Berliner S-Bahn

Der Normalfahrplan gilt wohl erst wieder 2012

In diesem Jahr wird es bei der S-Bahn wohl keinen Normalverkehr geben. Das hat der S-Bahnchef eingeräumt und kündigt Entschädigungen an. Nun wird ein neuer Winterfahrplan eingeführt – so plötzlich, dass Abstimmungen mit der BVG nicht mehr möglich sind.

Die Kunden der Berliner S-Bahn können offenbar erneut mit einer Entschädigung in Millionenhöhe rechnen. „Es geht darum, sich zu entschuldigen, und das nicht nur mit Worten zu tun, sondern auch mit Geld“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Freitag im Interview bei 105,5 Spreeradio. Bis zum 31. Januar will das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn Details zum geplanten Entschädigungspaket nennen. In den vergangenen zwei Krisen-Jahren hatte die S-Bahn ihren Fahrgästen Entschädigungen im Gegenwert von insgesamt etwa 105 Millionen Euro zukommen lassen. Zuletzt hatte sie den Stammkunden im November und Dezember 2010 Freifahrtmonate gewährt. Für Gelegenheitsfahrer galten Einzelfahrscheine an den Wochenenden als Tagesticket.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb und Berliner Verkehrspolitiker fordern für 2011 eine Entschädigung in ähnlicher Höhe. Am Freitag ließ sich Buchner nicht darauf festlegen, wie lange die Kunden in diesem Jahr unentgeltlich fahren dürfen. Man werde aber „Geld in die Hand nehmen“, versprach der S-Bahn-Chef. „Und ich glaube schon, dass das eine eindrucksvolle Summe ist, die es so in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben hat.“

Ebenfalls am Freitag teilte die S-Bahn Details zum sogenannten Winterfahrplan mit, der vom 24. Januar und mindestens bis Ende Februar an gelten soll. Die genauen Fahrplandaten werden vom 19. Januar an im Internet ( www.s-bahn-berlin.de ) veröffentlicht. Wie berichtet, wird die Höchstgeschwindigkeit für alle Züge bis auf Weiteres auf 60 Kilometer pro Stunde reduziert. Die Fahrzeiten auf allen Strecken verlängern sich dadurch um maximal zehn Minuten. Im Gegenzug soll der Verkehr deutlich zuverlässiger werden. Darauf hatte sich die S-Bahn bei einem Krisentreffen mit Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) und Vertretern der Umlandgemeinden verständigt. Vor allem in der Frostperiode im Dezember hatte es große Verspätungen gegeben, weil manche Züge wegen technischer Probleme mit den Bremsen nur maximal 60 Kilometer pro Stunde fahren durften, andere aber Tempo 80.

BVG kann Fahrplan nicht anpassen

Weil das verschärfte Tempolimit vom 24. Januar nun überall gilt, benötigt die S-Bahn mehr Fahrzeuge, um alle Linien zu bedienen. Folge der höheren Verlässlichkeit sind daher neue Ausdünnungen im Angebot. Besonders betroffen sind Potsdam und Hennigsdorf. Weil es im Grunewald einen eingleisigen Abschnitt gibt, können die Schleichzüge der S7 in Richtung Potsdam nur noch alle 20 Minuten fahren. Nach Hennigsdorf fährt die S25 vom 24. Januar an nur noch alle 30 Minuten. Die Nord-Süd-Linie wird dafür geteilt. Zwischen Teltow-Stadt und Gesundbrunnen gilt weiter ein 20-Minuten-Takt, zwischen Nordbahnhof und Hennigsdorf der Halbstundentakt.

Auch auf den Linien nach Spandau und Wartenberg ist ein 20-Minuten-Takt geplant. Auf der Ringbahn sollen die Züge den gesamten Tag über alle zehn Minuten fahren. Die Verstärkerzüge in der Hauptverkehrszeit entfallen. Zudem wird die Linie S9 verkürzt. Die Züge fahren vom Flughafen Schönefeld nicht mehr bis Pankow, sondern enden bereits am Bahnhof Greifswalder Straße.

Probleme wird es auch bei den Anschlüssen zwischen der S-Bahn und den Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geben. Weil der Winterfahrplan mit zahlreichen geänderten Ankunfts- und Abfahrtszeiten bereits in neun Tagen starten soll, sei eine Anpassung aller 234 BVG-Linien „zeitnah nicht möglich“, teilten die Verkehrsbetriebe am Freitag mit.

Unterdessen leitete die Deutsche Bahn rechtliche Schritte gegen Ernst-Otto Constantin, bis 2002 Arbeitsdirektor der S-Bahn, ein. Der Konzern fordert nach eigenen Angaben eine „Unterlassung der nachweislich falschen Aussagen“ in einem offenen Brief an Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und die Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses. Unter anderem hatte Constantin behauptet, dass Bahnchef Rüdiger Grube vor dem Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses die Unwahrheit gesagt hätte. Außerdem hatte der Ex-Manager den heutigen DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg für die anhaltende S-Bahn-Krise mitverantwortlich gemacht. Die Bahn weist die Darstellungen Constantins nachdrücklich zurück.