Sanierung

Hier baut 2011 der Bund in Berlin

Acht Milliarden Euro hat die Bundesregierung für Sanierungsprojekte in Berlin zur Verfügung gestellt. Auch 2011 kommen weitere wichtige Bauvorhaben hinzu. Morgenpost Online mit einer Übersicht der wichtigsten Berliner Baustellen.

Für die Berliner war es ein Schock: Auf ihrer Sparklausur im Sommer hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung beschlossen, den Start für das größte und prestigeträchtigste Bauvorhaben in der Hauptstadt bis ins Jahr 2014 zu verschieben. Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses, für den rund eine halbe Milliarde Euro Baukosten veranschlagt sind, sollte ursprünglich in diesem Jahr beginnen. Im November drohte Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) den Berlinern dann an, dass auch die für den Weiterbau der A.100 bereits bewilligten Bundesmittel in Höhe von 400 Millionen Euro an andere Bundesländer vergeben werden, sollte der rot-rote Senat sich nicht zu einem eindeutigen Beschluss durchringen können.

Die Zeiten, in denen vor allem der Bund in Berlin dafür sorgte, dass sich die Kräne über den zahlreichen Großbaustellen drehen, schienen damit endgültig vorbei. Doch von einem gestörten Verhältnis zur Hauptstadt will der Bayer nichts wissen. „Der Bund ist in der Hauptstadt nach wie vor der größte Bauherr“, sagt Ramsauer. Auch zwölf Jahre nach Abschluss des Regierungsumzugs, so der Minister weiter, investiere der Bund weiter kräftig in Berlin. „Wir sanieren historische Altbauten und sichern so eine neue Nutzung, und wir bauen auch weiter neu“, so Ramsauer.

Das Engagement des Bundes lasse sich auch mit Zahlen belegen: Insgesamt habe der Bund allein in die Baumaßnahmen um das Parlamentsviertel rund um den Reichstag zwei Milliarden Euro investiert. „Zusammen mit den Gebäuden für Wissenschaft und Kultur in der ganzen Hauptstadt sind sogar acht Milliarden Euro verbaut worden“, so Ramsauer weiter. Und die Bauaktivitäten seien auch knapp zwölf Jahre nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin noch längst nicht abgeschlossen. Neben den bereits gestarteten Großbauvorhaben wie dem Neubau der Zentrale für den Bundesnachrichtendienst (BND) an der Chausseestraße und der erst im Dezember vergangenen Jahres begonnenen Arbeiten für das Innenministerium neben dem Hauptbahnhof werden 2011 weitere wichtige Bauvorhaben gestartet und einige bereits fertiggestellte ihren künftigen Nutzern übergeben.

Morgenpost Online listet die wichtigsten Projekte des Jahres 2011 auf.

Museum Berggruen Der Kunsthändler Heinz Berggruen kam 1996 nach Jahrzehnten des Exils in seine Heimatstadt Berlin zurück. Seine umfangreiche Kunstsammlung mit Werken der klassischen Moderne, damals auf einen Wert von 1,5 Milliarden Mark geschätzt, ging im Jahr 2000 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz über. Heute wird sie als „Sammlung Berggruen – Picasso und seine Zeit“ im westlichen Stülerbau an der Schloßstraße gegenüber dem Charlottenburger Schloss ausgestellt. Um die wertvolle Sammlung angemessen präsentieren zu können, wurde 2010 mit der Erweiterung begonnen. Nach den Plänen von Kühn Malvezzi Architekten entsteht eine gläserne Pergola, die den Stülerbau mit dem zuvor als Kita genutzten Nachbargebäude am Spandauer Damm 17 verbinden soll. Im Februar wird Richtfest gefeiert, Ende 2011 soll alles fertig sein. Die Kosten belaufen sich auf 6,2 Millionen Euro.

James-Simon-Galerie Die Berliner Museumsinsel verzeichnete seit Jahren Besucherrekorde: Mit jährlich rund drei Millionen Besuchern gilt sie als einer der größten Publikumsmagneten Deutschlands. Seit der Wiedereröffnung des Neuen Museums im Oktober 2009 sind erstmals seit 70 Jahren wieder alle fünf Häuser der Insel geöffnet. Um die Besucherströme besser leiten und mit Toiletten, Bistros, Garderoben und Geschenk-Shops versorgen zu können, soll im Frühjahr mit dem Bau eines zentralen Eingangsgebäudes, der sogenannten James-Simon-Galerie, begonnen werden. Zugleich ist dort der Startpunkt für die Archäologische Promenade. Dieses teilweise unterirdisch angelegte Wegesystem wird alle Museen auf der Insel miteinander verbinden.

Für die nach dem Stifter der Nofretete-Büste James Simon (1851–1932) benannte Galerie stellt der Bund 73 Millionen Euro bereit. Nach jahrelangem Streit über die äußere Form dieses Gebäudes hatte der britische Architekt David Chipperfield seinen Entwurf 2007 noch einmal überarbeitet. Statt eines gläsernen Kubus ist nun ein filigraner Kolonnaden-Bau vorgesehen, der sich an das Pergamonmuseum anschließen wird. Auch gegen diese Form hatte es Protest gegeben, weil der Bau den Blick auf das Neue Museum versperrt. Doch weil die Notwendigkeit eines Empfangsgebäudes unbestritten ist, wurde mit den Bauvorbereitungen bereits begonnen. Im Frühjahr 2011 soll der Grundstein gelegt werden.

