Berliner Nahverkehr

S-Bahn verschwieg wochenlang Radschaden

Bei einem Rad der S-Bahn-Baureihe 481 ist erneut ein gefährlicher Schaden bekannt geworden. Entdeckt hatte man ihn zwar schon vor Wochen. Doch die Aufsichtsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt, zu informieren, hielt das Berliner Verkehrsunternehmen offenbar nicht für nötig.

Nach Informationen von Morgenpost Online wurde dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Freitag ein weiterer Radriss gemeldet. Dass es sicht tatsächlich um einen Schaden handelt, wurde aber bereits am 17. Juli bei einer Nachprüfung bestätigt, doch gemeldet wurde es damals nicht. Das EBA wurde erst jetzt über diesen weiteren Radriss in Kenntnis gesetzt. Brisant an diesem Vorgang ist, dass bereits MItte Juli dokumentiert wurde, wie schwer der Schaden tatsächlich war.

„Aufgetreten war der Schaden offenbar schon Ende Juni“, sagte EBA-Sprecher Ralph Fischer. Das Eisenbahn-Bundesamt will nun unverzüglich mit der S-Bahn GmbH das Gespräch suchen. Dabei soll geklärt werden, warum „erneut ein Vorfall nicht unverzüglich an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet wurde“.

Doch trozt des schweren Defektes an einem Triebwagen der S-Bahn geht Sprecher Jens Hebbe davon aus, dass die Züge von diesem Montag an wieder planmäßig auf allen Strecken verkehren. „Mir ist zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt“, sagte Hebbe auf Anfrage von Morgenpost Online, „dass es durch den Radfehler zu einer Einschränkung in dem für Montag geplanten Fahrplan kommen wird.“ Außerdem kündigte er eine Untersuchung zu diesem Fall an, die ebenfalls am Montag mit ersten konkreten Ergebnissen aufwarten werde.

Die Berliner S-Bahn hatte erst vor wenigen Tagen neue Probleme mit den Bremsen ihrer Züge eingeräumt. Wie ein Bahn-Sprecher bestätigte, wurde bei Überprüfungen festgestellt, dass die Bremszylinder vieler Züge schneller verschleißen als bislang angenommen. Betroffen davon sind erneut die teilweise nicht einmal zehn Jahre alten Triebwagen der Baureihe 481.

Qualitätsmängel an Rädern und Achsen sowie eine vernachlässigte Wartung dieser Züge sorgen seit mehr als drei Monaten für massive Einschränkungen im gesamten S-Bahn-Verkehr in der Region. Ticket-Abonnenten sind gerade damit abgefunden worden, dass ihnen jenseits der Ankündigung eines Normalbetriebs von kommenden Montag an ein kostenloses Monatsticket für Dezember zusteht.

Die BVG wiederum nutzte diese Aktion für eine spöttische Werbeaktion: „Zwölf Monate fahren – neun Monate zahlen“ heißt aktuell der Slogan, mit dem das kommunale Verkehrsunternehmen um neue Stammkunden wirbt. Normalerweise bekommen Abonnenten nur zwei Monate als Rabatt geschenkt. Durch den von der S-Bahn bezahlten Gratis-Monat Dezember allerdings sind es drei.