Diskriminierende Äußerungen

Bankgewerkschaft nennt Thilo Sarrazin untragbar

Die Kritik an Berlins ehemaligem Finanzsenator Thilo Sarrazin wächst. Nach der Rücktrittsforderung von Bundesbank-Präsident Axel Weber bezeichnet nun auch die Gewerkschaft der Bundesbank den jetzigen Bank-Vorstand nach seinem Skandal-Interview als untragbar. In Berlin wird mit Spannung Sarrazins Auftritt vor der Industrie- und Handelskammer am Montag erwartet.

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In einem Interview Sarrazins mit der Zeitschrift "Lettre International" hatte der SPD-Politiker seitenlang seine umstrittenen Ansichten über die Berliner Migrantengruppen dargestellt. Parteiangehörige und die Berliner Bürger sind empört.

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Berlins Unternehmer des Mittelstands dürfen gespannt sein. „Deutschland nach der Wahl“ heißt das Thema des dritten Berliner Mittelstandstages, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) am Montagmittag ins Ludwig Erhard Haus einlädt. Das Thema allein schon könnte spannend werden. Doch wesentlich neugieriger werden Berlins Unternehmer auf den angekündigten Redner sein, der das für 13 Uhr angesetzte „Impulsreferat“ halten soll: Thilo Sarrazin.

Dieser Referent könnte derzeit nicht umstrittener sein. Er hat sich in der vergangenen Woche mit verächtlichen Äußerungen über Migranten und das kleinbürgerliche Berlin hervorgetan. Angekündigt ist Berlins ehemaliger Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD). Eine Absage lag der IHK bis Sonntag nicht vor. Und auch auf der Internetseite der Bundesbank wurde unter „Ausgewählte Termine“ die „Rede von Dr. Thilo Sarrazin beim 3. Mittelstandstag“ noch angekündigt.

Indes wächst der Druck auf das Bundesbank-Vorstandsmitglied. Nachdem Bundesbank-Präsident Axel Weber seinem Mitarbeiter am Sonnabend in Istanbul indirekt den Rücktritt nahegelegt hatte, stieß jetzt auch die Bundesbankgewerkschaft in das gleiche Horn. „Mit seinen Äußerungen hat Sarrazin dem Ansehen der Deutschen Bundesbank erheblichen Schaden zugefügt“, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft, die 7000 der gut 10.000 Beschäftigten der Bundesbank vertritt. Er sei „deshalb als Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank nicht mehr tragbar“. Die Gewerkschaft kritisierte insbesondere die „ehrverletzende Art und Weise der Äußerungen“.

Kritik kam erneut aus der Türkei. Der Vizechef der dortigen Zentralbank, Ibrahim Turhan, sagte nach einer Meldung der Zeitung „Sabah“ vom Sonntag zum Fall Sarrazin: „Allah möge ihm mehr Verstand geben“. Der Bundesbank-Präsident hatte am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und mit Verweis auf die Sarrazin-Äußerungen in der Zeitschrift „Lettre International“ von einem Reputationsschaden für die Bundesbank gesprochen. Auch in Sarrazins Partei, der SPD, waren dessen Äußerungen Anlass für Empörung. Mit Rücktrittsforderungen an den Vorstand der Bundesbank aber hielt man sich zurück.

„Das muss der Bundesbank-Präsident mit Sarrazin ausmachen, was in der Funktion als Bundesbank-Vorstand tragbar ist“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Gaebler. „Sarrazins Äußerungen an sich aber sind völlig indiskutabel.“ Sarrazin müsse prüfen, ob er noch auf dem Boden der Grundwerte und der Sozialdemokratie stehe. Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), selbst jemand, der Tabubrüche nicht scheut, kommentierte Sarrazins Äußerungen mit dem Satz: „Unabhängig davon, was richtig oder falsch an seinen Äußerungen ist, da ist er einen Schritt zu weit gegangen.“