Drei-Jahres-Bilanz

Berliner Kaufleute lieben späten Ladenschluss

Wer abends shoppen geht, gibt mehr Geld aus. Das ist eine Erkenntnis, die der Berliner Einzelhandel aus den verlängerten Öffnungszeiten zieht. Das liberale Ladenschlussgesetz trifft entsprechend auf viel Zustimmung. Offene Läden lockten zudem Touristen an - die den Umsatz in die Höhe treiben.

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Drei Jahre nach der Einführung des liberalsten Ladenschlussgesetzes in Deutschland ziehen die Berliner Kaufleute ein positives Fazit. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab, profitiert der Einzelhandel in der Hauptstadt dank des späten Ladenschlusses gleich doppelt: Zum einen wird in den Abendstunden und an verkaufsoffenen Sonntagen ein hoher Umsatz erzielt, Touristen und Berufstätige werden angezogen. Andererseits wirkt sich das Gesetz, das derzeit vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe überprüft wird, positiv auf das Berliner Image aus. Gewerkschaften beklagen dagegen immer schlechtere Arbeitsbedingungen.

„Abhängig von der Jahreszeit und den saisonalen Anlässen erzielen wir in den Verkaufsstunden ab 20 Uhr bis zu 30 Prozent unseres Tagesumsatzes“, sagt Bianca Krömer vom Kulturkaufhaus Dussmann. Am Abend steige die durchschnittliche Höhe des Einkaufswerts in dem Kaufhaus, das unter der Woche bis Mitternacht geöffnet ist, kontinuierlich an. „Das bedeutet konkret: Kunden, die am Abend einkaufen, geben durchschnittlich mehr Geld aus.“ Dass sich längere Öffnungszeiten auch positiv auf den Umsatz auswirken müssen, ist für Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg nur logisch. „Wenn es sich nicht rechnet, muss ich es als Kaufmann nicht machen. Keiner muss müssen, aber jeder, der will, der darf.“

Auch Detlef Steffen, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof-Filiale am Alexanderplatz, meint: „Für uns rechnet sich das.“ Das Kaufhaus hat donnerstags bis samstags bis 22 Uhr geöffnet, im Dezember sogar jeden Werktag. Neben volleren Kassen beobachten die Kaufleute ein verändertes Kaufverhalten der Kunden. Steffens betont, durch die längeren Öffnungszeiten werde der Kauf-Tag „entzerrt“. Auch Sabine Nold, Sprecherin von Ikea, sagt: „Einkaufen ist entspannter geworden.“ Die Berliner Filialen des schwedischen Einrichtungshauses in Tempelhof und Spandau halten ihre Tore werktäglich bis 21 Uhr offen, am Freitag bis 22 Uhr. „Wir haben ein sehr positives Feedback bekommen“, sagt Nold – vor allem Berufstätige kämen vermehrt am Abend.

Dass die längeren Öffnungszeiten auch für Touristen entscheidend sind, davon ist Steffens von der Galeria Kaufhof überzeugt: „Mehr als 30 Prozent unseres Umsatzes machen Touristen; in den Abendstunden ist es mehr als die Hälfte.“ Sollte Karlsruhe das Gesetz kippen und damit auch verkaufsoffenen Sonntagen einen Riegel vorschieben, drohe Berlin ein enormer Imageverlust, meint Steffens. „Die Sonntagsöffnungszeiten sind ein erheblicher Standortvorteil.“ Vor allem Touristen, die nach Berlin fliegen, könnten nirgends so billig einkaufen. Nach Angaben des Handelverbandes hängen vom Fremdenverkehr in Berlin rund 17.000 Arbeitsplätze allein im Einzelhandel ab. Und dessen Umsatz werde fast zu einem Viertel von Gästen erbracht.

Auch für Geschäftsführer Busch-Petersen sind länger geöffnete Läden ein klares Argument für den Städtetourismus. „Wenn jemand eine Stadt besucht, dann will er auch shoppen, und wenn er das nur an einem Tag am Wochenende kann, dann ist die Stadt weniger attraktiv.“ Neben den beiden großen christlichen Kirchen, die in Karlsruhe gegen das Gesetz geklagt hatten, kommt vor allem von den Gewerkschaften heftige Kritik. Verdi-Verhandlungsführerin Erika Ritter meint, die zusätzlichen Betriebskosten „bezahle das Personal mit schlechten Arbeitsbedingungen“. Alles, wovor die Gewerkschaften vor drei Jahren gewarnt hätten, sei eingetreten, „und noch schlimmer“. Ritter beobachte eine stete Zunahme von „prekären Beschäftigungsverhältnissen“: An Sonntagen und späten Abendstunden würden vor allem geringfügig Beschäftigte und Leiharbeiter eingesetzt. Im Sommer hatten die Karlsruher Richter verhandelt, ein Termin für die Urteilsverkündung steht noch nicht fest.

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