Prozess

80-Jährige schlägt Jungen mit Krückstock

Eine Berliner Senioren hat im Sommer 2010 einen Jungen mit ihrem Stock attackiert. Sie stand deshalb vor Gericht, wurde aber nicht verurteilt.

Der 30. Juni 2010 war für Margit L. kein guter Tag. Obwohl er ganz nett begann. Die 80-Jährige saß mit ihrem Mann in Berlin-Lichtenberg vor einem Imbissstand, trank Bier und erfreute sich des Sommertages. Doch es gab dann auch diese Kinder. Sie spielten, stritten sich, rannten immer wieder auch zu den alten Leuten am Biertisch und nervten.

Der Anklage zufolge soll Margit L. einem dieser Kinder gegen 20 Uhr „mit ihrer Gehhilfe aus Metall auf Kopf und Rücken geschlagen“ haben. Dem Fünfjährigen sei später sogar schlecht geworden, und er habe sich übergeben müssen.

Margit L. musste sich wegen dieses Angriffs vor Gericht verantworten. Ihr wurde Körperverletzung vorgeworfen. Sie ist eine kleine, hagere, gebeugt laufende Frau. Und sie hatte auch im Moabiter Kriminalgericht den Krückstock dabei.

Vielleicht war sie durcheinander, sie stand noch nie vor Gericht. Wahrscheinlicher schien jedoch, dass sie einen Plan verfolgte: Sie stritt alles ab, sprach von einer Verwechslung der Daten, behauptete, sie sei am 30. Juni gar nicht in Lichtenberg gewesen. Aber es gebe ja ein Protokoll von Kripobeamten, die Margit L. noch am 30. Juni vernommen hatten – hielt ihr der Richter vor. Und es existiere ein Blutalkoholtest gleichen Datums – dort sind 1,45 Promille vermerkt.

Es folgte – so schien es – PlanB: Margit L. berichtete, dass sie in ihrer Jugend gefochten habe. Und sie habe einem der Kinder ein paar Florett-Paraden demonstrieren wollen. Sie stand im Gerichtssaal sogar auf und demonstrierte es mit der Krücke: „Quart, Sixt, Parade Riposte.“ Aber geschlagen habe sie den Jungen nicht.

Es gebe Zeugen, monierte der Richter. Ob sie sich eventuell irre und den Fünfjährigen versehentlich vielleicht doch getroffen habe. Sie solle genau überlegen, sonst müsse er die Kinder als Zeugen laden.

Margit L. zögerte, dann nickte sie. Und der Richter atmete auf. Wenig später verkündete er seine Entscheidung: Keine Verurteilung, das Verfahren werde eingestellt. Aber wenn sie wieder störende Kinder sehe, sagte er zur Angeklagten, „dann machen Sie bitte einen großen Bogen“!