Öffentlicher Nahverkehr

Ostkreuz-Baustelle verschärft S-Bahn-Chaos

Ob ausfallende Züge oder Verspätungen - Als Kunde der Berliner S-Bahn muss man zurzeit flexibel sein. Vor allem die Nutzer der Stadtbahn-Linien müssen sich jetzt auf neuen Stress und längere Fahrzeiten einstellen. Der Senat verbietet beim Umbau des Ostkreuzes laute Nachtarbeiten. Deshalb muss die Bahn ab heute den Verkehr weiter drastisch einschränken.

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Den Kunden der S-Bahn wird derzeit keine Verschnaufpause gegönnt. Vor allem die Nutzer der Stadtbahn-Linien müssen sich auf neuen Stress und längere Fahrzeiten einstellen. Denn zusätzlich zu den Ausfällen wegen des Fahrzeugmangels hat die S-Bahn jetzt weitere erhebliche Einschränkungen im Bereich Ostkreuz angekündigt.

Erstmals seit Beginn der Modernisierung des Kreuzungsbahnhofs wird es dabei mitten in der Woche Pendelverkehr und Bus-Ersatzfahrten geben. „Leider wird es auch im Berufsverkehr besonders am Freitagmorgen zu umfangreichen Fahrplanänderungen kommen“, kündigt ein Sprecher der Deutschen Bahn an. Die Auswirkungen dürften dabei erheblich sein, denn das Ostkreuz ist mit täglich bis zu 140.000 Reisenden der wichtigste Umsteige-Bahnhof im gesamten Berliner S-Bahn-Netz. Gleich vier Linien sind dabei direkt von den Sperrungen betroffen.

So wird von heute, 11 Uhr, bis Sonnabend, 7 Uhr, der Zugverkehr auf der S 5, S 7 und S 75 unterbrochen. So verkehrt die S 5 nur zwischen Lichtenberg und Strausberg Nord. Im Streckenabschnitt Wuhletal–Hoppegarten will die S-Bahn tagsüber alle zehn Minuten Züge fahren lassen. Auf der S 7 fahren Züge nur zwischen Potsdam Hauptbahnhof und Ostbahnhof sowie zwischen Lichtenberg und Ahrensfelde (jeweils im 20-Minuten-Takt). Die S 75 fährt ebenfalls nur alle 20 Minuten von Lichtenberg nach Wartenberg und zurück. Zwischen Lichtenberg und Ostkreuz lässt die S-Bahn Züge im 15-Minuten-Abstand pendeln.

„Schuld“ an der erneuten Verschlechterung des S-Bahn-Angebots hat dieses Mal aber nicht die Bahn, sondern die Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Die Behörde hat ihre Genehmigungspraxis geändert und lässt keine lärmintensiven Abrissarbeiten in den Nachtstunden mehr zu. Grund dafür ist die Klage eines Anwohners vor dem Verwaltungsgericht, der bereits im Vorjahr erstritt, dass lautstarke Abrissarbeiten nicht mehr an den Sonntagen erfolgen. Daraufhin ließ die Bahn eine Lärmschutzwand errichten. „Trotz der Lärmschutzwand, die nachweislich die Lärmsituation deutlich verbessert, haben wir von der Senatsverwaltung nur für einen Teil der Arbeiten die erforderlichen Genehmigungen erhalten“, sagt Projektleiter Mario Wand von der DB ProjektBau. Die Konsequenz: Auch tagsüber müsse an Wochentagen der S-Bahn-Verkehr für die Arbeiten eingeschränkt werden.

Konkret geht es jetzt um den Abriss des Bahnsteigs F, an dem noch bis 31. August die Ringbahn-Züge hielten. „Es müssen die Stützpfeiler für den Bahnsteig abgerissen werden. Da dabei Teile auf die Gleise fallen, müssen wir diese während der Arbeiten zur Sicherheit der Fahrgäste sperren“, so ein Unternehmenssprecher.

Eine Verschiebung der Arbeiten auf die Zeit nach der S-Bahn-Krise kommt für die DB ProjektBau nicht in Frage. Damit würde der Zeitplan für den mehr als 400 Millionen Euro teuren Umbau des Bahnhofs ins Wanken geraten. Dies hätte höhere Kosten und eine längere Lärmbelastung der Anwohner zur Folge. Auch würden die S-Bahn-Nutzer darunter leiden. Denn diese müssen seit Wochen beim Umsteigen von der Ringbahn auf die Stadtbahn einen Umweg in Kauf nehmen. Mitte November soll es wieder einen direkten Treppenabgang vom Ringbahnsteig zu den beiden Bahnsteigen an den Stadtbahn-Linien geben. „Das schaffen wir aber nur, wenn der Abriss des alten Bahnsteigs rechtzeitig abgeschlossen ist“, so der Bahnsprecher. So wird es zu weiteren Linien-Unterbrechungen kommen. Und so wird gleich an diesem Wochenende der Zugverkehr zwischen Ostkreuz und Lichtenberg unterbrochen. Nicht einmal Pendelzüge fahren dann mehr. Ähnliche Einschränkungen sind für die drei darauffolgenden Wochenenden vorgesehen (jeweils Freitag, 22 Uhr, bis Montag, 4 Uhr).

Weitere Sperrungen mitten in der Woche sind von der Bahn vorerst nicht geplant. Bleibe die Senatsverwaltung aber bei ihrer Genehmigungspraxis, müssten Arbeiten mit Einschränkungen für den Zugverkehr aus den Nacht- und Wochenendzeiten auf die Werktage verlegt werden, heißt es.

Einschränkungen auch bei der U-Bahn

Die Linie U 3 fährt bis zum Montagmorgen nicht zwischen den Bahnhöfen Nollendorfplatz und Spichernstraße, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilten. Bis zum Dezember fährt auch die Linie U 1 zwischen Gleisdreieck und Kottbusser Tor nicht.