Hochsicherheitslabor An der Seestraße 10 in Wedding soll im Frühjahr der Grundstein für das bundesweit erste Hochsicherheitslabor des Bundes gelegt werden. Für den Kampf gegen Bio-Terrorismus und zur Isolierung von Patienten mit gefährlichen ansteckenden Krankheiten investiert der Bund im ersten Bauabschnitt 75 Millionen Euro. Hinter dem bereits bestehenden Gebäude des Robert-Koch-Instituts soll ein streng gesicherter Weg in einen zentral gelegenen Kubus für die Hochsicherheitslabore führen. Das Bauvorhaben hat es in sich: Weil hier zu schweren Erkrankungen durch unbekannte Erreger wie etwa beim Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) geforscht werden soll, dürfen nur speziell ausgebildete Personen in Schutzanzügen das Gebäude durch ein mehrstufiges Filtersystem betreten und wieder verlassen. Auch das Abwasser und die Luftversorgung sind durch spezielle Desinfektionsvorkehrungen besonders abgesichert. Das Robert-Koch-Institut wird das Hochsicherheitslabor betreiben. Der Grundstein für das Gebäude soll im Frühjahr gelegt werden.

Umweltministerium Im Herbst 2008 wurde der Rohbau für den neuen Dienstsitz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) fertig, im Mai sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein: An der Stresemannstraße wurde für 67,3 Millionen Euro der Neubau errichtet und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude des früheren preußischen Landwirtschaftsministeriums von 1916 generalsaniert. Der Entwurf des Büros Geier Maass Pleuser hat dafür gesorgt, dass der Neubau an der Nordostecke zurückweicht, damit die vor den Bauarbeiten sichergestellten Fragmente der Berliner Mauer wieder an ihren Ursprungsort zurückkehren können.

Bundestagsbüros Bereits fast abgeschlossen ist auch der Umbau und die Aufstockung des Bürogebäudes an der Dorotheen-/Ecke Wilhelmstraße, in das die Bundestagsabgeordneten durch eine unterirdische Verbindung vom Jakob-Kaiser-Haus gelangen können. Allein der Bau des 50 Meter langen Tunnels hat 7,5 Millionen Euro gekostet. Die Übergabe des für 41,5 Millionen Euro nach den Plänen des Architekturbüros Lieb+Lieb umgebauten ehemaligen Bürogebäudes des DDR-Außenministeriums soll im August gefeiert werden.

Staatsbibliothek Die Bauarbeiten an der Staatsbibliothek Unter den Linden wurden im Jahr 2005 begonnen und sollen 2014 abgeschlossen werden. Eine wichtige Bauetappe wird aber bereits im Juni 2011 gefeiert: Der Neubau des zentralen Lesesaals nach den Plänen des Architekten HG Merz kann bezogen werden. Die Gesamtbaukosten der größten deutschen Universitätsbibliothek mit einer Grundfläche von 107 mal 170 Metern betragen 365 Millionen Euro. 80 Millionen Euro kostet allein der neu gebaute Lesesaal, dessen Innenraum sich über eine Höhe von 18 Metern erstrecken wird. Umlaufende, auf drei Etagen verteilte Büchergalerien bilden die Wände, das Dach wird von einem Glaskubus gebildet, der im Inneren mit einer weißen Membran verkleidet ist. So gelangt das Tageslicht zwar in den Raum, das Sonnenlicht kann jedoch den wertvollen Buchbänden nicht schaden und die Menschen an den 250 Arbeitsplätzen, die im Saal untergebracht werden, nicht blenden.

Physikalisch-Technische Bundesanstalt Das Observatoriumsgebäude der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) an der Marchstraße in Charlottenburg wurde um die Jahrhundertwende (1895–1902) erbaut und ist damit das älteste Gebäude der PTB. In die 2009 begonnene Sanierung des Hauses und die unterirdische Verbindung zu den anderen Gebäudeteilen des Instituts auf dem Grundstück sind bislang 7,36 Millionen Euro geflossen. Im Juni sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Schadowhaus Das 1804–1805 im Auftrag des Bildhauers Johann Gottfried Schadow errichtete Wohn- und Atelierhaus an der Schadowstraße 10/11 in Mitte wird derzeit für den Bundestag denkmalgerecht saniert. Dort entstehen Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen. Die Übergabe des Hauses, in dessen Restaurierung knapp 14 Millionen Euro geflossen sind, soll im Dezember erfolgen.

Deutschlandhaus Das Deutschlandhaus an der Stresemann-/Ecke Anhalter Straße in Kreuzberg wurde 1926–1931 nach einem Entwurf der Architekten Richard Bielenberg und Josef Moser im expressionistischen Stil errichtet. Das Bürogebäude wurde bis 1999 von den Landsmannschaften des Bundes der Vertriebenen genutzt. Es ist bereits seit Längerem als Standort für das von der Bundesregierung beschlossene Dokumentationszentrum über Vertreibungen vorgesehen. Nach einem Beschluss des Bundeskabinetts wurde dafür zwar bereits 2008 eine Trägerstiftung beschlossen und im Jahr 2009 ein Stiftungsrat und ein wissenschaftlicher Beirat berufen. Doch da das Projekt politisch höchst umstritten war, wurde es immer wieder verschoben. Nun ist immerhin geplant, im vierten Quartal des Jahres 2011 einen Wettbewerb zu organisieren und dessen Ergebnisse im Dezember in einer Ausstellung zu präsentieren. Die Kosten für Umbau und Sanierung des Gebäudes sind mit 29 Millionen Euro veranschlagt.