Missbrauchsopfer

Canisius-Rektor ist für pauschale Entschädigung

Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes hat sich für eine pauschale Entschädigungszahlung an die Opfer von Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche ausgesprochen. Die Kirche müsse sich diese Geste etwas kosten lassen.

Foto: Amin Akhtar

Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, hat rund ein Jahr nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche eine positive Bilanz gezogen. Die Kirche habe sich dem unglaublich schmerzhaften Prozess der Aufarbeitung weitgehend gestellt, sagte der Jesuitenpater im Südwestrundfunk. So sei beispielsweise intensiv darüber gesprochen worden, welche Faktoren nicht nur den Missbrauch, sondern auch das Wegschauen begünstigt hätten. Fragen nach dem eigenen Selbstbild, der Ausübung von Macht und dem Umgang mit der Sexualität in der katholischen Kirche seien ebenfalls diskutiert worden, sagte Mertes. Trotzdem reiche das noch nicht aus: „Es muss noch Abwehr abgebaut werden, bei dem Thema. Und zwar auf allen Ebenen der Kirche, nicht nur auf der Ebene der Hierarchie.“ Es gebe noch viel zu tun und viele offene Fragen, sagte Mertes.

Er verwies hier auch auf die noch ausstehenden „Anerkennungszahlungen“ für die Opfer. Für ihn sei „zwingend notwendig“, dass die Kirche durch diese Zahlungen ihre Schuld anerkenne. Dabei müsse sichtbar werden, dass diese Geste „auch etwas kostet“. Mertes plädierte für eine pauschale Zahlung in vierstelliger Höhe. Es dürfe nicht dazu kommen, Opfer in „erster, zweiter und dritter Klasse“ einzuteilen, die Zahlungen in unterschiedlicher Höhe erhielten.

Der Jesuit zeigte sich überzeugt, dass es von kirchlicher Seite bald zu einer Entscheidung über Form und Höhe der Anerkennungszahlungen kommen werde. Dagegen sehe er auf staatlicher Seite bei diesem Thema eine „extreme Zurückhaltung“. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sei dabei inzwischen „sehr, sehr zögerlich geworden“, sagte Mertes.

Zwischen dem Orden und der Opferinitiative „Eckiger Tisch“ ist es in der Entschädigungsfrage bislang noch zu keiner Einigung gekommen.

Mit einem Brief an alle ehemaligen Schüler seines Gymnasiums Mitte Januar 2010 hatte Mertes den Missbrauchsskandal ins Rollen gebracht. Neun Tage später berichtete erstmals die Berliner Morgenpost über Fälle von sexuellem Missbrauch im Canisius-Kolleg. Weitere Enthüllungen in anderen katholischen, aber auch reformpädagogischen Einrichtungen folgten.