Pankow

Berliner Senat lehnt neues Einkaufszentrum ab

Unternehmer Kurt Krieger möchte auf dem Gelände des alten Rangierbahnhofs in Berlin-Pankow ein großes Einkaufszentrum bauen. Doch der Senat verweigert die Zustimmung.

Foto: Patrick Piel

Es gibt Streit um die Pläne von Kurt Krieger für das Gelände des alten Rangierbahnhofs in Pankow. Der Unternehmer will nicht nur einen Möbelmarkt errichten, sondern auch ein großes Einkaufszentrum. Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnt dieses Shoppingcenter ab. Sie sieht darin eine Gefahr für die etablierten Einkaufszentren im Umfeld. Diesen würden Kunden verloren gehen. Kurt Krieger will mit seiner Kombination aus Einkaufszentrum und Möbelmarkt auch die Brandenburger nördlich von Pankow locken. Denn dort fehlt ein solches Großangebot.

Rund 40 Hektar groß ist das langgestreckte Bahngelände zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf. Krieger hat es Ende 2009 gekauft. Im südwestlichen Teil der Fläche sollen Wohnungen und ein großer Park mit Spiel und Grillflächen entstehen, außerdem ist perspektivisch Platz für eine Schule vorgesehen. In der Mitte des Bahngeländes plant Krieger ein Einkaufszentrum mit 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, außerdem eine Höffner-Filiale und Möbel-Discounter. Im nordöstlichen Teil der Fläche könnte ein Markt für Produkte aus Brandenburg entstehen. Ein alter Rundlokschuppen soll dafür saniert und umgebaut werden. Außerdem will Krieger eine alte Fußgängerbrücke wieder errichten, die wegen des Autobahnbaus abgerissen worden war. Die Investitionssumme wird im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Gefahr für das Hauptzentrum

Auf fast 17.000 Quadratmetern in Kriegers neuem Einkaufszentrum sollen die Kunden Bekleidung kaufen können – von Anbietern, die es im Berliner Nordosten bislang nicht gibt. Besonders in dieser Branche sehen Gutachter, die der Senat beauftragt hat, eine Gefahr für die Läden an Breiter Straße und Berliner Straße in Pankow – das so genannte Hauptzentrum Pankow. Es könne dazu kommen, dass dort Geschäfte schließen müssten. Sie raten deshalb, auf dem alten Bahngelände nur Fachmärkte anzusiedeln. Das könnten außer Möbelmärkten auch große Spielwaren- und Sportgeschäfte sein. Das geplante Einkaufszentrum dagegen schränke die Entwicklungschancen des Hauptzentrums ein, zu dem auch das 1999 eröffnete Rathaus-Center an der Breiten Straße gehört. Doch die Gutachter stellen auch fest, dass dieses Hauptzentrum mit 31.000 Quadratmetern Verkaufsflächen zu klein ist und Angebotslücken hat. Diese Lücken sollten aber innerhalb des Hauptzentrums geschlossen werden und nicht durch ein neues Zentrum. Pankow verfüge über insgesamt 460.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Der Bezirk liege mit etwa 1,3 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner weit unter dem Bundesdurchschnitt.

Krieger beauftragt eigenen Gutachter

Kurt Krieger hat selbst ein Büro mit einem Gutachten beauftragt. Das bestätigt das unzureichende Angebot an Breite Straße und Berliner Straße. Es hebt hervor, dass vor allem Kunden aus dem brandenburgischen Umland nördlich von Pankow Kriegers neues Einkaufszentrum nutzen würden und nicht wie bisher zum Alexanderplatz fahren würden.

Diesen Aspekt betont auch Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Zwischen Eiche und Wustermark gebe es bislang keinen großflächigen Einzelhandel, sagte er auf einer Sitzung des Pankower Stadtplanungsausschusses. „Man kann darauf warten, dass er sich auf der grünen Wiese entwickelt, aber das wollen wir eigentlich nicht.“ Doch Busch-Petersen will das Krieger-Projekt nicht bewerten. Dagegen heißt es aus der Senatverwaltung für Stadtentwicklung, ein Shoppingcenter auf dem Rangierbahnhof könne man sich nach jetzigem Stand nicht vorstellen. Denn dann müsste Hauptzentrum Pankow zum Ortsteilzentrum heruntergestuft werden.

Kurt Krieger bleibt bei seinen Plänen. „Man muss nicht gleich aufgeben“, sagt der 62-Jährige. Er gibt persönliche Gründe für sein hohes Engagement an. „Ich bin in Pankow aufgewachsen und getauft worden.“ Er wolle auf seinem Gelände eine herausragende Architektur und ein neues Wahrzeichen für den Bezirk schaffen. Doch zunächst muss sein Vorhaben viele Gremien und Institutionen passieren.

Die beiden Gutachten des Senats und des Unternehmers werden jetzt von den Bezirksverordneten diskutiert. Außerdem wollen sie sich mit dem Verkehrskonzept für das große Gelände beschäftigen.

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