Brandanschläge

Polizeipräsident warnt Porsche-Fahrer vor Kreuzberg

Dieter Glietsch hat Besitzer von Luxus-Autos davor gewarnt, ihre Wagen im Szene-Bezirk Kreuzberg abzustellen, und damit einen Proteststurm ausgelöst. Parteien und Gewerkschafter bezeichnen die Warnung des Polizeipräsidenten als "Bankrotterklärung".

Foto: ANDREAS MARKUS / Markus

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Brandanschläge auf Luxusautos hat Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch die Besitzer teurer Wagen gewarnt, ihre Fahrzeuge in Kreuzberg zu parken. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wurde aufgefordert, den Polizeichef zu maßregeln. Berlins CDU-Generalsekretär Frank Henkel forderte Glietsch zu einer Richtigstellung auf.

In der Hauptstadt sind bis Anfang Juni bei politisch motivierten Brandanschlägen 60 Fahrzeuge zerstört worden, vor allem Luxus- und Firmenwagen.

Glietsch hatte in der "tageszeitung" (taz) Porsche-Besitzern abgeraten, ihr Auto in Kreuzberg nachts auf der Straße zu parken. In dem Interview erläuterte der Polizeipräsident die Schwierigkeit, das Anstecken von Autos polizeilich bekämpfen zu können. Das liege daran, dass es in der Hauptstadt mehr als eine Million Autos gebe, der Täter einen Grillanzünder unter das Fahrzeug lege und schon vor dem ersten Qualm zwei Straßen weiter sei. Auf die Frage an Glietsch, was er Porsche-Fahrern rate, fiel der jetzt umstrittene Satz.

Der Vorsitzende des Innenausschusses des Abgeordnetenhauses, Peter Trapp (CDU), reagierte empört: "Die Aufforderung, nicht mehr in Kreuzberg zu parken, ist ein Unding. Sie zeigt, dass in der Hauptstadt das Eigentum der Bürger nicht mehr geschützt und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann." CDU-Generalsekretär Henkel sagte: "Dieser Polizeipräsident ist an Ignoranz gegenüber der Kriminalität in dieser Stadt nicht mehr zu überbieten. Diese Äußerung ist eine Kapitulation. Wenn Kraft und Wille nicht mehr da sind, Gewalt und Kriminalität zu bekämpfen, dann haben die Linksextremisten ihr Ziel erreicht und die Bevölkerung verunsichert." Sollte Dieter Glietsch zu seinen Worten stehen, "müsse er Platz machen".

Klaus Eisenreich, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, sagte, dass sich nun die Auswirkungen des dramatischen Personalabbaus bei der Polizei bemerkbar machen würden. "Jetzt rächt sich, dass sich die Polizei aus der Fläche zurückgezogen hat und Abschnitte schließen musste. Wir haben in den letzten Jahren 7000 Polizisten abgebaut." Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, kritisierte, Aussagen wie die des Polizeipräsidenten würden die Vertrauensbildung in der Bevölkerung nicht befördern. Der innenpolitische Sprecher der FDP, Björn Jotzo, sagte: "Es heißt immer, es gebe keine No-go-areas. Nun wurden die No-drive-areas geschaffen. Das ist skandalös."

Innensenator Körting stellte sich an die Seite von Glietsch: "Gelegenheit macht Diebe, Gelegenheit macht Vandalismus. Man sollte als Besitzer teurer Karossen nicht provozierend parken, sondern am besten gut sichtbar."

Der Polizeipräsident selbst sagte: "Der Rat an Besitzer hochwertiger Fahrzeuge, ihre Autos nachts nicht in Kreuzberg zu parken, ist keine Bankrotterklärung, sondern der Hinweis auf eine wirksame Präventionsmöglichkeit. Ich habe in dem taz-Interview - wie schon bei anderer Gelegenheit - erklärt, warum Brandanschläge auf Fahrzeuge begangen werden, obwohl die Polizei alles tut, was sinnvoll ist, um diese Delikte zu bekämpfen. Dass man Schätze im Wert von 100.000 Euro und mehr nachts nicht unbedingt dort auf die Straße stellen sollte, wo trotz aufwendiger polizeilicher Maßnahmen auch künftig mit Brandanschlägen gerechnet werden muss, rät nicht nur die Polizei, sondern auch der gesunde Menschenverstand."

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.