Unwetterwarnung

Eisregen stoppt Flugverkehr – Busse schleichen

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Jetzt kommt Tauwetter

Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen mit einem vorläufigen Ende der weißen Pracht, Tauwetter steht den Deutschen ins Haus.

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Eisregen bremst Berlin aus. Am Flughafen Tegel geht vorübergehend nichts mehr, Gehwege und Nebenstraßen sind bereits mit einer Eisschicht bedeckt. Die Berliner Feuerwehr hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Einige Buslinien sind ganz eingestellt. Der Wetterdienst rät: Bürger sollen zuhause bleiben.

Die Berliner Feuerwehr hat wegen des Glatteis' am Donnerstagmorgen den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Rettungsdiensteinsätze wegen verletzter Person stiegen vor allem in den Innenstadtbezirken um 50 Prozent, teilt die Feuerwehr auf ihrer Internetseite mit. Es seien 20 zusätzliche Rettungswagen sowie 10 Freiwillige Feuerwehren in Dienst gestellt worden. Bis zum Vormittag hatte es ein Drittel mehr Einsätze als an normalen Tagen gegeben. Die Polizei meldete nach Informationen von Morgenpost Online allein zwischen 8 Uhr und 11 Uhr insgesamt 217 Verkehrsunfälle.

In der Berliner Charité in Mitte hatten die Ärzte wegen der Eisglätte vermehrt Patienten mit Knochenbrüchen zu behandeln. „Allein gegen 9.45 Uhr sind fünf Fahrzeuge der Feuerwehr hintereinander eingetroffen und haben verletzte Fußgänger gebracht“, sagte ein Krankenhaussprecher. Bis 10 Uhr seien sieben Patienten mit Brüchen an Sprung- und Handgelenken behandelt worden. „Wir rechnen im Laufe des Vormittags mit weiteren Verletzten“, sagte der Sprecher weiter. Mittlerweile gebe es ähnlich viele Verletzte wie beim großen Kälteeinbruch im Februar 2010.

Nach dem plötzlichen Eisregen in Berlin ist am Donnerstagmorgen der Flugverkehr in Tegel vorübergehend eingestellt worden. Es gebe momentan weder Starts noch Landungen, die Flüge könnten aber binnen weniger Minuten wieder freigegeben werden, sagte ein Flughafensprecher. Auf den Start- und Landebahnen sei ein Enteisungsmittel gestreut worden, nun müsse abgewartet werden, bis das Granulat wirke.

Passagiere sollten weiterhin zum Flughafen kommen, da jederzeit der Verkehr wieder fortgesetzt werden könne, sagte der Sprecher. Sechs Flüge sind nach Schönefeld umgeleitet worden. Der Airport Schönefeld ist weiter offen.

Der Eisregen in Berlin und Brandenburg führte zu spiegelglatten Straßen und Gehwegen. Das hat vor allem auch die Berliner Busse ins Schlittern gebracht. „Die Busse kommen teils nur noch im Schritttempo voran“, berichtete BVG- Sprecherin Petra Reetz. Vor allem außerhalb des S-Bahnrings sei die Lage schwierig, innerhalb rolle es noch relativ gut. Jedoch wurden je nach Glättelage nicht mehr alle Haltestellen angefahren, die Linie 117 in Teltow ganz eingestellt.

Bei der U1, die weite Strecken oberirdisch verläuft, kam es zu kurzzeitigen Unterbrechungen, weil die Stromschienen eingefroren waren. „Dann müssen wir die Schienen erstmal wieder 'auftoasten', damit es weitergeht“, so Reetz. Die Straßenbahnen fuhren weiter.

Busverkehr in Potsdam komplett eingestellt

Nach Angaben einer Polizeisprecherin in Potsdam gab es in Brandenburg am Morgen landesweit 213 Unfälle. 20 Personen hätten Verletzungen erlitten. Meist sei es aber bei Blechschäden geblieben, sagte die Sprecherin.

Betroffen von dem Eisregen waren laut Polizei zunächst vor allem die Kreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin, das Havelland sowie Potsdam und Brandenburg/Havel. Auch die Autobahnen verwandelten sich in gefährliche Rutschbahnen. Auf der Autobahn 24 ereigneten sich innerhalb kurzer Zeit sechs Unfälle. Sie wurde am Vormittag gesperrt. Auf der Bundesstraße 2 zwischen Potsdam und Groß Glienicke kollidierten zwei Autos frontal. Zwei Personen wurden verletzt. Auch hier gab es eine Komplettsperrung. In Doberlug-Kirchhain kollidierte ein Pkw mit einem Bus.

In Potsdam wurde der Busverkehr komplett eingestellt. Es sei nicht mehr möglich gewesen, gefahrlos zu fahren, sagte ein Sprecher der Havelbus Verkehrsgesellschaft. Die Busse seien am Straßenrand stehen geblieben und warteten, bis die Straßenverhältnisse wieder besser seien. Noch lasse sich nicht abschätzen, wann der Verkehr wieder aufgenommen werden könne. Die Straßenbahnen waren laut VBB nicht betroffen.

Die Verkehrsgesellschaft Prignitz stellte am Morgen den Nahverkehr ebenfalls vollständig ein. Durch einsetzenden Schneefall werde für Mittag damit gerechnet, dass der Verkehr wieder nach Fahrplan aufgenommen worden könne, sagte Geschäftsführer Manfred Prause. Am Vormittag seien schrittweise wieder erste Fahrzeuge von den Betriebshöfen gerollt.

Unwetterwarnung gilt bis 12 Uhr

Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam gab für Berlin und ganz Brandenburg sowie für weite Teile des übrigen Deutschland eine Unwetterwarnung vor Glatteis herausgegeben. Sie gilt zunächst bis 12 Uhr. Steigende Temperaturen von bis zu drei Grad sollen später wieder für Entspannung sorgen.Von Westen kommt aber zunächst gefrierender Regen auf, der sich im weitern Verlauf noch verstärkt, warnt der Wetterdienst für Berlin-Brandenburg. Verbreitet tritt Glatteis auf. Der Aufruf der Wetterexperten: „Vermeiden Sie Autofahrten! Bleiben Sie im Haus!“ in Straßen und Schienenverkehr werden starke Beeinträchtigungen erwartet.

Für die Zeit von 10 Uhr bis 12 Uhr warnt der Wetterdienst zudem für die Region vor Schneefall, der mit Neuschneemengen von 1 bis 2 Zentimeter.

Aktuelle Informationen erhalten Sie unter: www.morgenpost.de/wetter .

( dpa/dapd/sh )