Montagsdemonstration

Flugrouten-Gegner melden sich zurück

Rund 1500 Flugrouten-Gegener haben sich in Lichtenrade zur ersten Montagsdeno im neuen Jahr versammelt - und klar gemacht, dass sie nicht aufgeben wollen. Die nächste Großdemonstration ist schon geplant.

Foto: Christian Hahn

Kein Fluglärm, nirgends. Der Abendhimmel ist wolkenlos, im Mondlicht sind vereinzelt Kondensstreifen zu erspähen. Doch donnerndes Triebwerkgeheul ist nicht zu hören. Um so lauter ist es dagegen auf dem kleinen Platz vor dem S-Bahnhof Lichtenrade. Rund 1500 Flugroutengegner haben sich dort laut Polizeiangaben versammelt. Es ist die erste „Montagsdemo“ im neuen Jahr. „Wir sind wieder da“, ruft Simon Lietzmann, Vorsitzender der Lichtenrader Bürgerinitiative. Der Protest werde so lange weiter gehen, bis die Forderungen der Fluglärmgegner erfüllt seien. Die Kampfansage wirkt: Trillerpfeifen und Tröten lärmen, Protestplakate werden in die Höhe gereckt. Dann spielt wieder eine Jazzband.

Lietzmanns Forderungen an die Verantwortlichen sind klar: „Kehren Sie zurück zu den zugesicherten Flugrouten und verpflichten Sie sich auf ein striktes Nachtflugverbot.“ Denn die betroffenen Anwohner wissen erst seit Anfang 2010 von den abknickenden Strecken. Seitdem verbringen immer mehr Anwohner im Berliner Südwesten und den umliegenden Gemeinden ihre Freizeit mit Demonstrieren, Protestieren und Plakatekleben. Und mit der Recherche, wie man sich professionell zu Wehr setzt, wenn man sich von der Politik „belogen und verraten fühlt“, wie es am Montagabend von der Bühne schallt. .

Die wütenden Demonstranten von Lichtenrade – unterstützt durch Anwohner aus Kleinmachnow, Zeuthen, Stahnsdorf und anderen Gemeinden – schützen sich mit Mützen und Hüten gegen die Eiseskälte an diesem sternklaren Montag. Es ist ein gemischtes Publikum: Junge Familien mit ihren Kindern und ältere Anwohner stehen Seite an Seite. Einen kompletten Baustopp fordern die einen, andere befürworten eine Schlichtung wie in Stuttgart beim Protest gegen den unterirdischen Durchgangsbahnhof. „Das wäre sinnvoll, das würde die Situation befrieden“, sagt Dietrich Ponick-Starfinger, Hausbesitzer in Teltow und Mitglied der dortigen Bürgerinitiative.

Mehr als 30 Bürgerinitiativen haben sich in den betroffenen Gemeinden zwischen Zeuthen und Potsdam mittlerweile gegründet. Zu den „Montagsdemos“ in Lichtenrade kommen inzwischen regelmäßig mehrere Tausend Teilnehmer. Die nächste Großdemonstration ist schon geplant. Das „Bündnis Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten“ will den Protest am 23. Januar dorthin tragen, „wo er seine Wurzeln hat“: vor die Tore des Flughafens Schönefeld. Ab 14 Uhr soll die „fröhliche, friedliche und freche“ Veranstaltung vor dem Terminal D starten, sagt Sprecher Markus Peichl. „In Schönefeld erwarten wir die bislang größte Mobilisierung zum Thema BBI“, sagt Peichl. Der Platz reiche für 10000 bis 12000 Menschen. Zum Programm gehörten auch Kabarett-Einlagen und der Auftritt von Samba-Gruppen. Aber auch damit sei der Schlusspunkt der Protestveranstaltungen noch lange nicht gesetzt. Weitere Demonstrationen – etwa vor dem Roten Rathaus in Berlin oder vor dem märkischen Landtag in Potsdam – sind schon geplant.

„Wir brauchen einen langen Atem, mindestens bis zum Sommer. Wir wollen dieses Thema in den Berliner Wahlkampf hineintragen“, sagt Lietzmann. Am 18. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Die endgültigen Flugrouten sollen erst kurz vor der Eröffnung des Großflughafens festgeschrieben werden. Ein Wahlkämpfer habe sich bereits angesagt: CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel wolle auf einer der Montagsdemos sprechen, sagt Organisator Lietzmann am Rande der Lichtenrader Veranstaltung.