Tempelhof

Berlins Linke überlegt Hangar für Bibliothek zu nutzen

Die Linkspartei will eines der Lieblingsprojekte des Regierenden Bürgermeisters für Tempelhof prüfen. Statt dort für die Zentral- und Landesbibliothek ein neues Gebäude zu bauen, könnte die Bibliothek auch in Terminal oder Hangar ziehen, so die Überlegung.

Foto: ddp / ddp/DDP

Es ist ein Beschluss, der in der Woche nach der Bundestagswahl fast untergegangen ist, aber der es in sich hat. Die Fraktion der Linken stimmte am vergangenen Dienstag für einen Antrag, der vorsieht, eines der Lieblingsprojekte des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) zu überprüfen: die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

270 Millionen Euro soll der geplante Neubau in der südwestlichen Ecke des Flugfeldes kosten, in dem die Bestände der maroden Bibliothek an der Breiten Straße in Mitte, der Senatsbibliothek und der Amerika-Gedenkbibliothek zusammengefasst werden sollen. Doch jetzt regt sich Widerstand. Die Linksfraktion beschloss in ihrer vergangenen Sitzung, die Planungen in wesentlichen Punkten zu überprüfen. Zwar bekennt sich die Linke zu der Zentral- und Landesbibliothek in Tempelhof. Aber die konkreten Überlegungen stellt der Koalitionspartner der SPD nun wieder infrage. So soll geprüft werden, ob wirklich ein Neubau für 270 Millionen Euro notwendig ist. „Wir halten das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof für das Investitionsvorhaben ZLB für geeignet, erwarten aber für eine endgültige Standortentscheidung eine gründliche Prüfung der möglichen Bauvarianten“, so der Beschluss. Als Alternativen für einen Neubau werden das Terminal oder die Hangars genannt. Zudem sind der Linksfraktion die Kosten zu hoch. „Die bisher geschätzte Bausumme von 270 Millionen Euro und das zugrunde liegende Bedarfsprogramm sind einer kritischen Überprüfung zu unterziehen“, so der Beschluss.

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Thomas Flierl, sagte: „Wir brauchen nicht nur ein Highlight, sondern wir müssen auch etwas in der Fläche tun.“ Flierl verwies auf sein Konzept, das er als Kultursenator entworfen hatte, das aber nicht umgesetzt worden war. In dem Fraktionsbeschluss heißt es entsprechend: „Berlin braucht ein … System öffentlicher Bibliotheken. Dazu gehören die dezentralen Einrichtungen in den Bezirken ebenso wie eine moderne, großstädtische Zentral- und Landesbibliothek.“

Pikanterweise treffen in der Diskussion um die Landesbibliothek zwei politische Widersacher aufeinander: der Regierende Bürgermeister und der von ihm für eine zweite Amtsperiode verhinderte ehemalige Kultursenator Flierl. Die Sprecherin der Linksfraktion, Kathi Seefeld, sagte: „Es geht hier um eine inhaltliche Diskussion.“

Wowereit möchte den Beschluss der Linken-Fraktion nicht als Angriff auf sein Bibliotheksprojekt werten. „Das ist doch ein Bekenntnis zum Standort Tempelhof“, sagte Wowereit. Der Wunsch, den Neubau oder eine Integration in das bestehende Flughafengebäude zu prüfen, sei nachvollziehbar. Auch über den Kostenrahmen von 270 Millionen Euro für die Bibliothek könne man reden.