Bildung

Berlin bekommt Internat für Schulschwänzer

Berlin will ab kommendem Schuljahr ein erstes Internat für hartnäckige Schulschwänzer einrichten. In einem Modellversuch im ehemaligen Kinderheim Haus Buckow sollen zunächst maximal 40 Schulverweigerer aus Neukölln betreut werden.

Träger der Einrichtung ist das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) Lazarus. Das Projekt habe in dieser speziellen Form bundesweit kein Vorbild, sagt Jugendreferatsleiter Michael Piekara. Im Unterschied zu einem Heim können die Schüler am Wochenende und in den Ferien in die Familie zurückkehren. Das Internat gehört zu einer Reihe von Maßnahmen der Neuköllner SPD, um die Schulpflicht konsequenter durchzusetzen.

"Schüler, die sonst als sogenannte Wanderpokale von einer Schule zur nächsten weitergereicht werden, sollen hier eine besonders intensive Betreuung mit speziell qualifiziertem Personal erhalten", sagte Fritz Felgentreu, Vizefraktionschef der SPD im Abgeordnetenhaus der Berliner Morgenpost. Im Einzelfall soll entschieden werden, ob das Internat eine Übergangslösung zur Wiedereingliederung in die Regelschule sein soll oder ob der Schüler dort bis zu seinem Schulabschluss verbleibt. Das Internat solle keine Strafmaßnahme, sondern eine neue Form der verbindlichen Beschulung sein, so Felgentreu.

Neben dem Internatsprojekt schlägt die Neuköllner SPD weitere Maßnahmen zum Kampf gegen hartnäckige Schulverweigerer vor: Dazu gehören unter anderem Flughafenkontrollen nach den Ferien sowie die Kürzung des Kindergeldes, wenn Eltern bei der Durchsetzung der Schulpflicht nicht kooperieren.

Neben den Sanktionen wollen die Verfasser allerdings auch mit einer Qualitätsoffensive die sogenannte Schuldistanz bekämpfen. Dazu gehört die Abschaffung der Hauptschule als erster Schritt zur Gemeinschaftsschule. Die Neuköllner SPD will die Resolution auf dem bildungspolitischen Landesparteitag im Herbst als Antrag einbringen. Innerhalb der Partei werden die Vorschläge derzeit allerdings noch kontrovers diskutiert.