Sozialatlas

Berliner Westen wird immer ärmer

Die Berliner Problemviertel liegen weiterhin in der westlichen Innenstadt und in einzelnen Großsiedlungen am Stadtrand. So hat sich die Situation in neun Kiezen verschlechtert. Und diese Viertel liegen alle im ehemaligen Westen Berlins.

Foto: ddp / DDP

Die Berliner Problemviertel liegen weiterhin in der westlichen Innenstadt und in einzelnen Großsiedlungen am Stadtrand. Das ist das Ergebnis des „Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2010“, das am Donnerstag von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) vorgestellt wurde. Es liefert kleinräumige Aussagen zur Veränderung der sozialstrukturellen und sozialräumlichen Entwicklung in den Teilgebieten der Stadt Berlin.Insgesamt wurden dafür bis Ende 2009 Daten in 447 sogenannten Planungsräumen mit durchschnittlich rund 7500 Einwohnern erhoben. Zu den Indikatoren zählten Angaben über Arbeitslosigkeit, Bezug sozialer Leistungen, Migrationshintergrund und Mobilität.

Räumliche Konzentrationen „problematischer Gebiete“ liegen der Studie zufolge in Neukölln-Nord, Wedding, Moabit und Kreuzberg-Nord vor. In einzelnen Großsiedlungsgebieten von Marzahn-Hellersdorf und Spandau hätten sich „negative Entwicklungstendenzen“ verfestigt. Neben neun Stadtquartieren, die im Entwicklungsindex „abgestiegen“ sind, verzeichnet das Monitoring auch neun „Aufsteiger“. Dort hat sich die Situation verschlechtert.

Senatorin Junge-Reyer bezeichnete es als erfreuliche Botschaft, „dass die sozial problematischen Gebiete sich nicht von der gesamtstädtischen Entwicklung abgekoppelt haben“. Die Jugendarbeitslosigkeit habe dort in den beiden Jahren 2008 und 2009 um 2,0 Prozentpunkte abgenommen (in Gesamt-Berlin um 0,2 Prozentpunkte). Anders verhalte es sich bei der Kinderarmut, „die in den schwierigsten Gebieten im gleichen Zeitraum eine Zunahme um 0,3 Prozentpunkte ausweist, während sie in Berlin insgesamt um 1,2 Prozentpunkte abnahm“.

Ziel des seit 1999 alljährlich erstellten „Monitoring Soziale Stadtentwicklung“ sei es, Veränderungen in Teilgebieten der Stadt wissenschaftlich zu analysieren. „Die umfangreiche soziologische Untersuchung ist ein 'Frühwarnsystem' zur Quartiersentwicklung“, betonte Junge-Reyer.

Dabei bezeichnete die SPD-Politikerin die Kürzungen der Bundesregierung beim Programm „Soziale Stadt“ als kontraproduktiv. Berlin werde „alles tun, dass die innovativen Ansätze der letzten Jahre fortgesetzt werden können“. Das Projekt Stadtteilmütter, die Bildungs- und Sportverbünde müssten ausgeweitet werden: „Denn schon jetzt zeigt sich, dass Stadtteile und Quartiere dann aufsteigen, wenn diese innovativen Ansätze und deren Vernetzung vor Ort – wie im Reuterkiez oder im Brunnenviertel – konsequent betrieben werden“.

Bereits in der vergangenen Woche hat das „Bündnis für eine Soziale Stadt“ die geplanten Kürzungen beim gleichnamigen Bundesprogramm scharf kritisiert. Das Bundesprogramm „Soziale Stadt“ wurde den Angaben zufolge im Jahr 1999 gegründet, um die „Abwärtsspirale“ in benachteiligten Stadtteilen aufzuhalten und die Lebensbedingungen dort zu verbessern. Bis Ende 2009 wurden von Bund, Ländern und Kommunen zusammen 2,7 Milliarden Euro investiert. 2011 stellt der Bund für Städtebauförderung 455 Millionen Euro bereit. Davon entfallen den Angaben zufolge nur noch 28,5 Millionen Euro auf das Programm „Soziale Stadt“.

Der Senat hatte alle Daten ins Internet gestellt.