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BVG narrt Fahrgäste mit Zettel-Love-Story

Vielen Berlinern sind sie aufgefallen: Die kleinen Zettel, auf denen überall in der Stadt "Ben" in krakeligen Lettern seine U-Bahn-Bekanntschaft "Anna" sucht. Morgenpost Online erklärt, was hinter der Liebesgeschichte steckt.

Foto: Paul Zinken

Für die einen gehören sie zum Großstadtflair, für andere sind sie eine lästige Plage, die unzähligen kleinen Zettel, die an Hauswänden, Laternenpfählen, Ampelmasten oder in Wartehäuschen kleben. Da werden entlaufene Kätzchen gesucht, leer stehende Wohnungen angepriesen oder lukrative Nebenjobs offeriert.

Nun schien eine romantische Nuance hinzugekommen zu sein: Seit einigen Tagen ist an vielen Stellen in der Stadt ein Suchbild aufgetaucht, auf dem „Ben“ seine Zufallsbekanntschaft „Anna“ sucht. „Wo find ich Dich?“ steht in Krakelschrift neben einem etwas zerknitterten Porträtfoto eines jungen Mädchens. „6. September gegen 9 Uhr in der U2 vom Alex Richtung Zoo. Wir fuhren im letzten Wagen. Du erkennst mich am Buch“, ist weiter zu lesen.

Wer da eine Love-Story vermutet und auf die angegebene Internet-Adresse „ben-sucht-anna.de“ klickt, landet direkt auf der offiziellen Seite der Berliner Verkehrsbetriebe und deren Hinweis auf die seit 2007 eingerichtete Fahrgast-Flirtmöglichkeit „Augenblicke“. In Fachkreisen werden solche Werbeaktionen als „Guerilla-Marketing“ bezeichnet.

Das war eine Idee von Studenten der privaten Mediadesign-Hochschule, die uns gefallen hat“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Solche Kampagnen würden sich bewusst von anderer Werbung abheben. Dazu gehöre auch, dass die Motive an ungewöhnlichen Orten zu sehen sind. Dass dazu auch Müllbehälter der Berliner Stadtreinigung oder Stromkästen von Vattenfall gehörten, sei so nicht abgesprochen gewesen, sagt Reetz. Die BVG habe die Studenten daher aufgefordert, die Zettel kurzfristig von allen nicht genehmigten Flächen wieder zu entfernen.

Prinzipiell sei das Bekleben von Müllbehältern eine Sachbeschädigung und werde als Ordnungswidrigkeit entsprechend verfolgt, sagte BSR-Sprecherin Sabine Thümler dazu. Nach einem klärenden Telefonat und dem jetzt angekündigten Entfernen der „Ben sucht Anna“-Zettel werde aber auf eine Anzeige gegen die gleichfalls kommunale BVG verzichtet.