S-Bahn

Millionen-Investitionen sollen Chaos verhindern

Viermal so viele Störungen, wie im Vorjahr: Um Ausfälle wie im Dezember 2009 zu vermeiden, will die Deutsche Bahn bis Jahresende 116 Millionen Euro investieren. Gerade die neuen Züge machen aber Probleme.

Foto: ZB / ZB/DPA

Die Deutsche Bahn will bis Jahresende 116 Millionen Euro investieren, um ein erneutes Winterdesaster bei der S-Bahn in Berlin zu verhindern. Allerdings: Für viele Probleme, die in den vergangenen Wochen zu massiven Zugausfällen und Verspätungen bei der S-Bahn führten, gibt es bislang noch gar keine brauchbaren Lösungen. Insbesondere bei Zügen der modernsten und zahlenmäßig stärksten Baureihe (BR) 481 wird die Beseitigung aller Mängel noch bis Ende 2012 dauern. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der S-Bahn Berlin GmbH an den Senat hervor, der Morgenpost Online vorliegt.

Als Hauptursache für die jüngsten Winterausfälle haben die S-Bahn-Manager in ihrer Analyse „witterungsbedingte Störungen der Antriebe und Fahrmotore“ ausgemacht. Allein im Dezember 2010 seien an den Zügen 1122 Antriebsstörungen aufgetreten. Dies sei mehr als vier Mal so hoch wie im – allerdings weitgehend schneefreien – Monat Dezember 2009 (276 Störungen). Zum Verhängnis wird den Zügen der Baureihe 481 die technische Besonderheit gegenüber anderen S-Bahnen, dass die Antriebe mit Luft gekühlt werden. Weil die dafür nötigen Lüfter unterhalb des Fahrzeugbodens angebracht sind, saugen sie den Schnee ab einer bestimmten Höhe wie ein Staubsauger ein. Die Folge: Zum einen verringert sich der Luftdurchsatz der Lüfter und damit deren Kühlleistung, zum anderen dringt Feuchtigkeit in die Elektronik ein, es kommt zur Antriebsstörung.

„Es konnte bisher keine konstruktive Lösung zusammen mit dem Hersteller Bombardier für diese Problematik entwickelt werden“, heißt es in dem Mängelbericht der S-Bahn. Im besonders schweren Fall muss bei einem Antriebsschaden der komplette Motor ausgetauscht werden, was seit Anfang Dezember bereits 310 Mal der Fall war. Zwar hatte sich die S-Bahn 90 Motoren als Winterreserve bereitgelegt, doch die war schnell aufgebraucht. Kurzfristig versucht die Bahn-Tochter das Problem durch den Einbau von speziellen Filtermatten zu lösen. Erste Tests seien positiv verlaufen, ein Einbau in der gesamten Flotte wird überlegt. Allerdings ist das keine Dauerlösung. Bei höheren Temperaturen müssen diese Filter wieder ausgebaut werden.

Langfristig sieht die S-Bahn nur eine Chance, wenn rund 3000 ältere Fahrmotoren komplett aufgearbeitet werden. Sie erhalten dabei ein neues Innenleben und eine neue Abdichtung. Allein dies wird mehr als zehn Millionen Euro kosten.

Kaum besser sieht die Problemlösung bei den Bremsen der BR 481 aus. Speziell die Besandungsanlagen, die – als eine Art ABS für Schienenfahrzeuge – dafür sorgen, dass sich der Bremsweg der Züge bei rutschnassen Schienen nicht zu sehr verlängert, frieren bei Frost rasch ein. Bislang hat die S-Bahn keine Lösung gefunden, wie die Besandungsanlagen dagegen geschützt werden können. „Die Leitungen, über die der Sand gestreut wird, sind aus Gummi. Und Gummi und Heizungen vertragen sich nicht so recht“, beschreibt ein S-Bahn-Manager das Dilemma.

Um die Sicherheit der Fahrgäste nicht zu gefährden, dürfen Triebwagen mit nicht voll funktionstüchtigen Besandungsanlagen nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde fahren. Im Normalfall können die Züge bis zu Tempo 80 fahren. Die fehlende Lösung für dieses Vereisungsproblem ist der Hauptgrund für den ab Montag erstmals von der S-Bahn in Kraft gesetzten „Winterfahrplan“. In diesem Zeitplan ist eine eventuell notwendige Reduzierung des Höchsttempos der Züge mit eingerechnet. Bei einem neuerlichen Wintereinbruch soll dadurch das gesamte S-Bahn-Angebot stabiler und verlässlicher werden.

Der Nachteil: Die Fahrzeiten werden sich verlängern, aus dem Berliner Zentrum ins Umland um bis zu zehn Minuten. Da nicht alle anderen Verkehrsunternehmen ihre Fahrpläne kurzfristig mit umstellen können, verändern sich zudem die Umsteigebeziehungen. S-Bahn, BVG und Verkehrsverbund empfehlen daher, sich über die ab 24. Januar veränderten Reisezeiten zu informieren. Möglich ist dies beispielsweise telefonisch im VBB-Infocenter (Tel. 25414141) oder im Internet in der VBB-Fahrinfo ( www.vbbonline.de ).