Millionenspiel

Neues Pokerturnier mit besserer Sicherheit

Trotz des Überfalls im vergangenen Jahr soll auch 2011 ein Pokerturnier im Hyatt Hotel am Potsdamer Platz stattfinden. Im April werden bis zu 1000 Spieler an den Start gegen – unter verschärften Sicherheitsbedingungen.

Ein Jahr nach dem spektakulären Raubüberfall auf das Poker-Turnier im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz wird es im April dort wieder ein solches Turnier geben. Nach Angaben einer Sprecherin mit einem neuen Sicherheitskonzept – denn die Sicherheit habe höchste Priorität. Am 6. März des vergangenen Jahres waren tagsüber vier maskierte Männer in das Hotel eingedrungen und nach einem Handgemenge mit den Sicherheitsleuten mit Beute entkommen, bevor sie später von der Polizei gestellt wurden.

In der Zeit zwischen dem 5. und dem 10. April 2011 sollen erneut 1000 Pokerspieler in der Hauptstadt gegeneinander antreten. An den Tischen im Hotel Grand Hyatt werden dann wiederum Ex-Tennis-Profi Boris Becker und andere Prominente sitzen. Weitere Namen stünden noch nicht fest, wie die Veranstalter mitteilten. Im vergangenen Frühjahr war auch die Moderatorin und Beststeller-Autorin Charlotte Roche (Feuchtgebiete) bis zu ihrem Ausscheiden nach ein paar Tagen dabei.

Der sicherere Ablauf der Veranstaltung steht an oberster Stelle, hieß es. Das Konzept werde „unter enger Einbeziehung aller Beteiligten und der örtlichen Behörden“ derzeit noch geplant. Nach dem Überfall im vergangenen Jahr waren die schlechten Sicherheitsmaßnahmen rund um das Turnier, bei dem der Hauptgewinn eine Million Euro betrug, kritisiert worden. So hatte beispielsweise das Bargeld gut sichtbar in den Kassen gelegen. Kritik gab es auch an der geringen Zahl der Wachleute.

Diese Schwachstellen waren offenbar von den vier Räubern und ihren Hintermännern ausgekundschaftet worden – sie stürmten später unter anderem mit einer Machete bewaffnet in das Hotel und stopften Bargeld in mitgebrachte Taschen, bevor sie von den Security-Männern in ein Handgemenge verwickelt wurden. Einem Sicherheitsbeauftragten war es kurzzeitig sogar gelungen, einen der Täter zu ergreifen und ihn in den Schwitzkasten zu nehmen, bevor er ihn ob massiver Gegenwehr aber wieder freilassen musste. Ein Angestellter des Hotels konnte noch einen Teil der Beute an sich bringen, bevor die Räuber zunächst zu Fuß unerkannt über den Potsdamer Platz und später in einem Auto im Stadtgebiet verschwanden. Sie hatten aber zahlreiche Spuren hinterlassen und waren zudem von den Überwachungskameras gefilmt worden. Durch Zeugenaussagen kam die Polizei den vier Männern schnell auf die Spur.

Im vergangenen Juli wurde ihnen schließlich der Prozess gemacht. Für Milde sah das Gericht damals keinen Anlass. „Der Raub war eine Tat der Schwerstkriminalität“, so Richter Helmut Schweckendieck. Gegen den mit 21 Jahren ältesten Angeklagten ergingen drei Jahre und neun Monate Haft, seine Mittäter erhielten jeweils eine Strafe von dreieinhalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren gefordert, die Verteidigung hatte auf Bewährungsstrafen plädiert. Anfang Dezember wurden zwei der vier Männer wegen einer weiteren Straftat zusätzlich bestraft – kurz vor dem großen Coup hatten Vedat S. und Mustafa U. zwei jüngere Komplizen beim Ausrauben eines Spielcasinos in Neukölln unterstützt. Zu den Pokerraub-Strafen bekam Vedat S. zwei Jahre und neun Monate zusätzlich, Mustafa muss weitere zwei Jahre und zehn Monate in Haft verbringen.

Ein Ende des Großverfahrens im Zusammenhang mit dem Poker-Raub ist indes noch nicht abzusehen, im August 2010 begann der Prozess gegen zwei mutmaßliche Hintermänner des Quartetts. Jetzt im März sollen die Plädoyers gehalten werden. Diese Ermittlungserfolge von Polizei und Staatsanwaltschaft hatten auch in der Berliner Szene der Organisierten Kriminalität für Unruhe gesorgt. Denn eben diese mutmaßlichen Hintermänner gehören einer stadtbekannten Großfamilie an.

„Bei solchen intensiven Recherchen zu einem Themenkomplex kommen natürlich noch viele andere Dinge ans Licht“, sagt ein Beamter. Außerdem würden mit diesem Clan konkurrierende Familien ihre Chancen darin sehen, „unbequeme Mitbewerber von der Polizei aus dem Spiel nehmen zu lassen, indem man belastende Aussagen macht“. Der Pokerraub und sein Ausgang für die Täter habe ein klares Signal an die Verbrecher der Stadt ausgesandt – die Polizei könne zwar nicht alle Revierstreitigkeiten unterbinden, die zum Teil nicht bekannt oder von eigenen Friedensrichtern geschlichtet würden. „Aber bei Taten außerhalb des Milieus, das haben wir bewiesen, bringen wir sehr schnell Licht ins Dunkle und stellen die Täter.“