Christopher Street Day

Streit um Flaggen bei Berliner Polizei

Zum EM-Halbfinale dürfen Berlins Polizisten keine Deutschlandfähnchen an ihren Wagen anbringen. Das hat Polizeipräsident Dieter Glietsch verboten. Zum Christopher Street Day aber lässt Glietsch am Präsidium die Regenbogenflagge der Schwulen und Lesben hissen. Das findet die Gewerkschaft der Polizei nicht in Ordnung.

Foto: Michael Gottschalk / ddp

Vor dem Berliner Polizeipräsidium am Tempelhofer Platz der Luftbrücke wird heute erstmals die Regenbogenfahne der Schwulen und Lesben gehisst. Damit will die Polizei während der Christopher-Street-Day-Woche „ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit“ setzen, wie die Behörde mitteilte. Das Banner wird um 13 Uhr in Anwesenheit von Polizeipräsident Dieter Glietsch aufgezogen. Mit der Aktion greift die Berliner Polizei eine Anregung des Anti-Gewalt-Projektes Maneo auf, das in Berlin Initiator des Schwulen Überfalltelefons und der Opferhilfe ist.

Mit dem Hissen der Regenbogenfahne zeige die Berliner Polizei ihre Bereitschaft, „unterschiedliche Lebensweisen der Menschen in der Hauptstadt zu akzeptieren, ihnen ohne Vorurteile und Vorbehalte zu begegnen und das ihr Mögliche zu tun, um sie vor vorurteilsmotivierter Kriminalität zu schützen“, sagte Glietsch.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Berlin kritisierte hingegen das Anbringen der Regenbogenflagge. Schutz werde durch Präventionsprojekte und harte Polizeiarbeit gewährleistet und nicht durch Fahnen vor dem Polizeipräsidium, hieß es in einer Presseinformation der Gewerkschaft. Jetzt fehle nur noch die Anweisung, das Symbol der Schwulen und Lesben an den Dienstfahrzeugen zu befestigen, nachdem der Polizeipräsident Dieter Glietsch die Nationalfahnen zur WM und EM verboten hatte, so die Polizeigewerkschaft.

Henkel wirft Glietsch "Spießigkeit" vor

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Henkel, warf Glietsch mangelnde Toleranz sowie Spießigkeit vor. Glietsch habe seinen Beamten per Dienstanweisung und mit Verweis auf das Neutralitätsgebot untersagt, Deutschlandfahnen an ihren Streifenwagen anzubringen. „Nun lässt er vor seinem Dienstsitz die Regenbogenflagge hissen. Ich bin erstaunt, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird, was die Neutralität der Polizei betrifft“, so Henkel.

Es stünde Glietsch gut zu Gesicht, auch einmal tolerant gegenüber seinen eigenen Beamten zu sein. „Die Spießigkeit, die der Polizeipräsident mit seinem rigorosen Flaggenverbot für Streifenwagen an den Tag legt, ist jedoch genau das Gegenteil“, teilte Henkel mit. Unter dem Motto „Hass Du was dagegen“ konzentriert sich der Schwerpunkt der Christopher-Street-Day-Aktionen in diesem Jahr auf Kriminalität gegenüber Schwulen und Lesben.

Bei einer Online-Umfrage von Maneo gab ein Drittel der befragten schwulen Männer an, in den vergangenen zwölf Monaten schwulenfeindlich beleidigt oder angegriffen worden zu sein. Auch lesbische Frauen wurden Umfragen zufolge Opfer von Übergriffen. Aufgrund der hohen Dunkelziffer homophober Delikte appellierte die Polizei an die Opfer von Überfällen, Belästigungen und Beleidigungen, solche Vorfälle unbedingt anzuzeigen. Bei der Berliner Polizei stehen Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Opfern von Gewalt auf Wunsch beratend zur Seite. Sie sind unter Tel. (030) 46 64 – 97 94 44 erreichbar.