Abstimmung

Bürger entscheiden über die Kudamm-Bühnen

Am Sonntag wird in Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem Bürgerentscheid über den Erhalt der beiden Kudamm-Bühnen abgestimmt. Doch ob ein positives Ergebnis überhaupt realisierbar wäre, ist mehr als fraglich.

Foto: © David Chipperfield Architects

Bestehen die Charlottenburg-Wilmersdorfer auf den Erhalt der beiden Kudamm-Bühnen, oder können sie sich mit nur noch einem Theater abfinden? Darüber wird am Sonntag per Bürgerentscheid entschieden. Mehr als 600 Wahlhelfer stehen von 8 bis 18 Uhr in den Abstimmungslokalen bereit, die sich hauptsächlich in Schulen, Gemeindehäusern und Senioreneinrichtungen befinden. 15 Prozent der 237.918 Wahlberechtigten – also 35.688 – müssen sich beteiligen, damit das nötige Quorum zustande kommt. Mit der einfachen Mehrheit der Stimmen wäre der Entscheid positiv.

Ob er allerdings umgesetzt wird, ist mehr als fraglich. Das Votum ist nicht bindend. Bezirksamt und Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung haben bereits klar gemacht, dass sie die Umbaupläne des Kudamm-Karrees mit nur noch einem neuen Theater favorisieren. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) sicherte zwar zu, der Bürgerwille werde nicht übergangen: „Sollte der Bürgerentscheid positiv verlaufen, werden wir sicherlich darüber diskutieren.“ Doch letztlich kann der Investor nicht gezwungen werden, die Theater zu erhalten. Im Gegensatz zum Zoo-Palast, bei dem die Behörden ebenfalls lange mit dem Hauseigentümer über den Erhalt verhandelt haben, stehen die beiden Kurfürstendamm-Theater nicht unter Denkmalschutz. Den Bestandschutz der Theater hatte sich das Land Berlin in den 90er-Jahren für umgerechnet vier Millionen Euro abkaufen lassen.

Investor droht, sich zurückzuziehen

Ob ein positives Ergebnis also überhaupt realisierbar wäre, ist mehr als fraglich. Der Investor hat bereits angekündigt, sich von seinem Vorhaben zurückzuziehen, sollte er zum Erhalt der beiden vorhandenen Bühnen gezwungen werden. Das könnte die Schließung der beiden Bühnen ohne Alternative bedeuten. Theaterdirektor Martin Woelffer, der sich über das große Engagement der Berliner zum Erhalt seiner beiden Häuser freut, hat mit dem irischen Investor Ballymore bereits vor zwei Jahren einen Vertrag geschlossen, mit dem der langfristige Betrieb im neuen Theater geregelt ist.

5000 Bürger haben bereits per Briefwahl abgestimmt. Insgesamt wurden fast 9300 Wahlunterlagen für die Briefwahl verschickt. Unmut hatte es vielfach bei Bürgern aus anderen Bezirken gegeben, die sich auch für den Erhalt der Theater einsetzen wollten, aber nicht abstimmen dürfen. „Das liegt daran, dass es nicht um die Bedeutung der Theater geht, sondern um das Baurecht. Und das ist eine Angelegenheit, über die der Bezirk entscheidet, deshalb können nur Charlottenburg-Wilmersdorfer abstimmen“, erklärt Wahlamtsleiter Wilfried Groß.

Die Argumente, selbst die Träume, wie sich der Kurfürstendamm in Zukunft entwickeln sollte, sind längst ausgetauscht, die Positionen klar markiert. Während der Verein „Rettet die Kudamm-Bühnen“ um den Präsidenten des Berliner Theaterclubs Otfried Laur und die Grünen-Abgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig beide Theater an Ort und Stelle erhalten will, plant Ballymore das Kudamm-Karree komplett umzugestalten und im dritten Obergeschoss ein neues Theater mit 650 Plätzen zu bauen.

Künftig soll es von außen deutlich erkennbar sein, damit es auch vom Laufpublikum wahrgenommen wird. Das neue, voll verglaste Gebäude soll eine vorhangartige Fassade aus Säulen erhalten.

Im neuen Kudamm-Karree sind unter anderem Einzelhandelsflächen (21.500 Quadratmeter), Büros (30.000 Quadratmeter) und Gastronomie (11.000) geplant. Für das neue Theater sind 10.250 Quadratmeter vorgesehen. Umstimmen ließ sich der Investor in der Frage des Eingangs, den er zunächst an der Uhlandstraße geplant hatte (dort soll ein neuer Platz, benannt nach Harald Juhnke, entstehen). Auf Drängen der Theater-Betreiber und der Politik wurde er an den Kurfürstendamm verlegt. Rund 500 Millionen Euro will Ballymore in das heruntergekommene Gebäude, zu dem auch das Parkhaus an der Uhlandstraße gehört, investieren. Der irische Eigentümer hat den renommierten Architekten David Chipperfield mit den Planungen beauftragt. Die beiden Theater – Komödie und Theater am Kurfürstendamm – sind nach Einschätzung von Ballymore in der heutigen Form wirtschaftlich nicht tragfähig, bereits jetzt hat Ballymore die Miete dafür übernommen.

Ergebnis wird ab 19 Uhr erwartet

Wenn die Stimmen ausgezählt sind, soll das Ergebnis auf einer Stelltafel im Rathaus Charlottenburg angebracht werden. Das Rathaus Charlottenburg an der Otto-Suhr-Allee 100 soll Sonntag bis gegen 22 Uhr geöffnet bleiben. Auch auf der Homepage des Bezirks (www.charlottenburg-wilmersdorf.de) soll das Abstimmungsergebnis schnell veröffentlicht werden. „Wenn alles super läuft, sind wir gegen 19 Uhr mit dem Auszählen der Stimmen fertig, realistisch rechne ich mit 20 Uhr, und wenn es Probleme gibt, könnte es 21 Uhr werden“, kündigt Wahlamtschef Groß an.