"Hinterm Horizont"

Udo Lindenberg stellt sein Musical in Berlin vor

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Sandra Basan

Alt-Rocker Udo Lindenberg hat in Berlin sein Mauer-Musical "Hinterm Horizont" vorgestellt. Mit dabei: ein besonderes Mädchen aus Pankow - und Gedanken an das schon legendäre Mädchen aus Ost-Berlin.

Noch ist „Dirty Dancing“ angesagt. Die Proben zum großen Mauerfall-Musical „Hinterm Horizont“ (Premiere ist am 13. Januar 2011) beginnen erst im November im Theater am Potsdamer Platz. Doch Udo Lindenberg hat seine neue deutsche Panikzentrale schon fertig eingerichtet. Im Foyer des Theaters eröffnete der Rocksänger und Maler gestern Abend eine Ausstellung mit über 40 seiner bekanntesten Kunstwerke, die sich dem Thema Mauerfall und deutsche Einheit widmen. Neben Arbeiten aus der Reihe „Panikmetropolen“ sind auch Lindenbergs „Likörelles“, wie die Kultbilder aus Likörfarben genannt werden, sowie ungewöhnliche Dokumente aus der DDR-Zeit – sogar Auszüge aus Udo Lindenbergs Stasi-Akten – zu bestaunen.

Zum ersten Mal präsentierte Udo Lindenberg der Öffentlichkeit auch sein „Mädchen aus Ostberlin“. Josephin Busch, 23 Jahre alt und in Pankow aufgewachsen, wird im Musical die Hauptdarstellerin Jessy spielen. Die verliebt sich 1983 beim berühmten „Friedenskonzert“ im Palast der Republik in den Rock-Rebellen Lindenberg (gespielt von Serkan Kaya). Eine Liebesgeschichte über Stacheldraht und Mauer hinweg entwickelt sich und findet ihren Höhepunkt 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im Jahr 2010. Eine „East-West-Side-Story“, wie es der Panikrocker nennt.

Josephin Busch begeisterte Udo Lindenberg gleich auf den ersten Blick. Im Juli lernte der 64-Jährige die junge Schauspielerin und weitere Musical-Darsteller persönlich kennen. „Mit welcher Liebe und Leidenschaft die das machen und sich dem Thema Udo und der ganzen Story zuwenden, finde ich ganz schön berührend. Es geht ja nicht nur um mich. Es geht um uns. Und es geht um Deutschland“, sagte Lindenberg, der am 25.Oktober 1983 als erster und einziger westdeutscher Pop-Star in der DDR auftreten durfte. Vor 200 ausgewählten Jugendlichen im Palast der Republik. Thomas Brussig, der Autor des Musicals, war nicht dabei. „Der stand damals in kurzen Hosen vor dem Palast und kam nicht rein“, erzählt Lindenberg die Ironie der Geschichte.

Dienstagabend standen die Männer zusammen auf der Bühne, gemeinsam mit Regisseur Ulrich Waller, der Lindenbergs Liebesgeschichte inszenieren wird. Das Mädchen aus Ost-Berlin gibt es übrigens wirklich. Lindenberg traf Manuela 1972 an der Friedrichstraße. Doch ihre kurze und heftige Liebe hatte kein Happy End. Die Stasi beendete die Ost-West-Romanze und brachte den Sänger zurück in den Westen. Warum, erfuhr er nach der deutschen Wiedervereinigung: Manu war IM, mit einem NVA-Offizier verheiratet. Den Gerüchten, es gebe einen aus dieser Beziehung resultierenden „Lindenzwerg“, will der Künstler erst zur Premiere begegnen. Bis dahin gibt er sich gewohnt selbstbewusst: „Was wir im Theater zeigen werden, hat es so noch nie gegeben – das wird ein echtes Panical! Ich glaube fest an eine Spielzeit von fünf Jahren.“

Lindenberg verbindet noch immer viel mit Ostdeutschen: „Songs wie ,Mädchen aus Ostberlin' oder ,Sonderzug nach Pankow' waren getragen von so einer Hoffnung: Wir kriegen das irgendwie hin. Wir kriegen die Mauer wieder weg. Das macht bis heute eine ganz feierliche, fast zärtliche Stimmung. Konzerte im Osten sind immer sehr, sehr intensiv."