Nachnutzung

Traditionelles Reitturnier belebt Flughafen Tempelhof

Ein weiterer Nachmieter präsentiert sich seit Mittwoch auf dem Flughafen Tempelhof . Um 8.30 Uhr ritt das erste Pferd des Hauptstadtturniers in die Bahn ein, noch bis Sonntag finden im Hangar 6 Prüfungen in Springen und Dressur statt. Damit ist das älteste Hallen-Reitturnier der Welt zurück.

Ein leichter Wind weht durch die riesige Halle mit den drei Stahlrohrtribünen, Sonnenstrahlen brechen sich im Fenster und erhellen Hangar 6 am Flughafen Tempelhof.

Während zwei Arbeiter den Reitboden mit Wasser begießen, damit dieser an Festigkeit gewinnt, wischen andere Helfer die blauen Schalensitze ab. Techniker prüfen noch einmal die installierten Leuchtstrahler, deren Gesamtleistung 3.000.000 Watt beträgt, zwei Mitarbeiter einer Berliner Brauerei montieren derweil am Prüfungsplatz eine Zapfanlage.

Die letzten Arbeiten wurden am Dienstagabend noch rechtzeitig zu Ende geführt, so dass der großen Premiere nichts mehr im Wege steht. Um 8.30 Uhr ritt am Morgen das erste Pferd beim Hauptstadtturnier in die Bahn ein, bis Sonntag finden an der historischen Stätte die Prüfungen in Springen und Dressur statt. Damit erlebt das älteste Hallen-Reitturnier der Welt nach sechsjähriger Pause eine Neuauflage. "Wir wollen die Tradition zurückgewinnen", sagt der Ehrenpräsident der Veranstaltung, Dieter Drost.

1923 wurde das Turnier im einstigen Sportpalast aus der Taufe gehoben, 1936 zog die Veranstaltung in die Deutschlandhalle um, wo sich Reitern und Besuchern völlig neue Dimensionen boten. So fanden zum Beispiel an drei Abenden Polowettbewerbe statt. Nach dem 2. Weltkrieg folgten glanzvolle Jahrzehnte, in denen sich berühmte Reiter wie Fritz Thiedemann, Hans Günther Winkler oder Nelson Pessoa in die Siegerlisten eintrugen. Erfolgreichster Springreiter aber war Hugo Simon, der insgesamt viermal im Großen Preis triumphierte.

Mit 52.000 Besuchern stellte das CHI (frz: Concours Hippique International) 1994 einen neuen Rekord auf, drei Jahre später dann erfolgte der Umzug ins Velodrom an der Landsberger Allee, wo Reiter jedoch über die schlechten Bedingungen klagten. 2003 schließlich fand das Reit-und Springturnier in den Messehallen am Funkturm sein vorläufiges Ende. Den Weltcupstatus hatte man zu dieser Zeit längst an Leipzig abgeben müssen. "Aber es ist unser Anspruch, irgendwann wieder in dieser Liga zu spielen", sagte Thomas Baur, Sportlicher Leiter des Hauptstadtturniers, der die Veranstaltung im nationalen Vergleich von der Wertigkeit im gehobenen Mittelfeld ansiedelt.

An den fünf Turniertagen stehen insgesamt acht Dressur- und 20 Springprüfungen auf dem Programm, Höhepunkt ist der Preis von Deutschland am Sonntag, der mit 60.000 Euro dotiert ist. Ein Preisgeld, das auch die internationalen Topleute nach Berlin lockt. Unter den knapp 200 Reitern aus 13 Nationen sind fünf Olympiasieger und etliche Welt- und Europameister. Auch der mit vier olympischen Goldmedaillen ruhmreichste Springreiter der vergangenen 20 Jahre, Ludger Beerbaum aus Riesenbeck, reist an die Spree, ebenso wie die gesamte deutsche Elite. "Es ist schön, dass Berlin wieder ein großes Reitturnier hat", sagt Beerbaum. "Wir haben für die Erstauflage eines Turniers ein überragendes Nennungsergebnis", jubiliert Turnierleiter Baur, "das Interesse der Aktiven ist riesengroß." Dabei spiele der optimale Termin eine mitentscheidende Rolle.

Die US-Dressurspezialistin Catherine Haddad findet es "absolut toll", dass in der aufregendsten Stadt Europas nun wieder Turniersport zu Pferde stattfindet. Als sie in der 8. Klasse war, besuchte sie schon einmal den Flughafen Tempelhof, später dann studierte sie Geschichte. "In den USA ist dieser Flughafen wegen der Luftbrücke und der Rosinenbomber allen ein Begriff", sagt sie und lacht: "Außerdem ist es mit das längste Gebäude der Welt und hat dabei den kleinsten Duty-free-Shop."

Ohne die Einstellung des Flugbetriebs hätte das Hauptstadtturnier in Tempelhof freilich nicht stattfinden können. "Aber dieses Reit-Turnier gehört in die Stadt", sagt Ralf Herrmann, Dortmunder Unternehmer und Initiator der Veranstaltung, die in diesem Jahr zwar nur national ausgeschrieben, aber international besetzt ist. 2010 soll dann ein CSI (Concours Saut International) etabliert werden.

Austragungsort Tempelhof gesichert

Der Austragungsort am Flughafen Tempelhof jedenfalls ist sicher. Die Turniermacher haben mit dem Senat einen Mietvertrag über fünf Jahre abgeschlossen, sie halten zudem eine Option auf eine Verlängerung um weitere fünf Jahre. "Der Flughafen mit den Hangars und Außenflächen ist ein logistisches Paradies, das ist ein großer Vorteil zu anderen Standorten", sagt Herrmann, der bei der Planung viel Zuspruch von Sponsoren erhielt. "Wir haben zwar keinen klassischen Hauptsponsor", sagt Herrmann, "aber finanziell steht das Turnier."

Programmvorschau unter www.hauptstadturnier.de
Ticket-Hotline: 030 - 69 51 25 00 .