Huth statt Orco

Berliner Investor soll den Leipziger Platz retten

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Isabell Jürgens und Norbert Schwaldt

Seit die Orco-Gruppe kürzlich das Projekt Haus Cumberland aufgegeben hat, wird um den Leipziger Platz gebangt. Nun scheint Orco tatsächlich auch dort auszusteigen. Der Berliner Investor Harald G. Huth soll übernehmen. Möglicherweise werden die Orco-Pläne nun in einer Sparversion umgesetzt.

Die finanziell schwer angeschlagene Orco-Gruppe muss die Planungshoheit über ihr letztes verbliebenes Bauvorhaben aus der Hand geben. Das Stadtquartier auf dem ehemaligen Wertheim-Areal am Leipziger Platz soll nach Informationen aus Branchenkreisen nun federführend von dem Berliner Investor Harald G. Huth entwickelt werden. Huth hat in Berlin neben den Einkaufszentren Gropius-Passagen in Neukölln und „das Schloss“ in Steglitz auch das am 1. Oktober eröffnete Hotel „Meininger“ am Hauptbahnhof realisiert. „Kein Kommentar“, sagt dazu Huth.

Für das 22.000 Quadratmeter große Areal hatte Orco Ende 2006 75 Millionen Euro gezahlt. Offiziell wird für das Wertheim-Areal von einem Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro gesprochen. Insider gehen indes davon aus, dass gut 400 Millionen Euro nötig wären, um das Quartier so zu bauen, wie es derzeit nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Kleihues + Kleihues projektiert ist. „Ich hoffe, dass es bei diesem hochwertigen Konzept bleibt“, sagt Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD).

Der Leipziger Platz ist das letzte und zugleich größte Projektvorhaben, das die klamme Orco-Gruppe in Berlin noch hat. Das hoch verschuldete Unternehmen musste bereits das Luxus-Wohnprojekt Fehrbelliner Höfe stoppen und das Areal verkaufen. Auch der Verkauf des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm steht unmittelbar bevor. Für 30 Millionen Euro soll es an die weitgehend unbekannte schweizerische Stein-Gruppe gehen. Orco hatte vor drei Jahren 40 Millionen Euro für das Baudenkmal gezahlt. Der neue Investor plant nach Informationen von Morgenpost Online aus Branchenkreisen an dem prominenten Standort nun ein völlig anderes als das bisher von Orco präsentierte Projekt: Luxus-Wohnungen und Handelsflächen. Ein Hotel ist nicht mehr vorgesehen. Ein Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben, damit wird erst in den nächsten Tagen gerechnet. Dass nun auch am Leipziger Platz ein völlig neues Konzept präsentiert wird, bezweifelt Baustadtrat Gothe. „Durch den Bebauungsplan ist genau festgelegt, welche Nutzungen in welchem Umfang möglich sind.“ Es sei jedoch möglich, an der Qualität des Entwurfs zu sparen. „Ein Eichenwald auf dem Dach ist nicht vorgeschrieben und ziemlich teuer“, nennt Gothe ein Beispiel.

Über sein Unternehmen High Gain House Investments GmbH (HGHI) ist Harald Huth bereits seit einigen Monaten auf der Suche nach Mietern für den Leipziger Platz. Wie nah sich Orco und der rührige 40-Jährige bereits gekommen sind, beweist auch die Tatsache, dass HGHI seit zwei Wochen in der Orco-Zentrale am Kurfürstendamm 103/104 residiert. Huth hat mit seinen Mitarbeitern eine ganze Etage übernommen. Bei Orco wird das damit begründet, dass durch den Stellenabbau in der Firmenzentrale zum einen Büroflächen frei geworden seien und dass man zum anderen an der Vermarktung des Vorhabens am Leipziger Platz eng mit Huth zusammenarbeite. Informationen, wonach Huth das Projekt allein oder gar Orco Germany in Gänze übernehmen werde, wurden bislang nicht bestätigt. Klar ist jedoch, dass es Orco bislang nicht gelungen ist, kapitalstarke Partner für das Projekt am Leipziger Platz zu finden. Es würden noch weitere Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Auf der am Mittwoch beendeten Immobilienmesse Expo Real in München war die Zukunft des Leipziger Platzes eines der meistdiskutierten Themen. International gilt Berlin derzeit als einer der sichersten Investitionsstandorte für Immobilien. Die zahlreichen spektakulären Verkäufe der vergangenen Wochen scheinen diese Auffassung zu bestätigen. Hoffnung machte vor allem der Verkauf des Geschäftshauses „die mitte“ auf dem Alexanderplatz, das die CGI Hausinvest für 126 Millionen Euro übernommen hat. „Das zeigt, dass auch wieder größere Deals möglich sind“, sagte Andreas Schulten vom Analysehaus BulwienGesa. Angesichts der für das Bauvorhaben am Leipziger Platz erforderlichen Investitionen sind das jedoch immer noch relativ geringe Summen.