Krankenhäuser

Amerikaner lassen sich in Berlin behandeln

Berlin wird als Medizinstandort immer attraktiver. Nun haben dies amerikanische Krankenversicherer entdeckt. Sie wollen künftig Patienten aus den USA zur Behandlung in die deutsche Hauptstadt schicken. Denn Berlins Hospitäler sind billiger.

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Kranke US-Amerikaner sollen künftig in Berliner Krankenhäusern operiert werden. Darüber verhandelt einer der größten US-Krankenversicherer mit den heimischen Kliniken. Das geht aus der Antwort auf eine kleine parlamentarische Anfrage des gesundheitspolitischen Sprechers der FDP-Fraktion, Kai Gersch, zum Thema Marketing für den Gesundheitsstandort Berlin hervor. Hintergrund des Geschäfts sind die um bis zur Hälfte niedrigeren Behandlungskosten in Berlin.

Eingefädelt hat die Kooperation die Vereinigung Network for Better Medical Care Berlin (NBMC). Darin sind sieben Berliner Kliniken zusammengeschlossen, die medizinische Spitzenleistung für ausländische Patienten anbieten und sich zu bestimmten Qualitätsstandards verpflichtet haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass der behandelnde Facharzt die Sprache des Patienten spricht, dass die Klinik Hotelkomfort bietet und dass den Patienten keine überteuerten Leistungen angeboten werden.

Mitglieder im NBMC sind das Deutsche Herzzentrum Berlin (DZHB), die DRK-Kliniken Berlin-Westend, die Zehlendorfer Klinik für Minimal Invasive Chirurgie (MIC), das Wilmersdorfer Martin-Luther-Krankenhaus, das Sana-Klinikum Lichtenberg, das Wilmersdorfer Sankt-Gertrauden-Krankenhaus und das Marzahner Unfallkrankenhaus Berlin. NBMC hat mit einer privaten amerikanischen Krankenversicherung vereinbart, dass Patienten, die planbare medizinische Eingriffe benötigen, hier behandelt werden können.

NBMC-Berater Professor Hans-Jochen Brauns bestätigt den Deal. „Die ersten amerikanischen Patienten kommen bald nach Berlin“, sagte Brauns. Die US-Patienten sollen demnach in erster Linie im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB), in der Zehlendorfer Klinik für Minimal Invasive Chirurgie, (MIC-Klinik) und in den DRK-Kliniken Berlin-Westend versorgt werden. Die amerikanische Versicherung profitiere von der Vereinbarung, da die medizinischen Behandlungen in Deutschland ungefähr ein Drittel bis zu 50 Prozent günstiger seien als in den USA – bei gleicher Qualität.

Um das Geschäft abzusichern, müssten allerdings die Kliniken ihrerseits noch Verträge mit der amerikanischen Krankenversicherung abschließen, sagt der Assistent des Verwaltungsleiters im Deutschen Herzzentrum Berlin, Mehran Goudarzi. Ein solcher Kontrakt sei mit der Berliner Herzspezialklinik noch nicht zustande gekommen, weil wichtige versicherungsrechtliche Fragen noch nicht geklärt seien. Was passiert zum Beispiel, wenn ein US-Patient Schadenersatz vom Herzzentrum fordert? Würde ein Patient das Herzzentrum in Amerika verklagen, könnte er unter Umständen so hohe US-typische Schadenersatzansprüche stellen, die das Herzzentrum in Deutschland gar nicht versichern könnte, gibt Goudarzi zu Bedenken. Mit der Klärung dieser Fragen befassen sich jetzt amerikanische Anwälte. Sobald diese Hürde genommen ist, könne ein Vertrag ratifiziert und Patienten nach Berlin geflogen werden.x

Auch das Herzzentrum würde gewinnen, weil die ausländischen Patienten außerhalb des Krankenkassenbudgets abgerechnet werden könnten. Die Klinik hätte einen Zusatzverdienst. Goudarzi geht davon aus, dass im Herzzentrum pro Jahr 300 bis 360 Amerikaner versorgt werden könnten. Angeboten würde das gesamte Spektrum der Herz-Thorax-Chirurgie – von der Bypass-OP bis zum Herzklappenersatz.

Derzeit würden im Herzzentrum jährlich 500 ausländische Patienten stationär und noch mal 500 bis 700 ausländische Kranke ambulant versorgt. Die meisten kämen aus den GUS-Staaten, aus arabischen Ländern und aus Südosteuropa.

Die DRK-Kliniken Berlin-Westend verhandeln ebenfalls mit der US-Versicherung, bestätigt Sprecherin Angela Kijewski. Noch sei aber kein Vertrag unterzeichnet. Die 463-Betten-Klinik würde unter anderem künstliche Knie- und Hüftgelenke, Gefäßeingriffe, Brust- und Darmoperationen anbieten.