Sanierung

Dussmann will der Staatsoper den Geldhahn zudrehen

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Foto: Senatsverwaltunf für Stadtentwic

Rokoko oder Moderne, der Streit um die Sanierung des Innenraums der Staatsoper gewinnt an Schärfe. Sollte der Entwurf des Architekten Klaus Roth umgesetzt werden, will der Freundskreis der Staatsoper um den Unternehmer Peter Dussmann seine Finanzspritze zurückziehen. Dabei geht es um 30 Millionen Euro.

Der Streit um den Umbau der Berliner Staatsoper wird immer heftiger. Der Verein der Freunde und Förderer des Hauses um den Unternehmer Peter Dussmann droht mit dem Entzug der zugesagten Finanzhilfen, falls der preisgekrönte Entwurf des Architekten Klaus Roth mit einer völligen Umgestaltung des Zuschauerraums umgesetzt wird.

"Sollte sich die Politik, ungeachtet der Empörung in der Stadt, für die modernistische Raumvariante entscheiden, werden wir unser Angebot eines finanziellen Engagements nicht aufrechterhalten“, erklärte der Verein am Mittwoch. Der Verein will 30 Millionen der auf 260 Millionen Euro veranschlagten Baukosten beisteuern.

Die Bundesstiftung Baukultur sprach sich für den preisgekrönten Entwurf aus. Roths Arbeit stelle die Architektur in den Dienst von Kunst und Kunstgenuss, erklärte der Stiftungsvorsitzende, Michael Braum, in einem offenen Brief, der unter anderem an den Generalmusikdirektor der Lindenoper, Daniel Barenboim, und an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ging.

Der kulturpolitische Sprecher der mitregierenden Partei Die Linke, Wolfgang Brauer, sprach sich ebenfalls für den Siegerentwurf aus. Zuvor hatte der Sprecher für Standentwicklung der Linken, Thomas Flierl, vor einem totalen Verschwinden des historisierenden Saales gewarnt.

Der prämierte Entwurf müsse als bestmögliche Lösung in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Dann werde er auch von den Berlinern und den Besuchern der Stadt unterstützt, erklärte die Stiftung weiter. Die 2007 gegründete Bundesstiftung Baukultur setzt sich für „gutes Bauen und Planen“ ein. Im Stiftungsrat sitzen Vertreter aus Politik und Architektur.

Nach Angaben der Opernfreunde hätten 75 Prozent der 1400 Vereinsmitgliedern für den Erhalt des 1955 von Richard Paulick entworfenen Raumes mit seinen historischen Vorbildern und gegen einen modernen Zuschauerraum votiert. Die Vereinsmitglieder wollten nicht durch ihre Spenden den Umbau von einem Opernhaus in ein „Multiplexkino“ finanzieren. „Sollte die Politik nicht zur Vernunft kommen und diesen Entwurf fallen lassen, werden wir eine Bürgerbewegung formieren und ein Volksbegehren initiieren“, sagte Dussmann.

Der zweitplatzierte Wettbewerbsentwurf bewahre den Geist Friedrich des Großen als Bauherren und ermögliche trotzdem Korrekturen bei Sicht und Akustik, erklärte der Verein weiter. Das Düsseldorfer Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner will nur geringe Eingriffe in den Zuschauerraum vornehmen. So soll die Decke um 80 Zentimeter angehoben, die Logen rechts und links vom Orchestergraben um 80 Zentimeter zurückversetzt werden. Das Parkett soll anders als beim Roth-Entwurf nur leicht ansteigen.

Roth hingegen will den Zuschauerraum völlig neu gestalten und alle Spuren von Barock und Rokoko tilgen. Die Fassade des Hauses bleibt in jedem Fall unangetastet. Am Dienstagabend hatten sich Vertreter von Bund und Land bei einem Spitzentreffen über die Auswahl des Entwurfs zur Renovierung der Staatsoper beraten. Eine Entscheidung soll bis zur Sommerpause Mitte Juli getroffen werden.

Eine Jury hatte Roths Pläne unter acht Vorschlägen ausgesucht. Akustik und Sichtbedingungen im Opernhaus seien nach heutigen Maßstäben sehr dürftig und müssten dringend verbessert werden, hatte die Jury erklärt. Für die Zeit der Sanierung von 2010 bis 2013 soll der Betrieb der Staatsoper in das heute leer stehende Schiller-Theater ziehen.

( dpa/mim )