Richtfest

Berliner Museumsinsel wagt den Brückenschlag

Erstmals wird die Berliner Museumsinsel über den Kupfergraben hinweg auf dem Festland erweitert. In einem neuen Komplex an der Geschwister-Scholl-Straße sollen künftig Archäologen arbeiten.

Foto: Paul Zinken

Mit dem Neubau des Archäologischen Kompetenzzentrums an der Geschwister-Scholl-Straße wagt die Museumsinsel erstmals den Brückenschlag über den Kupfergraben hinweg zu den Museumshöfen auf dem Festland. In dem Gebäude, dass eine unterirdische Verbindung zu den bereits sanierten und bezogenen Altbauten auf dem Gelände bekommen wird, werden ab 2012 die Werkstätten, Labors, Arbeitsräume und Depots sowie die zentrale Bibliothek der archäologischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin einziehen. Am Mittwoch wurde für den Neubau, der inklusive des Innenausbaus rund 48 Millionen Euro kosten wird, die Richtkrone hochgezogen.

„Als 1830 das Alte Museum auf der Museumsinsel eröffnet wurde, dachte niemand daran, dass knapp 200 Jahre später ein Millionenpublikum durch die Sammlungen geschleust werden muss“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, in seiner Festrede. Auch die Sammlungen seien im Laufe der Jahrhunderte immer weiter gewachsen. „Zudem bedeutet Museumsarbeit heute auch forschen, restaurieren und pflegen“, so Parzinger.

Die Erweiterung des Museumsareals über die Insel hinaus war also dringend geboten. Der nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Harris + Kurrle errichtete Neubau besteht aus zwei verschränkten Baukörpern: Neben den Altbauten an der Geschwister-Scholl-Straße entsteht ein fünfgeschossiger Kopfbau, der mit einer sandfarbenen Klinkerfassade verkleidet wird. Während das Archäologische Kompetenzzentrum im wesentlichen von den Wissenschaftlern und Verwaltungsmitarbeitern des Vorderasiatischen Museums, des Museums für Islamische Kunst, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, der Antikensammlung und dem Ägyptischen Museum genutzt werden soll und nur einem Fachpublikum offen steht, soll das Areal der Museumshöfe langfristig auch Bereiche vorhalten, zu denen die Öffentlichkeit Zugang hat. So ist geplant, dass als Erweiterung des Bode-Museums jenseits des Kupfergrabens Galeriegebäude entstehen, die die Alten Meister Europas und des Nahen Ostens bis zum 19. Jahrhundert aufnehmen.

Mit dem Richtfest für den ersten Neubau in diesem Bereich ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Masterplans von 1999 getan. Nach diesem Plan sollen bis 2025 sämtliche alten Gebäude saniert und Ergänzungsbauten fertiggestellt sein. So beginnt 2013 die mehrjährige Generalsanierung und Erweiterung des Pergamonmuseums. Derzeit laufen auch die Vorarbeiten für den Neubau der James-Simon-Galerie, eines neuen Empfangsgebäudes auf der Museumsinsel. Für den Neubau, der direkt am Kupfergraben vor dem Neuen Museum entstehen soll, hat der britische Architekt David Chipperfield den Entwurf geliefert. Im Frühjahr 2011 soll dafür der Grundstein gelegt werden.