot voll Wasser lief. Offenbar hatte der Kapitän das Ruderboot übersehen.

Die Wassersportler im Alter von 50, 53, 58 und 73 Jahren gingen daraufhin über Bord. Zeugen beobachteten den Unfall und riefen die Feuerwehr, die ein Löschboot zur Unglücksstelle schickte. Doch noch vor dessen Eintreffen waren die Schiffbrüchigen zum Ufer geschwommen. Eine 58 Jahre alte Frau wurde mit Verletzungen an den Beinen und einer leichten Unterkühlung in ein Krankenhaus gebracht. Der 53 Jahre alte Kapitän des Güterschiffs hatte von dem Zusammenstoß offenbar nichts bemerkt, denn er setzte seine Fahrt fort. Beamte der Wasserschutzpolizei nahmen daraufhin die Verfolgung auf und stoppten den Kapitän. Da dem 53-Jährigen keine Absicht nachzuweisen war, leitete die Polizei gegen den Mann ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit ein.