Neujahrsempfang

Bundespräsident Wulff ehrt engagierte Berliner

Christian Wulff und seine Frau begrüßen verdiente Bürger zum Neujahrsempfang. Die etwa 60 Helfer wurden zusammen mit mehr als 200 Spitzenvertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur in das Schloss Bellevue eingeladen .

Foto: dapd / dapd/DAPD

Es war ein aufregender Tag, der Hong Za Dörge-Choe zudem wieder Mut gegeben hat, ihren Herzenswunsch weiterzuverfolgen. Die Koreanerin war eine der 60 verdienten Bürger, die Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstag zum Neujahrsempfang ins Schloss Bellevue eingeladen hatte. Sie setzen sich für Obdachlose ein, engagieren sich in der Seelsorge, fördern die kulturelle Bildung oder leisten wichtige Arbeit für den Umweltschutz. Auch 200 Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten und seiner Frau Bettina. Stehvermögen mussten nicht nur die Diplomaten unter Beweis stellen, auch die ehrenamtlich engagierten Bürger: Das Zeremoniell des Händeschüttelns dauerte drei Stunden.

Im Gegensatz zu den anderen, die aus der ganzen Republik angereist waren, hatte es die Berlinerin immerhin vergleichweise einfach: „Ich bin aber dennoch schon sehr früh von zu Hause losgefahren, und das war auch gut so, denn ich stand auf der Avus erst mal im Stau“, berichtet die 66 Jahre alte Berlinerin, die bereits 1967 zum Studieren nach Deutschland kam. „Das war der einzige Weg, aus Korea auszuwandern“, erinnert sie sich. Doch aus dem Gesangs- und Sprachenstudium wurde nichts. Sie musste arbeiten, auch um die Familie in Korea zu unterstützen. Ihr Geld verdiente sie als Chorsängerin am Theater des Westens und der Deutschen Oper Berlin, wo ihr Mann 37 Jahre als Orchestermusiker beschäftigt war.

Es folgte die eigene Familiengründung. Tochter Caroline ist heute 40. Von ihr, einer Solistin und Pianistin, hat die Mutter dem Bundespräsidenten stolz eine CD übergeben. Schon immer kümmerte sich Hong Za Dörge-Choe um die Menschen aus ihrer koreanischen Heimat. 2009 beispielsweise hat sie in Zehlendorf einen deutsch-koreanischen Frauenchor gegründet, dessen 15 Mitglieder aus ganz Berlin kommen, eine Frau sogar mit dem Fahrrad aus Kreuzberg, um in der Musikschule am Hüttenweg gemeinsam zu singen. „Ich bringe ihnen koreanische Lieder bei“, berichtet sie.

Ihr größter Wunsch bislang blieb jedoch unerfüllt: „Ich möchte gern ein kleines koreanisches Kulturcenter aufbauen, in dem ich Konzerte und Ausstellungen organisiere, es soll vor allem auch ein Treff für Künstler sein, die noch nicht so berühmt sind.“ Viele koreanische Frauen, die mit deutschen Männern verheiratet sind, gingen im Alter zurück in die Heimat. Das sei ein großes Problem. Auch ihnen will sie durch das Center, in dem das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden soll, helfen. Der Bundespräsident, dem sie von diesem Herzenswunsch erzählte, habe ihr Mut gegeben, dass sie das Center vielleicht doch noch aufbauen kann.

Eigentlich habe sie die Tür zu diesem Thema schließen wollen. Wegen der Finanzierung. „Aber der Bundespräsident hat gesagt, dass die Idee sich unterstützenswert anhört. Ich darf ihm jetzt schreiben“, sagt Hong Za Dörge-Choe voller Freude. Die 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die Wulff – wie seit 1970 alle Bundespräsidenten zuvor auch – zum Neujahrsempfang eingeladen hatte, waren am Tag zuvor bereits schon mal durch das Schloss geführt worden. „Dadurch war ich etwas beruhigt. Es wurde uns auch erklärt, wo wir stehen werden und wie der Ablauf sein wird“, sagte Hong Za Dörge-Choe, die sich für diesen Tag statt der farbenfrohen koreanischen Tracht doch lieber für das schwarz-weiße Kostüm entschied. Das gemeinsame Mittagessen in dem Zimmer, in dem Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina sonst die Staatsgäste aus aller Welt empfangen, genoss die Berlinerin ebenfalls. Auf der Speisekarte stand Ochsenschwanzkraftbrühe, Filet und Backe vom Kalb. Als Dessert gab es ein kleines Stückchen Schwarzwälderkirsch und Kaffee.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überbrachte bei dem Empfang an der Spitze des Kabinetts dem Bundespräsidenten die Neujahrsgrüße der Bundesregierung. Und so bot sich für das Bundeskabinett auch diesmal die Gelegenheit, sich zum ersten „Familienfoto“ des Jahres zu gruppieren. Für ein paar Stunden waren die aktuellen politischen Stressthemen nicht auf der Tagesordnung. Kanzlerin Angela Merkel sah man im intensiven Gedankenaustausch mit den Linkspartei-Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst. „Was wir besprochen haben, bleibt unter uns...“, wies Lötzsch Fragen brüsk ab. Für Hong Za Dörge-Choe und die anderen Helfer jedenfalls war es einer der wichtigsten Tage im Leben.