Nach Flug-Unfall

Berliner Rosinenbomber soll 2012 wieder fliegen

Der Förderverein Rosinenbomber will die im Juni in Schönefeld verunglückte DC3 restaurieren und wieder flugfähig machen. Die Maschine aus der legendären Flotte soll dafür dem Eigentümer abgekauft werden.

Wenn im Frühsommer 2012 in Schönefeld der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) seinen Betrieb aufnimmt, spätestens dann soll sich von dort aus auch Berlins bekanntestes Oldtimer-Flugzeug wieder in die Lüfte erheben. Das ist zumindest der ehrgeizige Plan des Fördervereins Rosinenbomber, der den im Juni verunglückten Luftbrücken-Veteran rasch wieder aufbauen lassen will.

Der derzeitige Eigentümer der Maschine vom Typ Douglas DC-3, Air Service Berlin (ASB), kann dies selber nicht mehr tun, ist doch das kleine mittelständische Unternehmen nach dem Ausfall ihres wichtigsten Geldbringers in die Insolvenz gegangen. Am Donnerstag verständigten sich die fast 50 Mitglieder des Fördervereins Rosinenbomber darauf, mit dem Insolvenzverwalter Verhandlungen über den Kauf der Maschine aufzunehmen. „Erst wenn die Eigentumsübertragung erfolgt ist, können wir gezielt um Spenden für den Wiederaufbau des Rosinenbombers werben“, sagt der Ehrenvorsitzende des Vereins, Heinz-Dieter Kallbach.

Für viele Berliner war es ein Schock, als sie erfuhren, dass am 19. Juni 2010 einer der letzten Vertreter der legendären Luftbrücken-Flotte, mit der die Alliierten während der sowjetischen Blockade die Stadt versorgten, bei Schönefeld zu Bruch gegangen war. Die zweimotorige Propellermaschine hatte damals wegen Triebwerksschaden zwei Minuten nach dem Start um 14.45 Uhr umkehren und auf einer Wiese nur etwa 250 Meter von einigen Wohnhäusern der Ortschaft Selchow (Dahme-Spreewald) entfernt notlanden müssen. Dabei waren sieben der insgesamt 28 Insassen verletzt worden, darunter auch die drei Besatzungsmitglieder. Später hieß es, nur dem hohen fliegerischen Können des Piloten sei es zu verdanken, dass die Bruchlandung für alle Beteiligten relativ glimpflich verlaufen ist. Für die Maschine selbst waren die Folgen gravierender: Die Tragflächen und auch beide Motoren waren schwer beschädigt worden und mussten demontiert werden.

Trotz dieser schweren Blessuren erklärte der ASB-Geschäftsführer „Käpt'n Frank“ Hellberg bereits unmittelbar nach der Havarie des Rosinenbombers, dass er sich mit ganzer Kraft für einen Wiederaufbau der bei der Bruchlandung stark beschädigten DC-3 einsetzen wird. „Das ist eine ganz besondere Maschine. Sie war tatsächlich an der Berliner Luftbrücke beteiligt, sie ist eine Ikone der Stadt“, sagte er damals.

Das sahen viele Berliner und Brandenburger ähnlich. Schon kurz nach dem Unglück gab es eine Flut von Sympathieerklärungen und auch erste Spendenangebote. Bereits Mitte Juli gründete sich daraufhin in Schönefeld ein Förderverein, der die Spenden einsammeln und den Wiederaufbau des Unglücksflugzeugs organisieren wollte. Den Vereinsvorsitz übernahm damals Heinz-Dieter Kallbach. Der einstige Chefpilot von Air Service Berlin hat eine ganz besondere Beziehung zum Rosinenbomber. 2001 holte er persönlich die auf einer Flugzeug-Werft in Coventry zuvor aufwendig restaurierte DC-3 ab, neun Jahre lang saß er dann oft selbst hinter dem Steuerknüppel und steuerte die Maschine bei ihren Traditions-Rundflügen über Berlin und ihren Ausflügen nach Dresden oder Niedersachsen. „Wir mussten aber erst einmal die Strukturen schaffen, um eine solche Rettungsaktion bewerkstelligen zu können“, sagt Kallbach. Dazu gehörten etwa die Eintragung in das Vereinsregister und die Zuerkennung der Gemeinnützigkeit, damit dann später auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können.

Mit der Eigentumsübertragung will der Verein nun den nächsten Schritt gehen. Der ist wiederum Voraussetzung dafür, um eine genaue Untersuchung der Havarie-Maschine durch Spezialisten in Auftrag geben zu können. Schon dieses Gutachten soll mindestens 10.000 Euro kosten.

Gutachter sollen Kosten klären

Wie teuer der Wiederaufbau des mehr als 65 Jahre alten Flugzeug-Veteranen werden wird, kann derzeit keiner genau sagen. Die Rede ist von einem Millionenbetrag. „Das sind im Moment alles Spekulationen“, sagt Hellberg, der am Donnerstagabend zum neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Abhängig werde die Kostenhöhe unter anderem davon sein, ob das Mittelteil des Rumpfes ausgetauscht werden muss. Genau dies müssen nun die Experten klären.

Klar ist bisher nur, dass das Flugzeug neue Tragflächen und Triebwerke benötigt. „Ein Vorteil ist, dass Flugzeuge damals anders als heute nach dem Baukastenprinzip konstruiert wurden. Die Teile wurden einzeln geliefert und dann zusammengebaut“, so Hellberg. Die Beschaffung von Ersatzteilen soll dabei kein Problem sein, gehört doch die DC-3 zu den weltweit am meisten gebauten Flugzeugen.

Die Ursache für die Bruchlandung des Rosinenbombers ist bis heute noch nicht abschließend geklärt. Noch immer untersuchen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig die beiden Triebwerke, von denen erst das eine ausfiel und dann das zweite in der Leistung stark abfiel, was die Piloten damals zur Umkehr und zur „außerplanmäßigen Landung“ auf dem Acker zwang.

Zu den Passagieren damals gehörte auch Christiane Behr. Sie entschied sich am Donnerstag, Mitglied des Fördervereins zum Wiederaufbau des Rosinenbombers zu werden. Ihr Wunsch ist es, zu den Ersten zu gehören, die mit dem Luftbrücken-Veteran wieder über Berlin kreisen können.

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