Investieren oder schließen

Charité-Chef fordert Finanzzusagen von Berlin

Die Berliner Charité steckt in einer Finanzkrise und braucht dringend Geld für Sanierungen. Doch Finanzsenator Nußbaum hat finanzielle Zusagen dafür gestoppt und verlangt erst einmal ein belastbares Gesamtkonzept. Der Charité-Chef Einhäupl sagt nun: „Es gibt nur die Alternative, zu investieren oder zu schließen."

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Im Streit um die Höhe der Sanierungskosten für die Berliner Charité hat ihr Chef, Prof. Karl Max Einhäupl, von den Politikern Planungssicherheit gefordert. „Ich wünsche mir eine verlässliche Investitionsperspektive von der Politik“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Die Charité ist das größte Universitätskrankenhaus in Europa. Das ist eines der Pfunde, mit denen Berlin wuchern kann. Sie ist darüber hinaus Arbeitgeber für rund 14.000 Menschen. Knapp 3000 werden über eingeworbene Drittmittel finanziert, die von außen nach Berlin kommen, und sie ist die treibende innovative Kraft für die Gesundheitswirtschaft der Region“, betonte Einhäupl.

„Das Land Berlin muss eine Entscheidung dazu treffen, ob es die notwendige Finanzierung aufbringen kann, um die Charité, die einen Weltruf hat und im nächsten Jahr 300 Jahre alt wird, auf diesem Spitzenniveau zu erhalten“, forderte der Vorsitzende. „Es gibt nur die Alternative, zu investieren oder zu schließen.“

Die Gesamtkosten für die Sanierung der Krankenhäuser an den drei klinischen Standorten sowie den notwendigen Ersatz von Medizintechnik bezifferte Einhäupl auf rund 650 Millionen Euro. Man solle sich aber zu einer grundsätzlich anderen Betrachtung entschließen, betonte der 62-jährige Neurologe, der zum 1. September 2008 die Leitung der Charité übernommen hat.

„Um die Charité in ihrer wissenschaftlichen und klinischen Kompetenz zu erhalten, brauchen wir jährlich geschätzte 50 Millionen Euro für Bauinvestitionen und 50 Millionen Euro für die Medizintechnik. Dies wird sich auch nach Abschluss eines Masterplans nicht ändern, da Erneuerung und Renovierung als kontinuierliche Prozesse zu verstehen sind“, sagte Einhäupl. Die Frage sei nun, ob das hoch verschuldete Land Berlin sich diese jährlich 100 Millionen Euro leisten könne und wolle.

Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hatte dem Charité- Vorstand vorgeworfen, er habe kein Gesamtkonzept, um das Defizit der in der Charité gebündelten Hochschulmedizin abzubauen und Mehrfachangebote mit dem Landes-Krankenhauskonzern Vivantes zu bereinigen. Zudem würden immer höhere Kosten für die dringend notwendige Sanierung des Bettenhochhauses der Charité genannt. Nußbaum stoppte deshalb nach seinem Amtsantritt im Mai die Finanzzusagen für die Sanierung des Bettenhochhauses an die landeseigene Charité und verlangte ein belastbares Gesamtkonzept.

Probleme unterschätzt

Er bereue die Annahme seiner Berufung an die Spitze der ebenso berühmten wie maroden Charité nicht, betonte der renommierte Mediziner, der von 2001 bis 2006 Vorsitzender des Wissenschaftsrates war. „Das ist eine große Herausforderung. Ich habe auch kein Zuckerschlecken erwartet“, sagte Einhäupl. „Aber ich gebe zu, dass ich die Dimensionen der Probleme unterschätzt habe.“

Er fühle sich von den Politikern über alle Parteien hinweg, aber auch von den Medien auf dem schwierigen Konsolidierungsweg nicht ausreichend unterstützt, bekannte der Wissenschaftler Er kenne diese „Kultur“ der Freude am Schlechtreden und Skandalisieren nicht aus anderen Städten, sagte der gebürtige Münchner.

Einhäupl verspricht drastische Einsparungen

Er wisse um die schwierige Finanzsituation des Landes und um die Probleme, die die Charité selbst verursacht habe. Er habe Verständnis dafür, dass das Land jetzt keine 650 Millionen Euro zur Verfügung stellen könne. Deshalb sei er auch mit einer Streckung des Gesamtbetrages zur Erhaltung der Charité einverstanden.

„Wir werden 2009 die von uns zugesagte drastische Reduktion der laufenden Kosten erreichen, die uns kein Experte zugetraut hat“, betonte Einhäupl. „Am Ende des Jahres 2009 steht zwar keine schwarze Null, aber nur noch minus 19 Millionen Euro. Ende 2008 belief sich das Defizit noch auf minus 56 Millionen Euro.“

„Wir sind keine nachgeordnete Behörde, sondern mit einem jährlichen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro ein großes Wirtschaftsunternehmen. Um es aus den roten Zahlen zu führen und zugleich Forschung, Lehre und Krankenversorgung nicht zu beschädigen, brauchen wir das Vertrauen der Politik, die uns für diese Aufgabe geholt hat, und wir brauchen die Handlungsfreiheit eines Wirtschaftsunternehmens“, unterstrich Einhäupl.