Berlin-Trend

Renate Künast kann bei Umfrage nicht punkten

Das Duell zwischen Klaus Wowereit (SPD) und Renate Künast (Grüne) ums Rote Rathaus droht einseitig zu werden, wenn die Bundestagsfraktionschefin nicht eine Wende herbeiführt. Denn von ihrem Umfrage-Hoch im September sind die Grünen um acht Punkte abgesackt.

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Klaus Wowereit startet von der Pole-Position ins Wahljahr 2011. Der Regierende Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat erlebt seit vier Monaten in den Umfragen des Berlin-Trends einen deutlichen Aufwärtstrend. Im Oktober 2010 verzeichnete seine SPD mit 22 Prozent noch den niedrigsten Wert, seit die Berliner Morgenpost und der RBB den Berlin-Trend von Infratest dimap veröffentlichen. Im Januar 2011 ist die Delle ausgeglichen. Die SPD legte gegenüber der Umfrage im November noch einmal zwei Punkte zu und erreicht mit 29 Prozent wieder ungefähr das Niveau der letzten beiden Wahlergebnisse. Wowereit selbst büßte zwar bei seinen persönlichen Sympathiewerten zwei Punkte ein, bleibt aber deutlich der Politiker der Stadt, dessen Arbeit die meisten Befragten positiv bewerten.

Das Duell zwischen Wowereit und der Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast ums Rote Rathaus droht einseitig zu werden, wenn die Bundestagsfraktionschefin nicht eine Wende herbeiführt. Von ihrem Umfrage-Höhepunkt von 30 Prozent im September sind die Grünen nach einem weiteren Verlust von zwei Punkten im Vergleich zum November 2010 inzwischen um insgesamt fünf Punkte abgesackt. Sie kommen noch auf 25 Prozent.

Für den Berlin-Trend befragte Infratest dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau am 5. und 6. Januar 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

Es tritt nun offenbar das ein, was viele Grüne angesichts der Höhenflüge in den vergangenen Monaten befürchtet hatten. Die Öko-Partei wird nicht mehr an ihrem 2006er-Wahlergebnis von 13,1 Prozent gemessen, sondern an den 30 Prozent der Umfragen. Die 25 Prozent werden daher weniger gut beurteilt, als sie tatsächlich sind. Denn der Januar-Wert ist immer noch der vierthöchste in der Geschichte der Berliner Grünen und liegt deutlich über dem Niveau der Vorjahre.

Bedenklicher für die ambitionierte Partei ist aber, dass ihre mit vielen Vorschlusslorbeeren an den Start geschickte Spitzenkandidatin Künast nicht punkten konnte. Den Höchstwert von 30 Prozent erklomm die Partei, als Künast sich noch nicht offiziell als Wowereits Herausforderin erklärt hatte. Der Anteil derer, die mit der Arbeit der Grünen-Kandidatin zufrieden sind, sank von November bis Januar von 49 auf 42 Prozent.

Nach ihren ersten Aussagen zu Berlin agiert die Bundesministerin a.D. nicht mehr auf Augenhöhe mit Wowereit. Hätte sie den Regierenden im September noch überflügelt, wenn der Senatschef direkt gewählt würde, hat Künast nun erneut Boden verloren. Nur noch 28 Prozent würden für sie stimmen. Vor allem büßten die Grünen Sympathien unter den Wählern der Union ein. Aber auch jeder vierte Befragte, der den Grünen seine Stimme bei der Abgeordnetenhauswahl geben möchte, würde bei einer Direktwahl den SPD-Mann Wowereit bevorzugen. Klaus Wowereit legte vier Punkte zu und würde bei einer Direktwahl 54 Prozent bekommen.

Offensichtlich hat es im Januar eine Verschiebung der Wähler von den Grünen hin zur SPD gegeben. Die anderen Parteien bleiben fast unverändert. Die Linke hält ihr Niveau bei 17 Prozent, der mögliche Spitzenkandidat, Wirtschaftssenator Harald Wolf, konnte mit seinen persönlichen Sympathiewerten zulegen. Seine Initiativen zur Rekommunalisierung von Unternehmen und die positive Wirtschaftsentwicklung scheinen sich auszuzahlen.

Die CDU kann nicht vom Ärger um die S-Bahn oder der Aufregung über die Flugrouten profitieren. 20 Prozent bedeuten einen Verlust von einem Punkt. Der Abstand zur SPD hat sich damit noch einmal vergrößert. Der am Montag offiziell als Spitzenkandidat gekürte Landes- und Fraktionschef Frank Henkel hat es noch nicht geschafft, beim Wahlvolk durchzudringen. Nur 13 Prozent schätzen Henkels Arbeit positiv ein. Im Lager der Unionswähler genießt Henkel die Sympathien von 38 Prozent. Aber auch hier hat Henkel noch viel Arbeit im Wahlkampf. Mehr als 40 Prozent der Unionsanhänger kennen den Spitzenkandidaten noch nicht.