CDU-Spitzenkandidat

So will Frank Henkel Berlins Probleme anpacken

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel positioniert sich als Mann der Tat. Auf Wahlkampftour besuchte er die professionellen "Aufräumer" der Stadt.

Die Krawatte hat Frank Henkel an diesem Mittwochmorgen zu Hause gelassen. Sportliche Jacke und Jeans sollen heute sein neues Image als Aufräumer der Stadt unterstreichen. Doch Henkel guckt erst einmal zu. Die Ultraschall-Überprüfung hat es ihm besonders angetan. Aufmerksam lässt er sich zeigen, wie die Achsen der S-Bahn-Wagen im Werk Wannsee auf Risse überprüft werden. Der Chef der Berliner S-Bahn, Peter Buchner, zeigt und redet und redet und zeigt. Eine Stunde dauert es, eine Achse zu überprüfen, alle 30000 Kilometer wird der Test fällig. „Sie sollen ja auch verstehen, warum das alles bei uns hier so lange dauert“, sagt Buchner und erzählt minutenlang von den vergangenen 18 Monaten seines S-Bahn-Elends.

Henkel lauscht, nickt, unterbricht nur selten, fragt nach Problemen. Die Botschaft ist klar: Nur zwei Tage nach seiner Inthronisierung als Spitzenkandidat der CDU, nachdem er verkündet hat, in Berlin aufräumen und anpacken zu wollen, will Henkel jetzt Taten folgen lassen – oder zumindest Präsenz zeigen. Dafür nimmt er sich an diesem Morgen gleich die zwei größten Aufreger-Themen der Stadt vor: Er besucht die S-Bahn und den Winterdienst der Berliner Stadtreinigung (BSR). Am Ende steht aber auch der Besuch einer Wärmestube bei der Heiligkreuzpassion der Diakonie auf dem Plan.

Henkel will Runden Tisch für S-Bahn

300 Motoren haben die Arbeiter in den Werkstätten seit Wintereinbruch tauschen müssen, erzählt Buchner, im Winter zuvor seien es etwa 100 gewesen, sonst höchstens 15. Alles sei überaltert, sagt der S-Bahn-Chef. Und kratze man an einer Stelle, tauchten darunter gleich drei neue Probleme auf. „Das Drama S-Bahn hat sich in vielen Schritten aufgebaut.“ Ein Ende sei noch nicht in Sicht. Auch Frank Henkel hat für Buchner keinen Trumpf im jetzt symbolisch hochgekrempelten Ärmel stecken. „Eine einfache Lösung für die S-Bahn gibt es leider nicht“, sagt Henkel und ist sich mit Buchner einig, dass bis zum Jahr 2017, in dem der S-Bahn-Vertrag mit der Deutschen Bahn ausläuft, noch viel passieren muss. Der Senat sei jetzt gefordert, findet Henkel. „Es müssen dringend mal alle Beteiligten miteinander über Lösungsmodelle reden: Bahn, Land und auch die Opposition.“

Mit Prognosen, Versprechungen und Attacken hält sich Henkel bei seiner ersten Tour als offizieller Spitzenkandidat erst zurück. „Wir besichtigen jetzt nach und nach die Baustellen der Stadt“, sagt sein neuer Sprecher Michael Gentsch. Also erst einmal Munition sammeln, im heißen Wahlkampf dann abfeuern. Nur auf Wahlvolk ist Henkel bei seiner heutigen Baustellentour kaum getroffen, dabei hat er das am dringendsten nötig. Wenn Henkel sein von ihm formuliertes Ziel erreichen und die CDU zur stärksten Kraft machen will, muss er vor allem erst einmal bekannt werden. Laut aktueller Umfrage schätzen nur 13 Prozent der Berliner Henkels Arbeit positiv ein. Im Lager der Unionswähler genießt Henkel die Sympathien von 38 Prozent – doch mehr als 40 Prozent der CDU-Anhänger kennen den Spitzenkandidaten noch nicht einmal.

Was die zu bearbeitenden Baustellen angeht, wird dem neuen Spitzenkandidaten bei der Berliner Stadtreinigung ein gänzlich anderes Bild präsentiert als bei der S-Bahn. Trotz extremer Witterung im Dezember hat das landeseigene Unternehmen die Lage im Griff, ist die Botschaft von Winterdienst-Leiter Winfried Becker an den CDU-Spitzenkandidaten. Er beeindruckt ihn mit einem detaillierten Vortrag über die Aufgaben des Räumdienstes, die Auswertung der täglichen Wetterberichte und das Controlling der Feuchtsalz-Streuung.

Henkels Nachfrage, ob nicht die Novelle des Straßenreinigungsgesetzes viel zu spät für die Winterdienste kam und Chaos verursacht hat, wischt Becker rigoros weg. „Die Firmen haben alle rechtzeitig gewusst, dass sie mehr räumen müssen“, sagt er. Henkel ist sich da nicht so sicher. Da kommt noch eine Klagewelle der privaten Winterdienste auf Berlin zu, vermutet er und geht am Ende seines Besuches dann doch noch zur Attacke über. Die S-Bahn und das Winterchaos, das seien nicht nur Probleme der zuständigen Senatorinnen Junge-Reyer und Lompscher – die stünden nur immer im Fadenkreuz. „Wowereit duckt sich bei allen Problemen weg und schickt Sündenböcke vor“, sagt Henkel. „Dabei ist der Hauptverantwortliche für das Chaos immer noch der Regierende Bürgermeister, der sich zu lange nicht gekümmert hat.“ Der Aufräumer gegen den Wegducker – die Frontlinie des frisch gekürten CDU-Spitzenkandidaten steht passend zum neuen Image fest.