Hochschulpräsident

Jan-Hendrik Olbertz übernimmt Leitung der HU

Christoph Markschies hat seinen Posten als Präsident der Humboldt Universität abgegeben. Der gebürtige Berliner Jan Hendrik-Olbertz übernimmt und will nun den Stress für die Studenten reduzieren.

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Jan-Hendrik Olbertz hat seit Montagabend zwei neue Schmuckstücke in seinem Safe liegen. Die beiden Ketten - eine zeigt das Antlitz Wilhelm des Dritten, die andere das der Brüder Humboldt - sind allerdings keine Dekoration. Jan-Hendrik Olbertz hat sie Montagabend im großen Hörsaal der Humboldt-Universität Unter den Linden vom bisherigen Uni-Präsident Christoph Markschies überreicht bekommen. Das Amt von Christoph Markschies gab es mit dazu. Jan-Hendrik Olbertz ist nun neuer Präsident der HU.

„Es ist ein Perspektivenwechsel“, sagt der 56-jährige Olbertz. Der gebürtige Berliner war von 2002 bis zum Sommer parteiloser Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, nun, so formuliert er es, kehre er von der Politik in die Wissenschaften zurück. Auch Christoph Markschies kehrt in die Wissenschaften zurück. Er versteht allerdings etwas anderes darunter, Markschies wird künftig, wie vor seiner Präsidentschaft, als Kirchenwissenschaftler an der HU lehren und forschen. Auf den Erziehungswissenschaftler und Hochschulpädagogen Jan-Hendrik Olbertz warten allerdings andere Aufgaben.

„Zunächst möchte ich alle Fakultäten besuchen und die Lehrpläne begutachten“, kündigte Olbertz an. Er habe Sorge, dass seine neuen Schützlinge nurmehr von Vorlesung zu Vorlesung hasten, anstatt sich ihrer akademischen Selbstfindung zu widmen. Den Stress, der für viele Studenten mit einem Bachelor- oder Master-Studiengang einhergeht, will Olbertz reduzieren, und zwar schnell. „Das soll eine erste, für alle spürbare Änderung sein.“

Viele andere seiner Pläne werden sich nicht so schnell umsetzen lassen. Etwa die Zusammenführung kleiner Fakultäten, sogenannte Orchideenfächer. „Die Fachbereiche sind zersplittert und nicht ausreichend vernetzt“, sagt Olbertz. Doch gemeinsam könnten die Wissenschaftler viel mehr erreichen.

Und dann ist da noch die Exzellenz-Initiative, eine Bund-Länder-Initiative zur Förderung der Wissenschaften und wohl größte Herausforderung von Olbertz fünfjähriger Amtszeit. Die neue, dritte Runde des Wissenschaftswettbewerbs ist gerade angelaufen, auch die HU hat sich beworben. Wird die Bewerbung angenommen, hat sie Chancen, den Status der Elite-Universität zu erringen. In der zweiten Exzellenzinitiative war die HU in der letzten Runde um Haaresbreite gescheitert. Und das schmerzt die Berliner Hochschule immer noch. Auch, weil die Freie Universität, größter lokaler Konkurrent der HU, das Rennen 2006 gewonnen hatte. Seither suchte die Universität nach Möglichkeiten, ihr Profil zu schärfen. Mit Markschies an der Spitze schien dies wenig aussichtsreich. Jan-Hendrik Olbertz als Präsidentschaftskandidat war Wasser auf den schweren Mühlen der Universität und als der niedersächsische Kultusminister im April gewählt wurde, schien die Freude an der Universität grenzenlos zu sein.

Doch nach dem Hochmut kommt der Fall. Zwei Monate später wurde dem früheren DDR-Bürger Jan-Hendrik Olbertz Verherrlichung des Sozialismus vorgeworfen. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk meinte, Olbertz Dissertation sei von Leninismus durchtränkt. Bei Studium und Promotion habe er sich außerdem dem DDR-Regime zu sehr angepasst. Olbertz, der nie SED-Mitglied war, bestreitet dies. Und nahm Montag bei seiner Antrittsrede Bezug darauf. „Eine staatliche Universität kann nur so frei, demokratisch, offen und aufgeklärt sein, wie der Staat es ist, der sie veranstaltet“, sagte er.

Auch wenn Jan-Hendrik Olbertz keine Diskussion scheut - nun würde er gern nach vorne sehen. Er will für eine größtmögliche Freiheit der HU kämpfen und die Strukturen intern modernisieren. „Diese Veränderungen werden auch nicht konfliktfrei durchzusetzen sein. Aber es könnte sich lohnen“, schloss er seine gestrige Rede. Die Amtskette mit den Konterfeis von Wilhelm und Alexander von Humboldt, den Gründervätern der HU, möge er ausschließlich wegen den abgebildeten Personen und nicht, weil sie 1960 zu DDR-Zeiten an der Hochschule eingeführt wurde.

Jan-Hendrik Olbertz Amt beginnt zeitgleich mit dem Vorlesungen zum Wintersemester. Mehr als 28000 junge Menschen begannen diese Woche ihr Studium in Berlin, im vergangenen Jahr waren es nur rund 26000. Allein die Hu will bis 2012 will Berlin 6000 zusätzliche Plätze für Erstsemester schaffen, um den doppelten Abitur-Jahrgang abzufangen. Die Humboldt-Universität stellt über 1000 neue Studienplätze zur Verfügung, insgesamt starteten 6585 junge Menschen ihre Hochschullaufbahn.