Gesundheit

Charité saniert Bettenturm für 185 Millionen Euro

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Tanja Kotlorz

Nach jahrelanger Diskussion wird der Bettenturm der Charité in Mitte nun doch modernisiert. Das Gebäude gilt als marode, doch schon in zwei Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Die Universitätsklinik Charité wird ihren Bettenturm an der Luisenstraße in Mitte in einer Turbo-Geschwindigkeit von zwei Jahren sanieren. Das ist Teil des Konzepts, das der Klinikumsvorstand am Donnerstag dem Aufsichtsrat vorgelegt und dem das Kontrollgremium zugestimmt hat. Demnach wird die Charité ihr 21-geschossiges Bettenhochhaus, das zu DDR-Zeiten (1977 bis 1982) erbaut wurde, für insgesamt 185 Millionen Euro sanieren. Das Haus soll künftig über 804 Betten und 15 Operationssäle verfügen. Die Sanierungskosten von 185 Millionen Euro sind Teil der bereits vom Senat für die Charité bewilligten 330 Millionen Euro.

Aus Aufsichtsratskreisen war zu hören, dass sowohl Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) als auch Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) den Charité-Vorstand darüber hinaus in die Pflicht nahmen, im Kostenrahmen zu bleiben. Zudem müsse der Vorstand endlich Berechnungen vorlegen, mit wie vielen Patientenausfällen und Erlöseinbrüchen in der Sanierungsphase zu rechnen seien. „Der Aufsichtsrat hat damit einerseits weitere Schritte zur Sanierung des Bettenhochhauses auf den Weg gebracht, andererseits muss die finanzielle Handlungsfähigkeit der Charité auch während des Umbaus sichergestellt sein“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Professor Jürgen Zöllner.

Das Bettenhochhaus gilt als dringend sanierungsbedürftig. Die Fassade ist marode, es gibt noch Vier-Bett-Zimmer mit unmodernen sanitären Anlagen. In den 21 Etagen sollen künftig elf Normalpflegestationen verschiedener Fachabteilungen, die Kreißsäle mit dem Perinatalzentrum und ein tagesklinischer Bereich untergebracht werden. Zudem sind ein vierstöckiger Neubautrakt mit 62 Intensivbetten sowie 15 OP-Säle und die Rettungsstelle mit Radiologie vorgesehen. Noch in diesem Jahr soll die Planung begonnen werden. Um die ehrgeizige Bauzeit einzuhalten, soll am Campus Mitte ein Interimsbau entstehen. „Auf diese Weise kann das Hochhaus vollständig frei gezogen werden, so dass der Klinikbetrieb durch die Baustelle nicht gestört und die Bauzeit verkürzt wird“, teilte die Charité mit.

Im Vorfeld hatte es in der Charité heftige Diskussionen zu dem Thema gegeben. Einige Vorstandsmitglieder bevorzugten offenbar einen Neubau in Mitte, als die Sanierung des alten DDR-Gebäudes. Auch dem Senat schien die Neubau-Variante sympathischer, denn im Fall eines wirtschaftlicher zu betreibenden Neubaus hatte die rot-rote Koalition weitere Finanzmittel in Aussicht gestellt.

Nun wird saniert, doch um einen Bettenabbau wird die Charité nicht herumkommen. Der Senat hatte unabhängig von der Modernisierung des Bettenhochhauses bereits in diesem Sommer beschlossen, dass die Universitätsklinik von ihren derzeit 3200 Betten 500 abbauen muss. An welchen Standorten und Abteilungen diese Betten reduziert werden ist indes noch unklar. Die Charité soll Vorschläge erarbeiten und diese mit der Senatsverwaltung für Gesundheit abstimmen. Unklar ist ferner, mit welchen Mitteln die anderen Klinik-Standorte der Charité, der Campus Virchow in Wedding und das Benjamin Franklin in Steglitz sowie der Campus Buch saniert werden sollen. Der Charité-Vorstand hatte für die Modernisierung der Gesamt-Charité rund 640 Millionen Euro veranschlagt.