Investitionen

Berlin verweigert Zuschüsse für neue S-Bahnen

Um nicht über Jahre im Chaos zu versinken, braucht die Berliner S-Bahn dringend Fahrzeuge. Das Land will sich am Kauf neuer Wagen aber nicht beteiligen – und drängt die S-Bahn, ihre alte Flotte zunächst wieder fit zu machen.

Berlin will der S-Bahn beim Kauf eines neuen Fuhrparks nicht unter die Arme greifen. Das Land werde sich weder an Investitionen beteiligen, noch auf Zahlungskürzungen verzichten, wenn die Leistung nicht stimmt, sagte Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Sie betonte auch, dass die Bahntochter nach Auslaufen des Verkehrsvertrages 2017 nicht automatisch den Zuschlag für einen neuen Vertrag bekommen werde, nur weil sie sich mit neuen Zügen eindecke. Der Bund müsse klarstellen, dass die notwendigen Investitionen nicht an derartige Bedingungen geknüpft werden. „Wir sind nicht erpressbar.“

Die Bahn und der Bund als Eigentümer waren in der vergangenen Woche übereingekommen, dass die S-Bahn in den nächsten Jahren eine neue Fahrzeugflotte bestellen müsse. Junge-Reyer sagte, es dauere aber fünf bis sechs Jahre, bis neue Wagen verfügbar seien, und bis 2025, bis der Fuhrpark komplett ausgetauscht sei. Die S-Bahn müsse aber sofort handeln. „Wichtig ist es jetzt, vor allem Lösungen für die Zeit bis 2017 zu finden, die kurzfristig einen ausreichenden und stabilen Verkehr sichern.“ Dazu müsse die S-Bahn zunächst die vorhandenen Fahrzeuge ertüchtigen.

Die Berliner S-Bahn schafft seit mehr als eineinhalb Jahren keinen Normalbetrieb mehr. Gründe sind Managementfehler, Wartungsmängel, technische und Witterungsprobleme.

Ehemaliger S-Bahn-Manager gibt Bahn Schuld am Desaster

Ein 2002 ausgeschiedener früherer Geschäftsführer der S-Bahn, Ernst-Otto Constantin, wies indes Darstellungen der Deutschen Bahn zurück, technische Fehlkonstruktionen der Hersteller an der Zugbaureihe 481 seien für das Desaster bei der S-Bahn-Tochter verantwortlich. Die Baureihe sei über 10 Jahre fast völlig störungsfrei mit einem Verfügungsgrad von weit über 90 Prozent gefahren, schrieb Constantin in einem Offenen Brief an Junge-Reyer und das Abgeordnetenhaus. „Sie war gepflegt, pünktlich und von unseren Kunden hoch gelobt.“

Constantin sieht in einem Spardruck des Bahnkonzerns auf die S- Bahn die Schuld für den Verfall. „Niemand von uns damals Verantwortlichen kann verstehen, dass alleine in der Hauptwerkstatt die Mitarbeiter von 800 auf ca. 200, die Meister von 26 auf 3 reduziert wurden, dazu das gesamte mittlere Management“, heißt es in dem Schreiben weiter. Als Verantwortlichen für die Fehlentwicklung der S-Bahn beschuldigt Constantin den damaligen Chef von DB Regio, Ulrich Homburg, der mittlerweile zum Bahnvorstand Personenverkehr im Konzern aufgerückt ist. Die Berliner SPD fordert schon seit Monaten Homburgs Ablösung.