Lebensmittel-Stichproben

Bei Kontrollen verlässt sich jeder auf jeden

Die 90 Lebensmittelkontrolleure, die in Berlin unterwegs sind, nehmen nur Stichproben. Kantinen vertrauen auf ihre Lieferanten. Die Verbraucher sind verunsichert.

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Hundertprozentige Sicherheit könne es aber nicht geben, erklärte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im Bundestag.

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Chefkoch Thomas Vollmann musste in den letzten Tagen nicht nur kochen, er musste auch viele Fragen beantworten. Sein Reich, die Kantine der Berliner Wasserbetriebe, wird als Geheimtipp in Mitte gehandelt. Es kommen nicht nur hauseigene Mitarbeiter, auch Angestellte aus Finanz- und Innenministerium, sogar Botschaftsmitarbeiter. Wo Vollmann denn die Eier für Haupt- und Nachspeisen einkaufe, wurde der Chefkoch gefragt. Vollmann beruhigt dann seine Gäste, die Eier seien zwar nicht Bio, stammen aber aus einem brandenburgischen Freilandbetrieb seines Vertrauens. Außerdem, betont er, verwende er viele Naturprodukte.

Doch was ist nun wirklich genau drin, im Ei, im Schweinebraten oder im Geflügel? Eine Frage, die der Kantinenchef genauso wenig beantworten kann wie sein Lieferant. Bei einer Umfrage der Morgenpost zum Thema Lebensmittelkontrolle zeigt sich: Jeder verlässt sich auf jeden, Untersuchungen der Qualität entlang der Verwertungskette sind aufwendig und finden nur punktuell statt.

20 neue Stellen geplant

Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben prüfen amtliche Behörden. „In Berlin sind insgesamt 90 Lebensmittelkontrolleure unterwegs“, sagt Regina Kneiding, Sprecherin der Verbraucherschutzsenatorin Katrin Lompscher. Der Bedarf für mehr Personal sei da, deshalb plant die Senatsverwaltung, 20 neue Stellen ab 2015 zu schaffen. Für den Moment untersuchen die Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht aber wie bisher – auf Grundlage von sogenannten Risikoproben.

„Es ist unmöglich, flächendeckend Lebensmittel zu prüfen“, sagt Dr. Hans-Joachim Bathe-Peters von der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht in Mitte. 15 Lebensmittelkontrolleure sind dort im Schichtdienst an jedem Tag der Woche unterwegs, neben Festen und Partys überprüfen sie rund 7000 Lebensmittel verarbeitende Betriebe. Wo und wann sie wen kontrollieren, entscheiden sie nach einem Punktesystem. Das orientiert sich an Fragen wie der Betriebsgröße, der Mitarbeiteranzahl, dem Produktangebot und eventuell früher aufgetretener Auffälligkeiten.

Die Verbraucher sind verunsichert, viele steigen auf Bio-Produkte um und hoffen dadurch, dem Risiko belasteter Lebensmittel zu begegnen. Doch wie sieht es aus in Kantinen von Schulen und Kitas und in Krankenhäusern, wo die Kunden nicht unbedingt die freie Wahl beim Essen haben?

Beispiel Schulkantinen. Einer der Berliner Lieferanten ist die Firma „Drei Köche“. Sie bereitet die Menüs in rund 40 Schulen und Kindertagesstätten zu. „Wir können die Ware, die wir verwenden, nicht selbst prüfen und müssen uns deshalb auf die Versicherungen unserer Lieferanten verlassen“, sagt Klaus Kühn, Geschäftsführer von „Drei Köche“. Ihm liegen schriftliche Unbedenklichkeitsbescheinigungen vor, so dass er an der Qualität seiner Ware keine Zweifel hat. Trotzdem bemüht er sich, verstärkt Alternativen zu Schwein und Hühnchen anzubieten. „Um den Sorgen der Eltern zu begegnen, haben wir auch Eiergerichte aus dem Speiseplan genommen“, so Kühn.

Ähnliches ist auch aus den großen Berliner Krankenhäusern zu hören. „Bei uns in den Helios-Kliniken verwenden wir keine Frischeier“, sagt Sprecherin Natalie Erdmann. Der Konzern prüft seine Ware nicht selbst, sondern verlässt sich auf die Aussagen der Lieferanten. Diese versicherten, dass es „keine Überschreitungen der gesetzlichen Dioxinwerte bei Fleisch gibt“, so Erdmann.

Das Berliner Studentenwerk hat immerhin vorgesorgt. 40000 Studenten essen und trinken täglich in Mensen und Cafeterien, seit 2010 werden nur Bio-Eier verwendet. Die anderen Händler mussten bescheinigen, dass die Waren keine Dioxinrückstände vorweisen. Eigene Tests durch ein beauftragtes Lebensmittelinstitut sind möglich, Aufträge zu Stichprobenanalysen werden geprüft. Auch in Mensen der Universitäten sorgt man vor. Die Köche verwenden nicht nur Bio Eier, es gibt auch vegetarische und vegane Gerichte. Auf den Tellern der Studenten finden sich an diesem Vormittag besonders viele Karotten-Vollkorn-Rösti mit Spinatsauce.

Das Bundeskabinett verabschiedete indes am Mittwoch den Aktionsplan von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), mit dem die Sicherheit bei der Lebensmittelherstellung erhöht werden soll. Der Plan sieht schärfere Kontrollen der Futterproduzenten, strikte Vorschriften bei der Futterfett-Produktion und eine Veröffentlichung von Herstellern verseuchter Futtermittel vor.